Eigentlich wollte Jonas
Merold, 31, gerne Bauer werden. Gemeinsam mit einem befreundeten Landwirt hatte er
schon einen Hof gefunden, dort sollten die tollsten Lebensmittel angebaut, aber
auch verarbeitet werden – Farm-to-Table in seiner ganzen Konsequenz. Doch der
Freund bekam im letzten Moment kalte Füße. Stattdessen ist Merold nun Eigentümer
und Chefkoch eines Restaurants, das er nach sich selbst benannt hat: das Merold
in Berlin-Neukölln. Hätte schlimmer kommen können.
An einem warmen Frühlingstag steht
Merold im hellen, L-förmigen Gastraum an der Pannierstraße. Er hat ihn mit
seiner Partnerin eingerichtet, an den Wänden hängt Kunst von Freunden. Die Ärmel
seines weißen Hemds hochgekrempelt, die halblangen Haare mit einem Haarreif
zurückgeschoben, kocht er Kaffee. “Wir machen hier nur einen klassischen italienischen Espresso”, sagt Merold. “Nach unserem Menü hatten die Gäste genug
filigrane Säure, da muss der Kaffee keine intellektuelle Spielerei mehr sein.”
