Mit dem Blaumann dorthin gehen, wo Profis und Hobbyhandwerker ohnehin schon sind, um Werkzeug und Farbe zu kaufen – diese Vertriebsidee kommt offenbar gut an. Nachdem der hessische Workwear-Spezialist aus Biebergemünd in der Nähe von Bad Orb im vergangenen Jahr Verkaufsflächen in mehreren Baumärkten der Kette Bauhaus in deutschen und europäischen Städten getestet hat, wird das Konzept nun in ganz Europa ausgerollt. Das hatte das Unternehmen bereits angekündigt, jetzt werden die Pläne konkreter.
Von August an sollen Verkaufsregale mit Berufs- und Arbeitskleidung – das Unternehmen nennt sie „Strauss Corner“ – in 144 Bauhaus-Märkten in Deutschland eingerichtet werden, 59 sind es in Bauhaus-Filialen im europäischen Ausland. Die Bauhaus-Gruppe, deren Europazentrale ihren Sitz in der Schweiz hat, betreibt nach eigenen Angaben 290 Baumärkte in 19 Ländern, 161 davon in Deutschland. Strauss hat für die Verkaufsecken eine eigene Kollektion entworfen, diese könne flexibel an die Arbeitskultur und die Tragegewohnheiten der jeweiligen Expansionsmärkte angepasst werden, heißt es.

In Wien denkt die Marke mit dem weißen Straußenvogel auf knallrotem Hintergrund schon weiter. Hier hat das Familienunternehmen, das in dritter Generation von den Brüdern Henning und Steffen Strauss geführt wird, im Februar in einem Bauhaus-Fachmarkt in der Wiener Innenstadt einen eigenständigen sogenannten Workwearstore eröffnet. Auf 700 Quadratmetern präsentiert Strauss seine Klassiker, die längst nicht mehr nur bei der Arbeit, sondern auch nach Feierabend getragen werden: robuste Bundhosen, Karo-Flanellhemden, Softshell- und Fleecejacken. Die Wiener Dependance ist der erste Strauss-Laden im Rahmen einer Handelspartnerschaft und der erste außerhalb Deutschlands, wo Strauss vier solcher Verkaufsfilialen betreibt.
Pilotgeschäft in Wien Vorreiter für weitere Innenstadt-Standorte
Zu Österreich hatte Strauss schon immer ein besonderes Verhältnis. Hier gründete der Spezialist für Funktionstextilien 1996 seine erste Tochtergesellschaft im Ausland. Rund zehn Prozent seines Gesamtumsatzes von zuletzt rund 1,4 Milliarden Euro erzielt der Textilhersteller in Österreich, was Strauss auch auf seine Vorreiterrolle im Sportsponsoring – etwa bei der Vierschanzentournee oder der österreichischen Fußballnationalmannschaft – zurückführt. Österreich gehöre zu den international wichtigsten Märkten, heißt es.
Das Pilotgeschäft in Wien soll laut Mitteilung Vorreiter und Referenz für mögliche weitere Filialen mit dem Partner Bauhaus in Europa sein. Als Besonderheit des Wiener Projekts streicht das Unternehmen die zentrale Innenstadtlage heraus. Üblicherweise setze man auf Standorte, die strategisch günstig in der Nähe von Ballungsräumen und direkt an Autobahnen gelegen seien. Nun richte man sich verstärkt an eine „urbane, heimwerkeraffine Zielgruppe“.
Beide Vertriebskonzepte, die Verkaufsecken wie die größeren Stores, sollen auf andere internationale Märkte übertragen werden. In Amerika etwa, in Japan und dem südpazifischen Inselraum seien Kooperationen mit Partnern wie Bauhaus denkbar. Bisher ist die Bauhaus-Gruppe exklusiver Handelspartner.
Unter der Regie der Brüder Steffen und Henning Strauss hat das hessische Familienunternehmen in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Mit 1800 Mitarbeitern und 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz ist Strauss nach eigenen Angaben die führende Marke in der Welt für Berufsbekleidung und Arbeitsschutz. Diese Sparte gehört in der deutschen Modeindustrie zu den wenigen, die noch Zuwächse verzeichnen. Um 3,3 Prozent legte das Geschäft mit Arbeits- und Berufsbekleidung im vergangenen Jahr zu. Strauss macht zur Umsatzentwicklung keine Angaben.
Strauss, ohne Engelbert, passt besser zum Sponsoring
Seinen Aufstieg und seine internationale Bekanntheit verdankt das Familienunternehmen, das 1948 von Engelbert Strauss, dem Großvater der jetzigen Inhaber, als Besen- und Bürstenhändler gegründet wurde und sich später auf Handwerkerkleidung spezialisierte, vor allem groß angelegten Sponsoringaktionen in der internationalen Sport- und Fußballwelt, aber auch in der Unterhaltung. Strauss ist etwa Werbepartner der Band Metallica und der Action-Serie „Fast and Furious“.
Seit 2025 firmiert der Sponsor nur unter dem Namen Strauss, ohne Engelbert. Das sei prägnanter und leichter auszusprechen und auch auf Banden, Trikots und Helmen einfacher zu erkennen, informiert das Unternehmen. Die Produktmarke Engelbert Strauss, „Opa Engelberts Name“, bleibe jedoch erhalten und stehe weiterhin auf dem Label.
