Der Start der Spectrum-Rakete der deutschen Raumfahrtfirma Isar Aerospace ist kurz vor dem geplanten zweiten Testflugs abgebrochen worden. Wie in einer Live-Übertragung zu sehen war, wurde der Countdown am norwegischen Weltraumbahnhof Andøya kurz vor dem Start der unbemannten, erstmals mit mehreren Kleinsatelliten beladenen Trägerrakete gestoppt. Der Start war wegen ungünstiger Wetterbedingungen zuvor bereits mehrfach verschoben worden.
Der Abbruch des Starts in Andøya kam überraschend, da der Countdown um 21.21 Uhr bereits beendet war. Etwa zwanzig Minuten zuvor war nach Worten des L ivestream-Moderatorsein Boot in der Sicherheitszone rund um die an der Küste gelegene Startbasis entdeckt worden. Die genauen Gründe des Abbruchs waren aber zunächst unklar.
Das Raumfahrt-Start-up Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München baut Trägerraketen für den Transport kleiner und mittelgroßer Satelliten. Die zweistufige Spectrum-Rakete ist 28 Meter hoch und soll mit ihren zehn Triebwerken Nutzlasten von bis zu tausend Kilogramm in erdnahe Umlaufbahnen befördern.
Erster Start endete nach 30 Sekunden
Im März 2025 hatte das Unternehmen einen ersten Startversuch unternommen. Die Rakete war dabei in Andøya abgehoben und nach 30 Sekunden Flug ins Meer gestürzt. Der erste Testflug der Spectrum-Rakete war der erste Start einer Orbitalrakete in Kontinentaleuropa außerhalb Russlands. Bei der zweiten Mission “Onward and Upward” (Vorwärts und Aufwärts) sollte die Trägerrakete nun auch mit Nutzlast an Bord starten. “Wir wollen signifikanten Fortschritt zeigen”, sagte Unternehmenschef und Mitgründer Daniel Metzler vor dem Start.
Isar Aerospace wurde 2018 gegründet und hat seitdem mehr als 500 Millionen Euro an Kapital eingesammelt. Es gehört zu einer Reihe deutscher und europäischer Unternehmen, die Europa in der Raumfahrt unabhängiger von den USA und Russland machen wollen. Bisher wird das lukrative Geschäft mit Trägerraketen von US-Milliardär Elon Musk dominiert. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX hat die teilweise wiederverwendbare Trägerrakete Falcon 9 schon hunderte Male ins All geschickt.
Europas ehemaliger Raumfahrtchef Jan Wörner bezeichnete europäische Souveränität in der Raumfahrt als wichtigen Aspekt, gerade in Zeiten geopolitischer unsteter Zeiten. “Während Europa im Bereich der Erdbeobachtung und der Satellitennavigation sehr aktiv war und ist, beschränkte sich die Souveränität bezüglich der Trägerraketen auf Ariane und Vega”, sagte der frühere Leiter der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA.
