
Viele Notaufnahmen in Krankenhäusern sind überlastet, Patienten warten mitunter stundenlang, bis sie versorgt werden, darunter auch ernste Fälle. Andere wären bei ihrem Hausarzt besser aufgehoben. Im Bürgerhospital Frankfurt soll ein „gemeinsamer Tresen“ die Aufnahme und Verteilung der Patienten erleichtern. Die Ersteinschätzungsstelle wird vom Bürgerhospital gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen betrieben.
Patienten, die mit akuten Beschwerden ins Krankenhaus kommen, müssen sich seit Januar dieses Jahres zunächst am „gemeinsamen Tresen“ anmelden. Dort werden sie dann, je nach Schwere der Erkrankung, an die Notfallambulanz, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder den eigenen Hausarzt weiterverwiesen.
Die Erfahrungen der ersten Wochen zeigen: Seit Einführung des gemeinsamen Tresens können die Patienten schneller und gezielter versorgt werden, für die Beschäftigten des Krankenhauses sinkt die Arbeitsbelastung deutlich. Mit einem standardisierten Ersteinschätzungsverfahren können die Mitarbeiter am Tresen erfassen, wie dringlich jemand behandelt werden muss. Denn oft ist zunächst unklar, mit welcher Diagnose ein Patient das Krankenhaus aufsucht.
„Gemeinsamer Tresen“ soll Konflikten vorbeugen
Rund die Hälfte der Patienten, die am gemeinsamen Tresen vorstellig werden, sei nicht notfallbedürftig, sagt die leitende Oberärztin Daniela Dock-Rust. Solche Patienten hätte man früher wieder nach Hause schicken müssen. Jetzt bekomme jeder Patient einen Bericht und werde an einen passenden Behandler verwiesen. Von den Patienten werde das neue System bisher gut angenommen.
Die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) begrüßt die neue Art der Patientensteuerung: „Kluge Lösungen wie hier im Bürgerhospital bieten den Patienten die bestmögliche Betreuung und schützen das medizinische Personal vor Überlastung. Ich glaube, dass wir hier in Hessen eine Blaupause für ganz Deutschland sein können.“
Dem Geschäftsführer des Bürgerhospitals, Marcus Amberger, ist es besonders wichtig, durch das neue System auch Konflikten vorzubeugen. „Der gemeinsame Tresen dient auch der Deeskalation“, sagt er. „Kein Patient muss sich mehr ärgern, wenn jemand anderes vor ihm behandelt wird.“
Das Bürgerhospital ist das vierte Krankenhaus in Hessen, das den gemeinsamen Tresen eingeführt hat. Kliniken in Frankfurt-Höchst, Offenbach und Darmstadt haben das Modell bereits erfolgreich umgesetzt, weitere sollen folgen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen sei man bereits mit Krankenhäusern in Bad Soden, Rüsselsheim und Heppenheim im Gespräch.
Trotz der positiven Erfahrungen wolle man nicht in jedem hessischen Krankenhaus einen gemeinsamen Tresen einführen, sagt Steffen Gramminger von der Hessischen Krankenhausgesellschaft. Man müsse zwischen Ballungszentren und dem ländlichen Raum unterscheiden und individuell bewerten, wo ein solches System sinnvoll sei. Vielmehr wolle man ein Baukastensystem entwickeln, das man regional einsetzen könne.
