
Die hessische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr leicht geschrumpft. Nach ersten, noch vorläufigen Berechnungen des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ ging das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent zurück. Bundesweit stieg die Wirtschaftsleistung im selben Zeitraum um 0,2 Prozent, wie das Hessische Statistische Landesamt am Montag mitteilte. Im Jahr zuvor hatte Hessen noch um 0,4 Prozent zugelegt, während die deutsche Wirtschaft 2024 um 0,5 Prozent geschrumpft war.
Ausschlaggebend für die schwächere Entwicklung im Vergleich zum Bund waren die Dienstleistungen. Deren preisbereinigte Bruttowertschöpfung sank in Hessen um 0,2 Prozent, während sie bundesweit um 0,6 Prozent zulegte. Besonders deutlich fiel der Rückgang im Sektor „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen; Grundstücks- und Wohnungswesen“ aus: Hier verringerte sich die Wertschöpfung in Hessen um 1,5 Prozent (Bund: minus 0,6 Prozent).
Im produzierenden Gewerbe ergab sich in Hessen ein preisbereinigter Rückgang der Bruttowertschöpfung um 1,0 Prozent (Bund: minus 1,1 Prozent). Die Unterschiede innerhalb des Sektors blieben groß: Das Baugewerbe verzeichnete mit minus 6,0 Prozent (Bund: minus 2,9 Prozent) bereits im vierten Jahr in Folge kräftige Einbußen. Das verarbeitende Gewerbe in Hessen legte hingegen leicht um 0,2 Prozent zu, während es bundesweit um 1,0 Prozent zurückging.
Die Arbeitsproduktivität in Hessen sinkt
Nominal, also ohne Berücksichtigung der Preisentwicklung, wuchs Hessens BIP 2025 um 3,0 Prozent auf 382 Milliarden Euro (Deutschland: plus 3,3 Prozent auf 4470 Milliarden Euro). Der Anteil Hessens an der deutschen Wirtschaftsleistung lag bei 8,6 Prozent.
Weil die Zahl der Erwerbstätigen anders als die Wirtschaftsleistung leicht zunahm (3,62 Millionen Erwerbstätige, plus 0,2 Prozent), sank die Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen preisbereinigt um 0,5 Prozent (Bund: plus 0,3 Prozent).
Rechnerisch trug jeder Erwerbstätige in Hessen mit 105.600 Euro Wirtschaftsleistung zum BIP bei. Das waren aber immer noch 8,6 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt (97.210 Euro). Der hohe Wert spiegelt laut Statistischem Landesamt die Wirtschaftsstruktur des Landes mit „vielen hochproduktiven Dienstleistungen“ wider. Zugleich profitiert Hessen beim BIP je Kopf von einem Pendlerüberschuss, also Menschen, die nicht in Hessen wohnen, aber im Land arbeiten und zur Wertschöpfung beitragen.
Im europäischen Vergleich hätte Hessen als eigenständiger EU-Staat 2025 mit 382 Milliarden Euro BIP zwischen Dänemark (410 Milliarden) und Rumänien (379 Milliarden) gelegen. 16 der 27 EU-Mitgliedstaaten wiesen eine geringere Wirtschaftsleistung auf. Je Kopf rangierte Hessen mit 60.890 Euro zwischen den Niederlanden (65.210 Euro) und Österreich (55.710 Euro) auf Platz fünf. Bei der Entwicklung des BIP blieb das Land allerdings klar unter dem EU-Schnitt von plus 1,5 Prozent.
Die Zahlen sind vorläufig; die Datengrundlage wird im Zuge turnusmäßiger Revisionen weiter präzisiert.
