
Es stimmt, was ein SPD-Politiker über den Gast gesagt hat, den Bundesregierung und Bundespräsident in Berlin empfangen haben, den syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa: Ein Anzug macht noch keinen Demokraten.
Es trifft aber auch in diesem Fall zu, was ein deutscher General einmal über bestimmte regionale Machthaber am Hindukusch gesagt hat, mit denen die Bundeswehr Absprachen getroffen hat: Man kann nur mit den Bräuten tanzen, die im Saal sind.
80 Prozent Rückkehrer – eine ehrgeizige Marke
Deutschland hat ein Interesse daran, einen Ansprechpartner in Syrien zu haben, mit dem Vereinbarungen getroffen werden können. Dabei geht es nicht nur um Rückführungen, obwohl das von Kanzler Merz formulierte Ziel von 80 Prozent Rückkehrern binnen drei Jahren beachtlich ehrgeizig erscheint. Es geht auch um Wiederaufbau und eine wirtschaftliche Anbindung Syriens an Europa. Und da gibt es derzeit keinen anderen als den Pragmatiker Scharaa.
Der hat eine Vergangenheit als Führer einer islamistischen Miliz, die auf Terrorlisten stand. Und seine oder mit ihm verbündete Kräfte haben Gewalt bis hin zu Massakern an Kurden, Alewiten und anderen Minderheiten zu verantworten. Zu Recht misstrauen sie ihm.
Aber zumindest sind unter ihm die Kräfte der Zentralregierung etwas gemäßigter zu Werke gegangen – im Vergleich zu Assad und dem IS. Er hat eine Vereinbarung mit den kurdischen Kräften getroffen, durch welche die Kämpfe zu Jahresbeginn beendet wurden. Man kann mit ihm tanzen: mit langem Arm und wenn man darauf achtet, dass man selbst führt.
