
Beim südhessischen Batterie-Hersteller Borgwarner Akasol werden in der Produktion 120 Stellen gestrichen. Betroffen seien die Standorte Darmstadt und Langen mit künftig dann rund 280 Stellen, sagte der Betriebsratsvorsitzende Bastian Wabnitz am Freitag der F.A.Z.
Dass bei dem noch bis vor wenigen Jahren stark gewachsenen Unternehmen Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, war bereits im September bekannt geworden. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, handelte der Betriebsrat mit der Geschäftsleitung jedoch ein Abfindungsprogramm aus, das am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung verkündet wurde.
Außer dem Werk befindet sich in Darmstadt noch ein Entwicklungszentrum, das Borgwarner Battery Systems Technical Center (BTC). Auch dort sollen Stellen gestrichen werden, die Verhandlungen darüber liefen aber noch, sagte der Betriebsratsvorsitzende des BTC, Michael Meisterburg, auf Nachfrage. Borgwarner wolle die Zahl der bislang rund 300 Beschäftigten um 40 Prozent reduzieren.
Betriebsräte kritisieren Geschäftspolitik
Der US-Konzern Borgwarner hatte Akasol 2022 übernommen. Die Abbaupläne begründete das Unternehmen im vergangenen Herbst mit „marktbedingten Anpassungen“. Die beiden Darmstädter Betriebsratsvorsitzenden warfen den Amerikanern im Gespräch mit der F.A.Z. indes vor, in den vergangenen Jahren die Produktpalette verringert zu haben und damit auch die Zahl der Kunden.
Akasol stellt Batteriesysteme für Nutzfahrzeuge, Schiffe und früher auch Bahnen her. Inzwischen würden aber fast nur noch Batteriesysteme für Busse produziert, und das Unternehmen sei stark von einem größeren Kunden abhängig, sagte Arbeitnehmervertreter Wabnitz. Hinzu kämen wenige kleine Aufträge für Schiffe und Baumaschinen. „Wir stellen nur noch zwei Batterietypen her.“
Der Betriebsratsvorsitzende des Entwicklungszentrums, Meisterburg, sagte, früher habe eine Vielfalt an Auftraggebern Akasol geholfen, Nachfrageschwankungen in einzelnen Branchen auszugleichen. Aber Borgwarner sei mit anderen Konzerngesellschaften hauptsächlich für Autobauer tätig und setze daher auf Massengeschäft. Und das Interesse des amerikanischen Mutterkonzerns an E-Antrieben sei auch nicht gerade größer geworden, nachdem US-Präsident Donald Trump die Förderung von E-Autos zusammengestrichen habe, meint Meisterburg.
Dass Produktion und Entwicklung der Akasol-Batteriesysteme auf zwei verschiedene GmbHs verteilt sind, geht Meisterburg zufolge auf das Jahr 2024 zurück. Damals trat für die Beschäftigten im Werk ein Tarifvertrag in Kraft. Vorausgegangen waren mehrere Warnstreiks der Produktionsmitarbeiter.
Deren Betriebsratsvorsitzender Wabnitz zeigte sich zuversichtlich, dass sich für das jetzt beschlossene Abfindungsprogramm 120 Teilnehmer finden und sich damit Entlassungen erübrigen würden. Mitte Mai solle eine der bislang drei Produktionsschichten wegfallen, dann würden die Ausstiegswilligen das Werk verlassen. Allerdings stehe ihnen die Möglichkeit offen, für sechs Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich weiterzuqualifizieren.
