
Über Fusionen wird nicht nur im Frankfurter Bankenviertel verhandelt. Auch in der Altstadt und im Nordend ist in den vergangenen Monaten über verschiedene Formen der Zusammenarbeit gesprochen worden, und zwar zwischen vier evangelischen Kirchengemeinden. Dem Ergebnis haben vor Kurzem die Kirchenvorstände zugestimmt: Zum 1. Januar 2027 entsteht die neue „Evangelische Innenstadtgemeinde Frankfurt“, zu der mehr als 7300 evangelische Christen und vier teils prominente Kirchen gehören.
Die neue Gemeinde besteht aus den Gemeinden St. Katharinen, St. Peter, St. Paul und Gethsemane. Die St.-Pauls-Gemeinde hat ihren Namen von der Paulskirche, die aber seit der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau nicht mehr als Pfarrkirche dient. Stattdessen nutzt die Gemeinde mit ihrem Pfarrer Alexander Bitzel die Alte Nikolaikirche, die den südlichen Abschluss des Römerbergs bildet und damit jedem Frankfurt-Besucher begegnet. Die 800 Jahre alte frühgotische Hallenkirche ist das einzige evangelische Gotteshaus der Stadt, das an jedem Tag des Jahres geöffnet ist.
Für zwei Kirchen ist die Stadt zuständig
Die Katharinenkirche an der Hauptwache ist die evangelische Hauptkirche Frankfurts. Deshalb predigen dort außer Gemeindepfarrerin Gita Leber und Stadtkirchenpfarrer Olaf Lewerenz zu besonderen Anlässen auch Kirchenpräsidentin Christiane Tietz und Stadtdekan Holger Kamlah. In die Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Hallenkirche mit Barockportalen ging auch die Familie Goethe, wenn sie den Gottesdienst besuchte. Wie die Alte Nikolaikirche zählt sie zu den acht Dotationskirchen, um deren Erhalt sich die Stadt Frankfurt kümmert.
Viel jünger sind die anderen beiden Kirchen der neuen Großgemeinde. Die Epiphaniaskirche an der Ecke von Holzhausenstraße und Oeder Weg stammt aus dem Jahr 1903 und wurde Mitte der Fünfzigerjahre modern wieder aufgebaut. Genutzt wird sie von der St.-Peters-Gemeinde mit Pfarrer Andreas Hoffmann. Sie hatte sich mit der Epiphaniasgemeinde zusammengeschlossen, als ihre eigene Kirche an der Bleichstraße 2002 zur Jugendkulturkirche wurde, und ist mit mehr als 3000 Mitgliedern die größte der vier bisher selbständigen Innenstadtgemeinden. Die Kirche ist für Kunstausstellungen und ihre Kirchenmusik bekannt.
Musik spielt auch in der Gethsemanekirche an der Eckenheimer Landstraße eine große Rolle. Wegen ihrer guten Akustik wird sie außer vom Gethsemanechor auch für Jazzkonzerte genutzt. Sie wurde erst 1970 geweiht. Charakteristisch ist, dass der Kirchenraum im Obergeschoss liegt. An der Gethsemanekirche wird sich künftig das zentrale Gemeindebüro der evangelischen Innenstadtgemeinde befinden. Aber auch andere Räume werden gemeinsam genutzt. So probt die Kantorei von St. Katharinen im Gemeindesaal der Epiphaniaskirche.
In Frankfurt haben sich die evangelischen Gemeinden zu insgesamt zehn Nachbarschaftsräumen zusammengeschlossen. Gründe sind der Mitgliederrückgang und der daraus folgende Sparzwang. Die vier Innenstadtgemeinden haben in zehn Jahren gut ein Viertel ihrer Mitglieder verloren. Die Zahl der bisher fünf Pfarrstellen wird sich bis 2030 auf 3,5 verringern. Zum sogenannten Verkündigungsteam gehören außerdem zwei hauptamtliche Kirchenmusiker und eine Gemeindepädagogin.
Schon seit ein bis zwei Jahren gebe es eine Zusammenarbeit der Gemeinden, etwa der Chöre, sagt Renate Kortheuer-Schüring, die sich um Öffentlichkeitsarbeit der Innenstadtgemeinde kümmert. Das sei auch auf anderen Gebieten denkbar. Man habe zwar um einige Punkte gerungen, doch seien alle Beteiligten an einer guten Lösung interessiert gewesen. Statt eines lockereren Zusammenschlusses habe man schließlich eine echte Fusion gewählt.
