Die Erwartungen waren groß im Sommer 2020. Ein „zweites Nordend“ werde im Neubaugebiet Römerhof in der Nähe des Rebstockparks entstehen, hieß es nach einem Workshop mit dem Institut für Stadtbaukunst, das der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler gegründet hat. Es handle sich um ein Pilotprojekt, das in Deutschland einzigartig sei, sagte Mäckler damals. Die Forschungsergebnisse des Instituts sollten erstmals direkt in ein Bauvorhaben fließen. Der öffentliche Raum sollte im Mittelpunkt der Planung stehen.
Mäckler hat in den Entwurf für das Neubauquartier eine Idee einfließen lassen, die am Institut für Stadtbaukunst entwickelt worden ist: sogenannte Flügelhäuser mit L-förmigem Grundriss, die nicht parallel zur Straße stehen, sondern mit dem längeren Flügel einen Innenhof begrenzen. So entsteht eine Abfolge von Höfen, die an die gründerzeitlichen Viertel rund um die Innenstadt erinnern, die aber offener sind als die Vorbilder des 19. Jahrhunderts und moderne Wohnformen ermöglichen. Das Konzept hat nach Ansicht der Architekten viele Vorteile: Öffentliche und private Räume sind klar voneinander getrennt, es wird vergleichsweise wenig Fläche für die Erschließung benötigt.
Mit seinem Team hat Mäckler durchgespielt, was es bedeuten würde, wenn das Neubaugebiet auf dem Riedberg, in dem es viele einzeln stehende Gebäude gibt, nach diesem Prinzip geplant worden wäre. „Wir hätten 20 Prozent mehr Geschossfläche und 40 Prozent weniger Verkehrsfläche.“ Außerdem wäre noch Platz für einen zusätzlichen Park. In vielen Städten komme dieses Konzept gut an, etwa in Darmstadt oder Heidelberg.
Begeisterung weicht Ernüchterung
Nicht so in Frankfurt. Fast sechs Jahre später ist die anfängliche Begeisterung der Ernüchterung gewichen. Mischa Bosch, Geschäftsführer bei Mäckler Architekten, wuchtet einen großen Stapel von Ordnern auf den Tisch. Abgeheftet sind darin die Pläne, die das Architekturbüro in den vergangenen Jahren für den östlichen Abschnitt des Neubaugebiets erstellt hat, also für das Areal, auf dem sich heute noch der Busbetriebshof der städtischen Verkehrsgesellschaft VGF befindet.
In Abstimmung mit der ABG und der Stadt seien viele verschiedene Varianten gezeichnet worden, sagt Mäckler. Immer wieder habe es Diskussionen, Änderungswünsche und neue Ideen gegeben. Doch am Ende habe man immer einen Konsens erzielt; im Fall der Grundschule sei das auch schriftlich in den Protokollen festgehalten worden.
Heute aber stellt Mäckler fest: „Wir sind entsetzt. Von unseren Konzepten ist nichts mehr übrig geblieben.“ Der Bebauungsplan werde auf der Basis eines Entwurfs des Planungsbüros AS+P erstellt. Davon hätten er und seine Mitarbeiter nicht direkt, sondern nur über die Beschlussvorlage von Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) für das Stadtparlament erfahren.

Mäckler lässt im Gespräch mit der F.A.Z. erkennen, dass er von den neuen Plänen fachlich wenig hält. Er macht das an einem Beispiel deutlich: Wer aus Richtung Westen von der Schmidtstraße auf das neue Viertel zufahre, sehe als Erstes ein Parkhaus, das in den Plänen als Mobilitätszentrum bezeichnet werde. „Das ist das Gesicht des Wohngebiets“, sagt Mäckler, der in seinen Plänen an dieser Stelle Wohnhäuser vorgesehen hat. „Wir haben die Garage deshalb im Blockinneren platziert, wo sie nicht sichtbar ist.“
Schwer zu verstehen ist für ihn auch, dass das Parkhaus direkt neben der geplanten Schule liegen soll. Ein zwischen Schule und Kita vorgesehener verkehrsberuhigter Platz sei einer normalen Straße gewichen. Die Planung für den öffentlichen Raum sei misslungen. Mit den vom Institut für Stadtbaukunst entwickelten Gedanken habe das kaum noch etwas zu tun. „Wir sind da jetzt raus.“
Stadt spricht von „kleinen Anpassungen“
Wie ist es dazu gekommen? ABG-Geschäftsführer Frank Junker verweist auf die Stadt. Den Entwurf des Bebauungsplans habe das Stadtplanungsamt erstellt, das Büro AS+P habe dabei unterstützt. Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) spricht von „kleinen Anpassungen“. Man habe die Schule mehr in Richtung Park verlegt, habe den ruhenden Verkehr neu geordnet.
Nicht alle von Mäcklers Ideen ließen sich verwirklichen: So habe der Architekt das Parkhaus im Inneren der Wohnblöcke angeordnet, wo aber Versickerungsfläche für das Oberflächenwasser benötigt werde. Außerdem wolle man den Verkehr schon vor den Wohnblocks abfangen. Neben der Schule sei das Parkhaus sinnvoll positioniert, weil dann die Dachfläche von der Schule genutzt werden könne und damit Platz gespart werde. Entscheidend sei, dass die von Mäckler entwickelten Flügelhäuser weiterhin möglich seien.
Doch der Architekt hält das Projekt in der ursprünglich konzipierten Form für gescheitert. „Es muss doch eine städtebauliche Qualität haben.“ Die sieht er in dem Bebauungsplan nicht gegeben. Mit dem Römerhof hat Mäckler deshalb abgeschlossen: „Ich möchte damit nichts mehr zu tun haben.“
Der Aufstellung des Bebauungsplans, dem die Pläne von AS+P zugrunde liegen, hat das Stadtparlament Ende Januar zugestimmt. Vor 2030 werden auf dem Gelände neben dem Messeparkhaus nicht die Bagger rollen. Zunächst muss ein neuer Busbetriebshof in Rödelheim gebaut werden.
