Drei Journalisten sind im thüringischen Fretterode nach Polizeiangaben angegriffen worden. Die drei Betroffenen wurden demnach mit leichten Verletzungen im Krankenhaus behandelt. Bei der Tat soll den Ermittlern zufolge neben körperlicher Gewalt möglicherweise auch Reizstoff eingesetzt worden sein.
Unmittelbar nach dem Angriff alarmierten die Medienvertreter die Polizei. Die beiden Tatverdächtigen wurden nach Polizeiangaben gestellt und vorläufig festgenommen. Es werde wegen Körperverletzung gegen den 56-Jährigen und den 22-Jährigen ermittelt. Am späten Mittwochabend fanden in dem Zusammenhang Durchsuchungen statt.
Zu den genauen Hintergründen der Tat konnten die Ermittler zunächst keine gesicherten Angaben machen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Mühlhausen bestätigte Informationen der Nachrichtenagentur dpa, nach denen die beiden Tatverdächtigen der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind.
Angriffe auf Medienvertreter nehmen zu
Fretterode im Eichsfeld war im Jahr 2018 in die Schlagzeilen geraten, weil dort Rechtsextremisten Journalisten attackiert und verletzt haben sollen. Das Landgericht Mühlhausen hatte zwei Männer deswegen im Jahr 2022 für schuldig befunden, sie aber nur zu geringen Strafen verurteilt. 2024 hob der Bundesgerichtshof das Urteil wegen Rechtsfehlern auf.
Laut einer aktuellen Untersuchung des Leipziger European Centre for Press and Media Freedom und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld nehmen Angriffe und Anfeindungen gegenüber Journalistinnen und Journalisten weiter zu. Demnach haben knapp zwei Drittel der Befragten in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal persönliche Anfeindungen erlebt (65,4 Prozent). Mehr als die Hälfte wurde sogar mehrfach angefeindet, angegriffen oder bedroht.
Am häufigsten würden die Anfeindungen über digitale Kanäle wie Social Media oder per E-Mail verbreitet, für die zwischen November und Februar insgesamt 383 Medienschaffende im Rahmen einer Onlineuntersuchung befragt wurden. Mehr als zwei Drittel der betroffenen Journalisten erlebten die Anfeindungen demnach als “ideologisch motiviert”. Knapp 80 Prozent von ihnen ordneten die Anfeindungen “häufig oder sehr häufig einem politisch rechten Hintergrund zu”, knapp 11 Prozent einem linken Hintergrund.
