„Für die Blacks zu weiß, für die Whites zu schwarz, ein Tourist in Côte d’Ivoire. Doch welcome home. Fühl dich wie zu Haus.“ Jovans Texte sind direkt, persönlich und gesellschaftskritisch. In seinen Songs rappt er über Identität, Zugehörigkeit und die Widersprüche, mit denen er als schwarzer Deutscher aufwächst.
Mehr als 100.000 Menschen hören seine Musik monatlich. Trotzdem wirkt der 22 Jahre alte Darmstädter im Gespräch erstaunlich bescheiden. Im Zoom-Call lacht er viel, macht Witze und wirkt entspannt – gleichzeitig spricht er sehr klar darüber, wohin er will.
„Mir ist wichtig, dass Kunst ehrlich und authentisch ist“, sagt er. Vieles im Hip-Hop sei ihm zu überheblich und zu weit weg von der Realität. Seine eigenen Texte legt er deshalb als Spiegel seines Lebens an.
Mit seiner Musik begann Jovan früh. Mit etwa 14 Jahren schrieb er erste Texte. Sein großes Vorbild ist der amerikanische Rapper Eminem. Schon in der Grundschule hielt er ein Referat über ihn. „Ich wusste damals gar nicht, wie vulgär seine Musik eigentlich ist“, erzählt er und lacht: „Man kann gerne darüber streiten, wie man das findet. Aber er ist authentisch. Und das fand ich immer krass.“
Durchbruch auf Tiktok
Der erste Song, den er aufnahm, entstand mit 15 oder 16 Jahren in einem kleinen Studio in Griesheim. Nachdem er von ihm erfahren hatte, ging es ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er musste dort einfach seine Musik aufnehmen. Inhaltlich verließ er sich zu diesem Zeitpunkt noch stark auf klassische Rap-Klischees. Mittlerweile arbeitet er anders: Zuerst sucht er den Beat, dann schreibt er den Text dazu.
Mal entstehen dabei persönliche Songs über Gefühle oder alltägliche Freuden, mal politische Texte über Identität und Rassismus. Vor der Veröffentlichung von Songs über seine eigenen Unsicherheiten schreckt Jovan noch zurück. Sie sind geschrieben und warten darauf, aufgenommen zu werden. Aber das ist ein Zukunftsprojekt.
Seinen großen Durchbruch verdankt er Social Media, wo er mit einem Video über sein Lied „Chop Chop“ auf Tiktok viral ging. Innerhalb weniger Minuten bekam das Video mehr als 5000 Likes. Doch für Jovan sind die sozialen Medien Fluch und Segen zugleich. „Es fühlt sich manchmal so an, als würde die ganze Welt jeden Schritt beobachten. Das kann echt angsteinflößend sein“, sagt er: „Außerdem mag ich es nicht, wenn ständig über meine Viralität geredet wird. Dann habe ich das Gefühl, dass etwas passiert, was ich nie wollte: dass ich ein Tiktok- oder Social-Media-Phänomen werde.“
Jetzt auch auf Youtube
Deswegen hat er sich lange gegen eine Medienpräsenz entschieden, bis seine Freunde ihn dazu überredeten, seine Lieder auf den Plattformen hochzuladen. Nun macht er Musikvideos mit professionellen Filmteams und veröffentlicht sie auf Youtube.
Trotz anfänglicher Zweifel setzt Jovan inzwischen ganz auf die Musik. „Eigentlich finde ich nicht, dass man immer alles auf eine Karte setzen sollte. Aber ich bin verdammt noch mal 22“, sagt er: „Das ist genau die Zeit, in der wir unser inneres Kind glücklich machen dürfen.“
Trotz wachsender Reichweite bleibt er im direkten Kontakt überraschend nahbar. Für Liveauftritte und Interviews erreicht man ihn durch DMs auf Instagram, nicht durch ein Management. Auch für Geburtstagsgrüße steht er gerne zur Verfügung – das kann allerdings bei den Unmengen an Anfragen für einen einzelnen Mann sehr schwer sein. „Ich bin halt gerade noch eine One-Man-Army. Deswegen: An alle Leute, denen ich nicht geantwortet habe – es tut mir leid.“
Seine Mutter und Geschwister haben seine Begeisterung für Musik von Anfang an unterstützt und ihn mit Vorbildern aus der Hip-Hop- und Rap-Szene versorgt. Auch als er selbst in die Musikbranche einstieg, stand die Familie hinter ihm. „Dieses typische Bild von: ‚Keiner hat an mich geglaubt, und jetzt habe ich es geschafft‘ – das ist bei mir gar nicht so. Ich habe sehr viel Support bekommen.“
Auch wenn sein Erfolg deutschlandweit ist, bleibt seine Basis Darmstadt. „Ich weiß hier, wer ich bin. Hier gehöre ich hin, und hier bin ich geboren.“ Er ist Teil des Rap-Kollektivs Southside Beleş Boys, das er zusammen mit vier Freunden vor drei Jahren gegründet hat. Alle ihm angehörenden Künstler stammen aus Darmstadt. Durch das Kollektiv bekam er auch seine ersten Auftritte, unter anderem beim Schlossgrabenfest. Aus Darmstadt wegzuziehen, kann er sich bisher kaum vorstellen.
Für die Zukunft hat er keine konkreten Zahlen und Ziele im Kopf. „Ich will einfach glücklich sein“, sagt er und grinst. Natürlich träumt er von großen Touren und davon, von seiner Musik leben zu können. Doch im Mittelpunkt steht für ihn weiterhin das, womit alles angefangen hat – ehrliche Texte über das eigene Leben: „Mal zeigen, wie man wirklich ist. Man ist aus einem bestimmten Grund genau diese Person – und das sollte man nicht vergessen.“
