Die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) in den deutschen Krankenhäusern kommt laut einer Studie trotz gesetzlicher Fristen nur schleppend voran. Erst 26 Prozent der deutschen Krankenhäuser können die digitale Akte im gesamten Klinikbereich einsetzen, wie die Augsburger Allgemeine unter Berufung auf die Auswertung der Deutschen Krankenhausgesellschaft berichtet.
Bis zum Sommer erwarten demnach 57 Prozent der befragten rund 500 Kliniken, bereit für den bereits seit Oktober 2025 gesetzlich verpflichtenden Einsatz zu sein. Dagegen rechnen 19 Prozent, dass eine Einführung in allen Stationen nicht vor Ende des Jahres gelingen werde.
Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Krankenhausgesellschaft, Henriette Neumeyer, machte die Politik und Softwareunternehmen für die Verzögerungen verantwortlich. “Der Zeitplan der Politik war sehr ehrgeizig, dabei wurden viele Schwierigkeiten unterschätzt”, sagte sie der Zeitung. Die Standards für Software-Anpassungen seien zu spät und nicht praxistauglich festgelegt worden. “Hier hätten die speziellen Bedürfnisse der Krankenhäuser früher und stärker einfließen müssen”, sagte Neumeyer.
ePA-Daten waren auch bei Notfällen nicht nutzbar
“Krankenhäuser sind keine großen Arztpraxen”, betonte sie mit Blick auf komplexe Strukturen mit einer großen Zahl an Mitarbeitenden. “In der Praxis kamen für die Kliniken viele Softwarelösungen, um die ePA in die bestehende Krankenhaus-EDV einzubinden, zu spät, noch dazu oft unvollständig”, kritisierte Neumeyer. Dies habe auch Folgen für Patienten, da ein Teil der Kliniken vorhandene ePA-Daten weder bei Notfällen noch bei planbaren Eingriffen nutzen könne.
Neumeyer forderte zudem, die elektronische Patientenakte zügig weiterzuentwickeln, damit digitale Daten vollautomatisch in Computersystemen weiterverarbeitet werden könnten. “Wenn die ePA weiterentwickelt und flächendeckend genutzt wird, hat sie ein großes Potenzial, die Versorgung zu verbessern, auch im Zusammenspiel mit den Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz”, sagte Neumeyer.
Vor einigen Wochen hatten auch die Hausarztpraxen eine kritische Bilanz der ePA gezogen. Sie beklagten unter anderem technische Störungen, fehlende Suchfunktionen und einen “absurd komplizierten” Registrierungsprozess.
