Kuchen und Süßspeisen haben in unserer Familie – sie ist in Ostwestfalen verortet, dort, wo es auch die großen Schweineställe und -schnitzel gibt – schon immer eine besondere Rolle gespielt. Wenn „Omma Gertrud“ im März ihre Freundinnen zum Namenstag einlud, standen immer dicke Torten auf dem Tisch. Und kein Mittagessen verstrich, ohne dass eine Quarkspeise oder eine Milchsuppe angerührt wurde. Der Sonntag – kulinarisch der Höhepunkt der Woche – wurde gern auch mal mit einer Ananascreme versüßt.

Die basiert auf einem recht banalen Rezept, für das ein Vanillepudding angerührt sowie Eiweiß und Sahne steif geschlagen werden müssen. Ein paar Gelantineblätter zum Eindicken sind auch dabei – und Ananas aus der Konservendose. Daran hat damals, als es noch keine frische Ananas im Laden gab oder man sie sich ohnehin nicht hätte leisten können, niemand Anstand genommen, und auch heute wird, wenn wieder Ananascremezeit ist, eine Büchse geöffnet.
Warum das keine schlechte Entscheidung ist, hat uns kürzlich eine bittere Erfahrung bei der Puddingzubereitung für das Gästebüfett einer Freundin gezeigt. Die wünschte sich statt eines Geschenks einen Nachtisch. Da waren wir gern mit unserer Lieblingsspeise dabei und kamen dem Sonderwunsch, dafür doch bitte eine frische Ananas zu nehmen, gern nach, kauften sogar drei für die große Portion und schnippelten euphorisch.
Doch welche Enttäuschung, als wir später probierten: Der Pudding schmeckte total bitter. Und uns dämmerte, woran das liegen könnte, hatten wir die Erfahrung doch schon mit frischer Kiwi im Joghurt gemacht. Es sind, wie wir dann bei der Recherche erfuhren, die Enzyme dieser Früchte, Bromelain bei Ananas und Actinidain bei Kiwi, die Milcheiweiß spalten und Joghurt oder Pudding nach einiger Zeit bitter schmecken lassen. Je länger die Früchte im Pudding liegen und je wärmer er wird, umso ungenießbarer wird er. Eine Katastrophe also auf dem Geburtstagsbüfett.
Wir haben den Pudding erst gar nicht mitgenommen, sondern den Inhalt der großen Schüssel schweren Herzens in den Abfall gekippt. Beim nächsten Mal probieren wir es einmal mit einer leicht gedünsteten frischen Ananas – Hitze soll die Enzyme zerstören –, oder wir gehen gleich auf Nummer sicher und greifen zur bewährten Konservendose.
