
Die Anzeige gegen Unbekannt, die Collien Fernandes im November 2024 wegen gefälschter Profile erstattete, wurde auch eingestellt, weil die Schauspielerin auf Nachfrage der Ermittler keine weiteren Unterlagen bereitstellte. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Itzehoe auf Anfrage der F.A.Z. „Die Polizei hat die Anzeigenerstatterin via Briefpost angeschrieben“, sagte Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow am Mittwoch. „Auf die Briefpost kam keine Reaktion der Anzeigenden und der Brief ist auch nicht als unzustellbar zurückgekommen.“ Weil keine Identifizierung eines Täters möglich gewesen sei und weitere Ermittlungsansätze fehlten, sei das Verfahren schließlich am 23. Juni 2025 eingestellt worden.
Fernandes hatte in der vergangenen Woche im „Spiegel“ und auf Instagram schwere Vorwürfe gegen ihren früheren Mann Christian Ulmen erhoben. Die Vierundvierzigjährige beschuldigt ihn unter anderem, gefälschte Social-Media-Profile mit ihrem Namen erstellt und gefälschte Nacktfotos und Sexvideos verbreitet zu haben, die „privat anmuten und so wirken sollten, als habe ich mich selbst nackt fotografiert und heimlich beim Sex gefilmt“. Er habe diese Aufnahmen „Hunderten von Männern“ geschickt.
„Unwahre Tatsachen“
Laut dem Bericht des „Spiegel“ soll Ulmen ihr im Dezember 2024 seine mutmaßlichen Taten selbst gestanden haben, nachdem er von der Anzeige gegen Unbekannt aus dem November 2024 erfahren habe. Der Anwalt von Ulmen spricht im Zusammenhang mit der „Spiegel“-Berichterstattung von „unwahren Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung“ und hat rechtliche Schritte angekündigt, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Eine Anfrage der F.A.Z., ob Ulmen bereits rechtlich gegen den „Spiegel“ vorgeht, blieb am Mittwoch zunächst unbeantwortet.
Collien Fernandes stellte im November 2024 zunächst Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei Berlin, es ging um die gefälschten Accounts. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe übernahm Anfang 2025 das Verfahren aus Gründen der Zuständigkeit. „Die Übernahme von Berlin ist erfolgt, da die angezeigte Handlung möglicherweise innerhalb des örtlichen Zuständigkeitsbereiches durch die Anzeigende zu Kenntnis genommen worden ist“, sagt Müller-Rakow. Aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen macht er dazu keine näheren Angaben. Denkbar ist aber etwa ein Wohnsitz der Schauspielerin im Zuständigkeitsbereich der Behörde.
„Lediglich eine vorläufige rechtliche Einschätzung“
Müller-Rakow bekräftigt, dass die Einstellung des Verfahrens „nicht in Stein gemeißelt“ sei: „Das ist lediglich eine vorläufige rechtliche Einschätzung.“ Derzeit prüfe die Staatsanwaltschaft, ob – auch durch Medienberichte – neue Erkenntnisse vorliegen, um die Ermittlungen wiederaufzunehmen. Der derzeitige Vorwurf lautete auf Verdacht des Ausspähens von Daten. Mögliche weitere Ermittlungen müssten sich aber nicht auf diesen Tatvorwurf beschränken.
Eine Anfrage der F.A.Z. ließ das Management von Fernandes am Mittwoch zunächst unbeantwortet. Gegenüber anderen Medien widersprach sie der Darstellung der Behörde. Sie habe die Polizei Berlin mehrfach kontaktiert und auch Unterlagen geschickt. Die Berliner Polizei habe ihr schließlich mitgeteilt, dass das Verfahren nun bei der Polizeistelle in Schleswig-Holstein liege, die sich mit Fernandes in Verbindung setzen würde. Das sei jedoch nie passiert, sagte Fernandes dem „Tagesspiegel“ und der „Bild“. Sie habe erst durch die Recherchen des „Spiegel“ erfahren, dass das Verfahren eingestellt worden sei.
Am Mittwochabend äußerte sich Fernandes auch auf Instagram und bekräftigte, nicht von der Polizei informiert worden zu sein: „Ich habe kein Schreiben erhalten und wurde auch nicht per Telefon oder Email (was bis dahin der Kommunikationsweg gewesen war) kontaktiert.“
Ermittlungen in Spanien in einer „sehr frühen Phase“
Laut Staatsanwaltschaft Itzehoe erlangte die Behörde keine Kenntnis von Christian Ulmens mutmaßlichem Geständnis gegenüber Fernandes im Dezember 2024. Weshalb, ist unklar. Das Paar machte seine Trennung im September 2025 öffentlich. Im Dezember 2025 erstattete Fernandes abermals Anzeige, dieses Mal gegen Ulmen und in Spanien – 2023 war das damalige Paar nach Mallorca gezogen. Die Vorwürfe: Mutmaßliche Fälschung des Zivilstandes, Geheimnisverrat, öffentliche Beleidigung, wiederholte Misshandlung und schwere Drohungen. In diesem Fall befinden sich die Ermittlungen nach Angaben des Gerichts in Palma in einer „sehr frühen Phase“.
Fernandes, die sich zuletzt für Dreharbeiten in Südostasien aufgehalten hatte, hat auf Instagram angekündigt, noch diese Woche mit Politikerinnen sprechen zu wollen. Sie sei auf dem Weg zurück nach Deutschland. „Jetzt muss etwas passieren!“, schrieb sie. Es müsse bessere Gesetze geben: „Deutschland darf kein Täterparadies mehr bleiben!“
