Um 18.30 Uhr ist erst ein kleiner Wahlbezirk ausgezählt. Der Kandidat der SPD, Lutz Ullrich, liegt dort satt vorn. „Jetzt machen wir davon ein Foto, dann gehʼn mer haam“, sagt einer im Foyer des Rathauses, wo alle gebannt auf den Bildschirm schauen, auf dem eine schwarze und eine rote Säule um die Wette wachsen. Der Besucher ahnte wohl schon, dass es dabei nicht bleiben sollte. Am Ende war das Ergebnis der Stichwahl deutlich: 58 Prozent der Stimmen konnte Thomas Milkowitsch (CDU) auf sich vereinen, Ullrich lag mit 42 Prozent deutlich dahinter.
Um kurz nach 19 Uhr kam der bislang als Erster Stadtrat fungierende Milkowitsch samt Familie die Treppe von seinem Amtszimmer herunter. Unter großem Applaus seiner Unterstützer gestand er, noch ein wenig sprachlos und überwältigt zu sein. Er dankte allen Wahlhelfern und seinen Mitbewerbern für einen fairen Wahlkampf.
„Das ist der Kandidat, von dem man gedacht hat, der will es wirklich“, sagt Norbert Altenkamp (CDU), der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises. Das sei ein „verdienter Sieg“. Milkowitsch selbst gab sich bescheidener. Schwalbach habe eine wichtige Zeit vor sich, der er mit Respekt entgegengehe. Er wolle mit allen gemeinsam etwas voranbringen.
Vielen tun die 19 Millionen Euro weh
Anke Aßmann, Stadtverordnete der SPD, meint, Ullrich hingen noch die Gelder nach, die der Stadt in der Greensill-Affäre abhandengekommen seien. Bürgermeister Alexander Immisch (SPD) hatte kurz nach Beginn seiner Amtszeit eine Anlage bei der Bremer Bank unterschrieben, im März 2021 ging das Haus in Konkurs. Etliche Kommunen verloren damals viel Geld, auch Schwalbach. „Vielen Wählern tun die 19 Millionen weh“, sagt Aßmann, „das kann ich auch verstehen.“ Am Wahlkampfstand sei sie zudem häufig mit Themen der Bundespolitik konfrontiert worden. Die SPD habe durch das Ausscheiden der grünen Kandidatin Katja Lindenau kaum Stimmen hinzugewonnen.

Statt 53,5 Prozent wie vor zwei Wochen gingen zum zweiten Wahlgang nur noch 40,3 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne. In der Stichwahl bekam Ullrich 1759 Stimmen, nur gut hundert mehr als im ersten Wahlgang. Milkowitsch erhielt 2429 Stimmen und damit nicht einmal 100 Stimmen Zugewinn. Offenbar, so vermutet Aßmann, seien die Grünen-Wähler diesmal einfach zu Hause geblieben.
„Ich wollte einen Neuanfang anbieten“, sagt Ullrich. Das habe leider nicht geklappt. „Allen, die in Zukunft in Schwalbach Verantwortung tragen, werde ich meine Unterstützung anbieten.“ Er arbeitet weiter in Frankfurt als Anwalt und Notar, der Politik bleibt er als stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender der SPD erhalten – den Vorsitz hat seit vielen Jahrzehnten Nancy Faeser inne.
Als Themen, die Bürger beschäftigten, habe er vor allem die Fernwärme und die Parkplatznot wahrgenommen. Der Partei sei dabei auf allen Ebenen Gegenwind entgegengeschlagen, auch wegen der viel zitierten 19 Millionen Euro. „Wir müssen das aufarbeiten“, sagt Ullrich. Außerdem solle die Partei künftig mehr zwischen den Wahlen präsent sein und nicht nur mit einem massiven Aufgebot im Wahlkampf. „Wir müssen neue Formate entwickeln“, sagt Ullrich, um besser sichtbar und ansprechbar zu sein.
Der bislang amtierende Bürgermeister Immisch gibt noch bis 6. Juni nach eigener Auskunft „Vollgas“, denn so lange werde er schließlich bezahlt. Nach einer Pause will er in seinen alten Beruf in der Versicherungsbranche zurückkehren, entsprechende Gespräche gebe es schon. Als ehrenamtlicher Kreistagsabgeordneter wird er sich weiter politisch engagieren.
Der Krifteler Milkowitsch hat sich für sein neues Amt schon eine Dienstwohnung in Schwalbach zugelegt und ist dort ordnungsgemäß gemeldet. Mittendrin, an der Hauptstraße. Es sei aber noch nicht alles ausgepackt. Der Umzug innerhalb des Rathauses ins neue Bürgermeisterbüro wird dagegen deutlich weniger aufwendig.
