
Der Frankfurter Messechef Wolfgang Marzin weist gerne darauf hin, dass das Unternehmen nicht nur international erfolgreich ist, sondern seine Veranstaltungen viel Geschäft in die Stadt bringen. Für Frankfurt belaufe sich das auf jährlich 2,1 Milliarden Euro, sagte er noch im Dezember. Messebau, Gastgewerbe, Fahrdienste und Einzelhandel profitierten und so sicherten die Messen mehr als 17.000 Arbeitsplätze. Das sind beeindruckende Zahlen. Umso mehr lässt es aufhorchen, wenn eine Messe wegfällt.
Auch wenn die Prolight and Sound mit in der Regel rund 500 Ausstellern keine der ganz großen Messen war, so lässt sich doch leicht erahnen, dass auch für sie viele Teppiche ausgerollt, Stände gebaut und Hotelbetten gemacht werden mussten. Arbeit, die jetzt zum Teil in anderen Städten erledigt wird, dort, wohin die Branche abgewandert ist. So hat wohl eine Messe in Barcelona profitiert, ebenso haben wie Kongresse in München und Hamburg. Das ist bitter für Frankfurt.
Hotelsuite statt Messestand
In Ausstellerkreisen nicht nur der Prolight and Sound war zuletzt häufiger zu hören, die Messeteilnahme in Frankfurt sei zu teuer. So gab es beispielsweise bei der Light and Building Hersteller, die lieber in einer Hotelsuite neben der Messe ihre Kollektion präsentierten, weil das günstiger sei. In Zeiten angespannter Wirtschaftslage wird in vielen Unternehmen genauer gerechnet, zumal das Ordern offenbar nicht mehr das Hauptziel der Messebesucher ist, sondern die Kontaktpflege. Wenn die aber zu teuer wird, wird auf einen Messestand halt verzichtet und nach anderen Lösungen gesucht.
Noch schwerer aber wiegt der Vorwurf eines Vertreters der Eventbranche, die Messe habe sich nicht ausreichend um die „Community“ gekümmert. Ähnliche Vorwürfe waren auch von den wichtigen Verbänden erhoben worden, die sich von der Fahrradmesse Eurobike zurückgezogen haben. Und auch die IAA hat einst Frankfurt verlassen, weil sich die Branche von der Messe und der Stadt nicht genügend unterstützt fühlte. Hier scheint es Defizite zu geben. Und die Messeleitung wäre wohl gut beraten, sich stärker um ihren Heimatmarkt zu kümmern.
Die Verantwortlichen der Messe sehen da den Ball nicht allein in ihrem Feld, sondern auch bei der Stadt, dem Land und sogar dem Bund. Die Anteilseigner aus Stadt und Land könnten mehr tun, um die Messe zu unterstützen, heißt es immer mal wieder. Und es wird darauf verwiesen, dass die Konkurrenzmesse in Barcelona auch deshalb so erfolgreich sei, weil sie vom spanischen König eröffnet werde. Wie wichtig das für die Aussteller ist, sei dahingestellt. Dass Frankfurter Messen nicht vom Bundespräsidenten, Kanzler oder wenigstens dem Landesvater eröffnet werden, könnte aber auch daran liegen, dass die Messen an Attraktivität verloren haben. All das sind Alarmsignale, um die man sich in Stadt und Land kümmern sollte.
