
Der neue Audi V8 ist einmalig. Kein anderer Autoproduzent kann da mithalten. Mehr Hightech bietet keiner. Dieses Auto ist für Audi die Eintrittskarte in den noblen Klub der Executive Cars. In Sachen Laufkultur und Leistungsabgabe ist der Audi V8 dem Paradestück der Branche, dem BMW-Zwölfzylinder, sehr ähnlich. Nie zuvor hat man bei einem Audi mit ähnlicher Leidenschaft die Haube geöffnet. Der Audi V8 ist nicht nur für seinen Hersteller von hoher Bedeutung. Er ist gleichzeitig Ausweis der Leitungsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie.
Über Verstorbene soll man nichts Schlechtes sagen, und so zitieren wir aus zwei Berichten dieser Zeitung über den V8, Vorläufer des heutigen A8, der im Jahr 1988 das Licht der Straße erblickte. Nun ist es üblich, dass Automodelle nach einiger Zeit durch einen Nachfolger ersetzt werden, und sehr unüblich, was Audi nun mit dem Ururenkel des V8 tut. Die Produktion im Werk Neckarsulm lief im Februar aus, für einige Monate noch werden Varianten für China und die Vereinigten Staaten gebaut, dann ist Schluss mit Luxus, zumindest in Limousinenform. Vorerst, denn Ende des Jahrzehnts soll es nach einigem Zaudern doch einen Nachfolger geben. Einstweilen ist das Maß aller Ringe der Q9, eine rollende SUV-Lounge ungeheuren Ausmaßes, gebaut in der Slowakei.
Vorsprung durch Technik bis zur Kanzlertauglichkeit
Das Geschehen in Neckarsulm, wo nun gut bezahlte Industriearbeitsplätze zur Disposition stehen, ist gleichzeitig Ausdruck der Leidensfähigkeit der deutschen Automobilindustrie. Vorsprung durch Technik lautete der Slogan, mit dem Audi sich in den Achtzigern und Neunzigern nach oben boxte bis zur Kanzlertauglichkeit und den Oberstudienrat als Leitkunden abwarf. Ein A8 mit Quattro-Antrieb, TDI-Motor und Alukarosserie diente der Marke mit den vier Ringen als Ikone des Fortschritts, und zwar im orthodoxen Sinn, also nicht eines Abbilds, sondern einer Verkörperung des Heiligen. Insofern nimmt es nicht wunder, dass sich mit dem Strom der Zeit auch die Form der Vergegenwärtigung verändert, Hauptsache, der Geist bleibt erhalten.
Bleibt er? In dunklen Stunden beschleichen uns Zweifel. Das Unbedingt-an-die-Spitze-Wollen ist anderen Prioritäten gewichen. Das Patenmodell, das Audi mit dem V8 einführte – jeder, der seinen Wagen im Werk abholte, bekam den Schlüssel persönlich von einer Führungskraft überreicht –, wäre kaum noch durchzusetzen, schließlich haben alle so viel Wichtigeres zu tun, als sich um Kunden zu kümmern. Um die eigene Work-Life-Balance etwa. Machen wir Feierabend.
