
Und doch drängt sich die Frage auf, ob hier gerade ein Problem gelöst oder vor allem ein Bild produziert wird. Denn ein Corporate Design ist nicht einfach ein neuer Hessen-Löwe und eine neue Schrift. Es ist ein Umstellungsprojekt, das in jeden Winkel der Verwaltung kriecht: Vorlagen, Formulare, Websites, Präsentationen, Beschilderungen, Broschüren, Social-Media-Auftritte. Das alles kostet nicht nur Geld, sondern Arbeitszeit, also ebenfalls Geld, nur weniger sichtbar.
Die Opposition moniert zu Recht die Kosten in Höhe von rund 290.000 Euro – und den Zeitpunkt. Auch das zu Recht, denn in Zeiten, in denen an vielen Stellen um Prioritäten und Sparvorgaben gerungen wird, wirkt ein neuer Anstrich im Jubiläumsjahr – 80 Jahre nach der Staatsgründung – wie ein Luxusprojekt mit Museumsbeleuchtung.
Die Landesregierung betont „Augenmaß“: stufenweise Einführung, digital zuerst, Drucksachen erst bei ohnehin anstehenden Aktualisierungen, vorhandene Materialien würden aufgebraucht. Das klingt verantwortungsvoll, aber es ist auch das Standardversprechen jeder großen Umstellung: Sie werde sich schon irgendwie in den Alltag hineinsparen.
Die FDP spitzt es zu: teure Symbolik statt spürbarer Nutzen – und ein kaum erkennbarer Mehrwert für die Bürger. Diese Skepsis wird nicht kleiner, wenn das Design nicht nur Amtsstuben erreicht, sondern Lifestyle sein will. Wer möchte, kann im Onlineshop des Designers Samuel Gärtner eine beige Jacke mit Hessen-Schriftzug und Wappenlöwe für 179 Euro kaufen.
Merchandising ist an sich kein Staatsverbrechen. Aber im Kontext wirkt es denkbar unglücklich: Während unten über Gebührenbescheide und Wartezeiten geklagt wird, wird oben das neue Hessen zum tragbaren Statement. Ein Löwe kann vieles sein – stark, mutig, wachsam. Vor allem aber kann er teuer werden, wenn man ihn überall neu aufnähen muss.
