
Die Schülerschaft in Offenbach setzt sich anders zusammen als beispielsweise in Bad Arolsen in Nordhessen. Die Frankfurter Nachbarstadt ist ein Schmelztiegel der Kulturen, entsprechend heterogen und divers sind die Schüler. Und das ist für die Schulen nicht immer einfach. Hinzu kommen, je nach Stadtteil, wirtschaftliche und soziale Herausforderungen.
Bisher erhielten die betroffenen Schulen dafür mehr Mittel als andere, diese wurden nach dem Sozialindex vergeben. Doch die Landesregierung hat beschlossen, hessenweit 300 der entsprechenden Stellen zu streichen. Das entspricht der Hälfte der Stellen, die bisher nach dem Sozialindex zugeteilt wurden. Die Großstädte mit ihren außergewöhnlichen sozialen Herausforderungen und Belastungen sind davon besonders stark betroffen.
Doppelt schwer trifft es die integrierten Gesamtschulen in sozialen Brennpunkten. Denn für diese Schulform standen bisher zusätzliche Stundenkontingente im Rahmen der sogenannten Binnendifferenzierung bereit, um Klassen in Lerngruppen aufteilen und Schüler besser nach ihrem individuellen Bedarf fördern zu können. Auch diese Mittel werden laut den Haushaltsplänen der Landesregierung gestrichen, zumindest vorläufig für das Schuljahr 2026/2027.
„Das geht auf Kosten der Kinder“
Für integrierte Gesamtschulen in Offenbach wird das spürbar sein. An einigen Schulen geht man davon aus, dass bis zu fünf Stellen wegbrechen könnten. Dort rechnet man mit Einschnitten bei Förderstunden in Deutsch und Mathematik, die bisher mit zwei Lehrern doppelt besetzt werden konnten, was als „besonders wirkungsvoll“ galt. Auch bei der Inklusion und Integration wird mit Rückschritten gerechnet, was sich an der Schulabbrecherquote bemerkbar machen könnte.
„Das geht auf Kosten der Kinder“, sagt ein Lehrer an einer integrierten Gesamtschule in Offenbach. Nach Pädagogen, die sich namentlich in der Presse zitieren lassen, kann man in Offenbach allerdings lange suchen. Das Staatliche Schulamt habe ein ausdrückliches Verbot erlassen, Auskunft zu geben, erläutern Lehrer ihre Zurückhaltung.
Elternbeiräte sind daran nicht gebunden. Stefan Marx leitet den Stadtelternbeirat in Offenbach und bezeichnet die Stellen, die nach dem Sozialindex zugewiesen werden, als „soziale Errungenschaft“ und strategisches Instrument, um Schulen, die mit besonders schweren Rahmenbedingungen zu kämpfen haben, gezielt unterstützen zu können. „Das wird nun demontiert“, sagt Marx. Da helfe es auch wenig, dass die Einsparung der Mittel für die Binnendifferenzierung auf ein Jahr befristet sei, denn die betroffenen Kollegen würden die Schulen verlassen.
Petition in Frankfurt findet 6000 Unterstützer
Integrierte Gesamtschulen in sozial schwierigen Stadtteilen hätten durch die zusätzliche Streichung von Mitteln für die Binnendifferenzierung einen doppelten Nachteil, sagt Marx. Denn diese Schulen hätten eine besonders diverse Schülerschaft und benötigten eine besonders gute Ausstattung, um Schüler fördern zu können, die andernfalls durchs Raster fielen. „Die Schulen stehen in Offenbach vor ganz besonderen Herausforderungen. Das bringen große Städte mit sich, anders als auf dem Land“, sagt Marx.
Auch in Frankfurt reißen die Proteste gegen die Kürzung der Landesmittel an Schulen nicht ab. Der Stadtelternbeirat hat eine Onlinepetition gestartet, die inzwischen von fast 6000 Personen unterstützt wird. Der Stadtelternbeirat Frankfurt fordert die Landesregierung auf, die Kürzungen vollständig zurückzunehmen. Besonders Grundschulen und integrierte Gesamtschulen seien davon betroffen, sagen die Eltern und warnen vor einem „massiven Rückschritt bei Chancengerechtigkeit und Integration“.
Die Vorsitzende des Stadtelternbeirats, Katja Rininsland, kritisiert die erheblichen Einsparungen, die auch zahlreiche Schulen in Frankfurt beträfen. „Fachleute warnen, dass insbesondere Schulen mit großen sozialen Herausforderungen dadurch erheblich geschwächt würden“, sagt sie. Der Stadtelternbeirat sieht noch die Möglichkeit, die geplanten Maßnahmen zu korrigieren, und ruft Eltern, Lehrer, Schüler und alle Bürger dazu auf, seine Petition zu unterstützen.
Die Landesregierung verweist darauf, dass die Ausgaben für die Bildung im Haushalt 2026 insgesamt um 400 Millionen steigen auf 6,2 Milliarden Euro. In den vergangenen Jahren sei in alle Schulen in Hessen – auch in Frankfurt und Offenbach – erheblich investiert worden.
