Der Kreis Siegen-Wittgenstein nimmt einen neuen Anlauf in der Diskussion um einen Nationalpark im Rothaargebirge. Mit knapper Mehrheit beschloss der Kreistag am Freitagabend, die Ausweisung einer solchen besonders geschützten Fläche abermals prüfen zu lassen. Experten der relevanten Behörden, Institutionen und Verbände sollen nun gemeinsam mit den politischen Vertretern ausarbeiten, welche Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für einen möglichen Nationalpark zu schaffen wären.
Laut Antrag, den der Landrat Andreas Müller (SPD) gemeinsam mit der Verwaltung eingebracht hatte, würde der Kreistag dann in der zweiten Jahreshälfte ab September entscheiden können, ob er den Nationalparksplänen zustimmt oder nicht. Schon die Entscheidung für eine Wiederaufnahme der ergebnisoffenen Debatte darum war knapp: In geheimer Abstimmung stimmten 28 Mitglieder für den Vorschlag, 26 dagegen. Im Umweltausschuss zuvor war das Papier noch gescheitert.
Landesregierung sucht nach geeigneter Fläche
Auf der Suche der schwarz-grünen Landesregierung nach geeigneten Flächen für einen zweiten Nationalpark war der Rothaarkamm als eines von sechs möglichen Kandidatengebieten vorgeschlagen worden. Wie auch sämtliche andere Gebiete stimmte der Kreistag Siegen-Wittgenstein 2024 aber gegen eine Nationalpark-Bewerbung. Landesumweltminister Oliver Krischer hatte danach aber betont, eine Region, die in Zukunft einen Nationalpark einrichten wolle, werde bei der Landesregierung immer eine offene Tür finden. Bislang gibt es in NRW nur einen Nationalpark in der Eifel.
Region ist in Nationalparkfrage gespalten
Landrat Andreas Müller befürwortet das Projekt als Standortfaktor: Er könne die bundesweite und internationale Sichtbarkeit der Region steigern, hochwertige Naherholungs- und Tourismusangebote mit neuen Arbeitsplätzen schaffen und einen wichtigen Beitrag zur Klima- und Umweltresilienz der Region leisten, warb er vorab für den Neuanlauf.
Kritiker befürchten dagegen Belastungen für Unternehmen und Industrie. Die Region könne keine zusätzlichen Flächenbeschränkungen oder einen Stopp beim Ausbau von Verkehrswegen verkraften, hatten Industrie- und Handelskammer sowie Arbeitgeberverbände der Region im Vorfeld eingeworfen.
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