
Mit der allein auf Youtube schon mehr als zwei Millionen Mal aufgerufenen Antwort auf die Frage „Woran hat’s jelegen? Fragt man sich immer …“ konnte die Linken-Spitzenkandidatin Rebecca Ruppert aus Rheinland-Pfalz am Sonntag wenigstens für ein Bonmot in der ARD-Wahlkampfberichterstattung sorgen. Das Zitat stammt aus einem nachgestellten Fußballerinterview, bei dem sich der Gefragte erkennbar schwer damit tut, nach dem Spiel die Gründe für das Scheitern zu benennen. Ganz ähnlich war es auch bei der Landtagswahl, die mit CDU und AfD zwei klare Sieger hervorgebracht, aber auch für viele Verlierer gesorgt hat.
Dass jenseits der Mainzer Stadtgrenze das Land fast komplett schwarz geworden ist, hat zuallererst einmal mit den Roten zu tun. Offenbar überwog bei vielen Wählern das Gefühl, dass der Kredit, den man der beliebten Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) selbst nach der schlecht gemanagten Ahrtalkatastrophe noch eingeräumt hatte, nun wirklich verbraucht sei. Auch wenn ihr Nachfolger Alexander Schweitzer nach Ansicht vieler Beobachter durchaus eine gute Figur machte, war es nach 35 Jahren mit der SPD wohl Zeit für den Wechsel in der Staatskanzlei.
„Historische Klatsche“ auch hausgemacht
Neben der mangelnden Unterstützung durch die Bundespolitik und dem desaströsen Abschneiden in Baden-Württemberg gab es auch hausgemachte Probleme für die „historische Klatsche“: zum Beispiel, dass man Beamte, die zum Teil für die Partei tätig waren, über Jahre hinweg in Sonderurlaub zu Vorzugskonditionen geschickt hat. So gesehen sind die beiden Mainzer Wahlkreissieger, die SPD-Minister Michael Ebling und Doris Ahnen, am Sonntag noch mit einem blauen Auge davongekommen.
Glück hatten auch die Grünen, die sich in der jungen Schwarmstadt vergleichsweise gut behaupten konnten und über die Liste nun sogar drei von zehn Landtagsabgeordneten stellen dürfen. Ein Grund zu anhaltender Freude ist das Ergebnis von 7,9 Prozent aber nicht – für eine Partei, die bis vor Kurzem zur Bundesregierung gehörte und 15 Jahre in Rheinland-Pfalz mitentscheiden durfte. Klimaschutz hat derzeit bei vielen Bürgern offenbar deutlich an Bedeutung verloren. Und im Landtagswahlkampf war durchaus auch Kritik zu hören: „Jetzt sind die Grünen so lange mit dran gewesen. Warum gibt es in Stadt und Land dann so schlechte Radwege?“
Dass es FDP, Freie Wähler und Linke gar noch schlimmer erwischt hat, mag an der Zuspitzung des Wahlkampfs auf die beiden um das Ministerpräsidentenamt streitenden großen Parteien gelegen haben. Viele Protestwähler früherer Tage sind, übrigens ebenso wie Jungwähler und Arbeiter, gleich scharenweise zur AfD gegangen. „Woran hat’s gelegen?“, müssen sich nun auch die kleinen Parteien fragen. „Is’ so!“
