Die Bundesanwaltschaft hat mehreren übereinstimmenden Medienberichten zufolge Anklage
gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette erhoben. Der 67-Jährigen wird demnach unter anderem 20-facher versuchter Mord vorgeworfen. Eine Sprecherin des Generalbundesanwalts
wollte sich auf Anfrage der ZEIT zunächst nicht dazu äußern.
Neben dem Vorwurf des versuchten Mordes, der in Zusammenhang
mit einem Angriff auf die US-Botschaft im Jahr 1991 in Bonn stehen soll, werde Klette
erpresserischer Menschenraub und die Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag
zur Last gelegt, berichteten zuerst WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung. Auch der Spiegel berichtete. Bei dem Vorfall soll es mutmaßlich um den Sprengstoffanschlag auf die JVA Weiterstadt im Jahr 1993 gehen.
Zudem wird Klette den Berichten zufolge des dreifachen
versuchten Mordes in Bezug auf einen versuchten Anschlag auf
das Gebäude der Deutschen Bank in Eschborn im Jahr 1990 beschuldigt.
DNA-Spuren an den Tatorten
Ermittler sollen laut den Berichten DNA-Spuren von Klette an allen drei Tatorten gefunden haben. Unklar sei jedoch, wie diese dorthin gekommen seien. Klettes Anwälte, Lukas Theune und Berthold Fresenius, sagten WDR, NDR und SZ, die DNA-Nachermittlungen gegen die Angeklagte seien “größtenteils
erfolglos” verlaufen. Die Bundesanwaltschaft soll sich den Verteidigern zufolge vor allem auf Aussagen eines einzelnen Zeugen stützen. Dieser soll bereits in der Vergangenheit gelogen haben, zitieren die Medien die Anwälte.
Klette wird der sogenannten dritten Generation der
linksextremistischen Rote Armee Fraktion (RAF) zugeordnet. Die Terrororganisation war
von 1970 bis in die 1990er-Jahre aktiv. Sie wird für zahlreiche Anschläge, Morde und Entführungen verantwortlich gemacht.
Klette befindet sich aktuell in Untersuchungshaft. Sie wurde
nach mehr als 30 Jahren im Februar 2024 in Berlin festgenommen. Gegen sie und
ihre mutmaßlichen Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg
wurde bereits seit Jahrzehnten wegen versuchten Mordes und schweren
Raubüberfällen gefahndet. Staub und Garweg sind weiterhin auf der Flucht.
Im März vergangenen Jahres begann vor dem Landgericht Verden
ein Prozess gegen Klette. Sie soll mit Garweg und Staub mehrere
Geldtransporter und Supermärkte überfallen haben, um ihr Leben im Untergrund zu
finanzieren. Ermittler fanden in Fluchtautos DNA-Mischspuren. Darunter sollen
laut einer Expertin auch Spuren von Klette gewesen sein.
