Wer in Frankfurt übernachten möchte, der wird eine Unterkunft finden. Mit etwas mehr als 64.000 Betten in knapp 280 Beherbergungsbetrieben von der Etagenpension bis zum Hotel mit mehreren Hundert Zimmern ist in jeder Preiskategorie etwas dabei. Und die Szene ist in Bewegung.
Im Februar hat die Gruppe Motel One zwei Betriebe in der Stadt eröffnet. Das Mövenpick-Hotel nahe der Messe hingegen ist geschlossen worden. Ein neuer Betreiber ist noch nicht genannt worden, Verhandlungen der Eigentümerin mit einem Interessenten sollen weit gediehen sein. Andere Projekte, die nicht zuletzt der Coronavirus-Pandemie wegen lange auf Eis lagen, sind in jüngerer Vergangenheit begonnen worden, stehen unmittelbar vor dem Abschluss oder sind gerade eröffnet worden. Mehrheitlich sind es Hotels im Luxussegment. Während die wirtschaftliche Lage nicht zuletzt wegen des Krieges im Nahen Osten trübe zu bleiben scheint und künftige Reiseströme zurzeit schwer absehbar sind, glimmt in der Hotelwelt die Hoffnung, Geschäfte mit denen machen zu können, die nicht sparen müssen.
Spiridon Sarantopoulos, damals noch Generaldirektor des Steigenberger-Hotel-Flaggschiffs „Frankfurter Hof“ in Frankfurt und bei der Deutschen Hospitality, der Dachmarke der Steigenberger Hotels, für deren Luxushäuser verantwortlich, gab 2022 für die Zeit nach der Coronavirus-Pandemie eine Vorhersage ab. „Die Schere wird auseinandergehen“, sagte damals der Mann, der heute das Hotel „The Pierre“ in New York leitet: Economy- und Budgetbetriebe würden künftig noch stärker nachgefragt werden und erfolgreich sein, eher preiswerte Unterkünfte also, und auf der anderen Seite Luxushotels.
Drei Jahre später, im vergangenen Herbst, bestätigte das in einem Branchenreport Andreas Löcher, Leiter Investment Management Operational bei Union Investment: In der sogenannten DACH-Region, in Deutschland, Österreich und der Schweiz, fokussierten Investoren sich „vor allem auf Budget- und Economyhotels einerseits sowie Luxus- und Lifestylekonzepte andererseits“. Wie bei anderen Betreiberimmobilien schreite die Polarisierung voran, fügte er hinzu. Was in einer Übersetzung ins Lebensweltliche heißt, dass die Mitte es immer schwerer hat, auf der Angebots- wie auf der Kundenseite.
500 Euro für eine Nacht
An einem Tag ohne Regen im Dezember 2025 stand in Frankfurt-Sachsenhausen eine Gruppe gut gelaunter Menschen beieinander. Es gab etwas zu feiern, das Hotel „The Florentin“ wurde eröffnet, in einem Gebäudeensemble, das zuvor auch ein Hotel war, die „Villa Kennedy“. Betreiber des mit viel Aufwand und Geld rundum neu gestalteten Betriebs ist die Kölner Althoff-Gruppe. Mit dem Haus will sie, wie es bei der Eröffnung hieß, „einen neuen Akzent im Frankfurter Luxussegment setzen“. Dieses Segment ist schmal in Frankfurt. Aber es bemüht sich, in diesen Teil des Marktes zu gelangen, wer immer dazu die Voraussetzungen hat.
Was ist Luxus? „Luxus ist der Aufwand, den es bedeutet, ihn zu verbergen“, sagte bei der Eröffnung des „Florentin“ Frank Marrenbach, Geschäftsführender Gesellschafter der Althoff Hotels. Wie der Gründer der Gruppe, Thomas H. Althoff, war er nach Frankfurt gekommen, um ein Hotel zu präsentieren, das er idealtypisch für diese private Betreibergruppe nannte. Es ist nobel, aber nicht protzig, die Atmosphäre ist diskret, aber nicht steif.
Was ist Luxus? Unter anderem bemisst er sich in der Anzahl der Angestellten im Verhältnis zur Zahl der Zimmer. Das „Florentin“ hat 147 Zimmer und Suiten und ungefähr ebenso viele Mitarbeiter. Es gibt Häuser, in denen stehen doppelt so viele Betten, und nur eine Handvoll Festangestellter arbeitet dort.
Das ist Luxus: Oftmals werden zur Kategorisierung vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) definierte Kategorien herangezogen: Ist die Rezeption rund um die Uhr besetzt, gibt es Valet Parking, wird Essen aufs Zimmer serviert? Ausgedrückt wird das dann, ähnlich wie beim Guide Michelin, mit Sternen in verschiedener Anzahl. Luxushotels haben fünf – wenn sie sich kategorisieren lassen. Es gibt Hotelbetreiber, die tun das nicht und haben trotzdem Luxus-Betriebe.
Was darf Luxus kosten? Das „Florentin“, mit einem Gourmetrestaurant, das alleine neun Köche beschäftigt, einer Bar und einem Grillrestaurant, ist mit teuren Materialien eingerichtet, ein Designstudio aus Singapur und eines aus der Schweiz haben die Einrichtung entworfen. Marmor und Kastanienholz, glänzende Böden, polierte Flächen, die anspruchsvolle Gastronomie und die Leute, die es braucht, das Hotel zu pflegen und am Laufen zu halten: Für all das muss der Gast zahlen.
Ob das so viele tun werden, wie gewünscht und nötig, steht dahin. Zimmer, die weniger als 500 Euro die Nacht kosteten, erfüllten eigentlich nicht das Kriterium, Luxus genannt zu werden. Das sagte im vergangenen Oktober Cyrus Heydarian, Direktor des „Breidenbacher Hofs“ in Düsseldorf, der „Immobilien Zeitung“. Was er auch sagte: dass diese Definition bedauerlicherweise nicht für Deutschland gelten könne, wo auch solvente Kunden eher zurückhaltend seien. Im „The Florentin“ kostet das günstigste Zimmer im April knapp unter 500 Euro, im „Breidenbacher Hof“ ist die günstigste Übernachtung ähnlich teuer.
Betten hat jeder
Direkt gegenüber dem „The Florentin“ steht in Frankfurt ein ebenfalls neues, in diesem Fall auch neu gebautes Hotel, das „Kennedy 89“. Die Immobilie gehört einem privaten Entwickler mit Sitz in Berlin und wird als Franchiseobjekt der Hyatt-Hotels-Marke „The Unbound Collection“ betrieben. Wo das 13 Stockwerke hohe Hotel mit einer auffälligen dreieckigen Grundform und einer Fassade aus Glas und Aluminium steht, stand einmal ein Bürohaus; 2018 wurde es abgerissen.
Hotelchef Jan-Hendrik Meidinger, der lange in Singapur gelebt und gearbeitet hat, ist seit drei Jahren in Frankfurt. Er hat alle Phasen des Bauprojekts miterlebt, viele Arbeiten koordiniert, das kulinarische Konzept mitentwickelt, am Tag vor der Eröffnung hat er noch mit dem Innenarchitekten Sofamodule zusammengebaut.
Das „Kennedy 89“ hat 80 Zimmer und 69 Suiten und zurzeit 90 Mitarbeiter. Zehn Prozent des Hauses sollen an Langzeitmieter vergeben werden, alle Einheiten sind mit Kochplatten und Spülmaschinen ausgestattet. Zum Hotel gehören ein Restaurant mit levantinischer Küche und eigenem Eingang im Erdgeschoss und eine Bar im ersten Stockwerk. Im Sommer soll noch eine Rooftop-Bar eröffnet werden. Die Konferenzräume sind auf eher kleine Besprechungen und Firmentreffen ausgerichtet.
Auch in diesem Objekt ist teures Material verbaut worden. Zahlreiche liebevoll gestaltete Details nehmen Bezug auf Frankfurt, hölzerne Untersetzer für die Getränke im Restaurant zum Beispiel, auf denen die Skyline eingearbeitet ist. Ist das alles Luxus? „Ja, das ist ein Luxushotel. Auch wenn man in Deutschland eigentlich nicht von Luxus sprechen darf, wenn man keinen Pool hat, und den haben wir nicht“, sagt Meidinger.
Zur Einführung auf den Markt werden die Zimmer im „Kennedy 89“ für rund 200 Euro angeboten, für später strebe er eine Durchschnittsrate von 300 bis 350 Euro an, sagt Meidinger. Den wahren Luxus eines Hotels wie seines, sagt er dann auch noch, stellten die Menschen bereit, die darin arbeiteten. „Betten haben wir alle. Was ein Hotel besonders macht, ist der Umgang mit dem Gast.“

„Hier braucht niemand zu warten, wenn er nicht will.“ Generaldirektor Albert Mayr zeigt auf den schimmernden Rezeptionstresen in seinem Hotel, der nicht viel mehr ist als eine Ausbuchtung, hinter der maximal zwei Leute Platz haben. Das neue „Taj“-Hotel nahe der Frankfurter Messe, das im April eröffnet werden soll, will anders sein als andere, rein optisch ist es das schon einmal auf jeden Fall. In der Lobby stehen bunte Polstermöbel wie hingetupft auf dem Parkett. Wände sind in sattem Rot gestrichen, andere in Safrangelb, Dunkelgrün: Im früheren Grandhotel „Hessischer Hof“ haben die Inneneinrichter vor Farbe keine Angst gehabt.
Das einstmals legendäre Haus im Besitz der Familie von Hessen, 2020 geschlossen und 2022 an die Peakside Capital Advisors AG verkauft, betreibt jetzt die India Hotels Company Limited, sie gehört zum indischen Mischkonzern Tata Group. „Taj“ ist die Luxusmarke der Hotelgesellschaft, der Zusatz „Hessischer Hof“ soll die Vermarktung erleichtern, nicht zuletzt bei denen, die sich an diesen oder seinen Ruf noch erinnern. Generaldirektor Albert Mayr ist ein früherer Steigenberger-Mann, der zuletzt für das „Meliá Frankfurt City“ verantwortlich war.
Im „Taj“ ist der Anspruch an den Service hoch. Wer nicht will, wird beim Check-in nicht am Tresen stehen müssen, sondern wird auf sein Zimmer begleitet, und die Formalitäten werden auf dem Weg dorthin erledigt. Alles, was den Aufenthalt belasten könne, durch Fragen etwa, die als lästig empfunden werden könnten, werde vermieden, sagt Mayr. „Hatten Sie etwas aus der Minibar? Diesen Satz wird man bei uns nicht hören. Der Inhalt der Minibar ist im Zimmerpreis inbegriffen.“
Gefallen soll das Hotel aber nicht nur den Übernachtungsgästen. Erwünscht und erwartet werden im „Taj“ wie in allen anderen Häuern mit Bars, Tagungsräumen und zum Teil herausgehobener Gastronomie auch Leute, die auf einen Drink ins Haus kommen, zum Essen, für eine Konferenz oder Feier.
„Ein neues Kapitel in der Luxushotellerie der Stadt Frankfurt beginnen“ will demnächst die Gekko Group von Micky Rosen und Alex Urseanu. Sie eröffnen im Stadtteil Westend das „Roomers Park View“ in einem Hochhaus am Grüneburgweg. Auf 19 Etagen sind 136 Zimmer und Suiten geplant. Dafür haben sich die Frankfurter Hoteliers und Gastronomen wie schon mit anderen ihrer Betriebe mit dem Marriott-Konzern zusammengetan, das „Park View“ wird Teil der Luxury Collection Hotels des weltgrößten Hotelkonzerns werden, der mehr als 30 Marken unter seinem Dach hat. Gäste beherbergen soll das Haus von Sommer 2026 an, als Generaldirektor verpflichtet wurde Friedrich von Schönfeld, bis dato bei Steigenberger tätig.
Ein weiteres Hotel, ebenfalls in einem Hochhaus, entsteht gerade im Frankfurter Europaviertel. Das „Atlantic Hotel Frankfurt“ wird auf 19 Etagen im Europa-Allee-Tower, in den sich auch die Verwaltung der Sparda-Bank einmietet, 373 Zimmer und Suiten haben. Das erste Hotel in Frankfurt der Bremer Atlantic-Gruppe soll als Vier-Sterne-Superior-Haus geführt werden, eine halbe Stufe unterhalb der Kategorie Luxus.
Ungewisse Zukunft
Ein luxuriöses Hotel in Bahnhofsnähe ist das „Le Méridien“. Im allgemeinen Aufbruch auf dem Frankfurter Markt haben auch die Betreiber dieses Hauses investiert mit einer Kernsanierung und umfangreichen Renovierungsarbeiten. Die Immobilie hat einen neueren, im Jahr 1970 errichteten, und einen historischen Teil, das unter Denkmalschutz stehende Palais aus dem Jahr 1905. Dieses Gebäude blieb während des Zweiten Weltkriegs unversehrt und diente in den Nachkriegsjahren als Pressehauptquartier der US-Streitkräfte. Bei der Sanierung des Hotels jetzt wurden 80 Zimmer im Palais, darunter 26 Suiten, neu gestaltet, in einer Formensprache, die das Haus „Stable & Fluid“ nennt und die in Details wie etwa ledernen Vorhanghaltern das Thema Wohnen in einem Altbau aufgreift, was ansonsten auch die meterhohen Decken zeigen. Diese Kombination, sagt Hotelchef Kevin Nattermann, mache sein Haus besonders.
Wie viel Luxus braucht der Markt? Keine zehn Betriebe, die man als Luxushotels bezeichnen kann, stehen zurzeit in Frankfurt. In München sind es mehr, auch in Berlin. Frankfurt, hieß es am Rande der Eröffnung des „Florentin“ von Beobachtern der Branche, könne noch ein paar Betriebe ähnlichen Niveaus vertragen. Das sagt auch Eduard Singer, Chef des Frankfurter Stadtmarketings: „Die Luxusbranche hat eine enorme Strahlkraft“, meint er, und dass davon der Ruf der Stadt profitiere, was ihr dann mehr Besucher bescheren könne. Singer, der selbst aus der Hotelbranche kommt, klingt ehrlich begeistert, wenn er über die Luxusbetriebe spricht und die Bilder und Geschichten, die mit dieser Art Hotellerie verbunden sind. Und die Manager der Häuser sind stolz auf ihre Arbeitsplätze. Sie müssen aber auch ganz prosaisch die Zimmer verkaufen. Über den Krieg im Nahen Osten mit seinen Auswirkungen auf das weltweite Reiseverhalten und die Frage, was das für eine Stadt wie Frankfurt bedeuten wird, will noch niemand spekulieren zu diesem Zeitpunkt. „Nicht hilfreich“ sei jedenfalls die Lage, sagt Albert Mayr.
