Es waren ironische Videoclips. „Na, hast Du auch noch so einen Durchfall?“, fragt Christian Ulmen im Bett seine Partnerin Collien Fernandes. „Nee“, antwortet sie, „ich hab die Medikamente genommen.“ Er: „Warst Du in der Apotheke? Mit Deinem Durchfall? Vor allen Leuten?“ Und sie klärt ihn mit ironischer Überlegenheit auf, dass sie die Mittel über die App der „Shop Apotheke“ bestellt hat.
Weitere Werbung dieser Art wird es wohl nicht mehr zu sehen geben. Fernandes wirft Ulmen vor, in ihrem Namen Fake-Profile erstellt und darüber Männer kontaktiert zu haben. Auch hinter den im Netz kursierenden Pornobildern und -videos von Frauen, die ihr ähnlich sehen, stecke ihr ehemaliger Mann, den sie 2011 geheiratet hatte und mit dem sie eine gemeinsame 13 Jahre alte Tochter hat. Ulmen selbst will zu den Vorwürfen nichts sagen. Sein Medienanwalt sagte der F.A.Z, die Berichterstattung des „Spiegel“ über den Fall sei unzulässig, er spricht von „unwahren Tatsachen“. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Am Freitag teilte das niederländische Unternehmen „Shop Apotheke“ auf Nachfrage von RTL mit, dass man „aus gegebenem Anlass“ die Werbung „mit den betroffenen Personen vorerst aussetzen“ werde. Die beiden Schauspieler hatten seit 2023 für den Versandhandel gearbeitet, für den auch Moderator Günther Jauch im Einsatz ist.

Christian Ulmen muss nun auch mit beruflichen Schwierigkeiten rechnen. Zumindest ist die Comedy-Serie „Jerks“, mit der er seit 2017 große Erfolge hatte, nicht mehr über den Streaminganbieter „Joyn“ abzurufen, eine Tochtergesellschaft der ProSieben Sat.1 Media SE. Nach den Vorwürfen gegen Ulmen, die Collien Fernandes am Donnerstag in einem Instagram-Post veröffentlichte, wurden die fünf Staffeln aus der Mediathek entfernt: „Aufgrund der aktuellen Situation hat Joyn am Donnerstag die mit mehreren Fernsehpreisen ausgezeichnete Serie ‚Jerks‘, in der Collien Fernandes und Christian Ulmen ein geschiedenes Ehepaar spielen, offline genommen“, teilte ProSieben-Sprecher Christoph Körfer der F.A.Z. mit. „Unabhängig davon gilt eine wichtige Säule des Rechtsstaatsprinzips: die Unschuldsvermutung.“
„Großen Respekt für deinen Mut“
Collien Fernandes erhielt derweil viel öffentliche Unterstützung. Auf Instagram bekam ihr Post, mit dem sie die im „Spiegel“ gemachten Vorwürfe am Donnerstagnachmittag ergänzte, innerhalb von 24 Stunden mehr als 460.000 Likes. In den bis zum Freitagnachmittag rund 26.000 Kommentaren bekundeten viele Menschen ihre Unterstützung, unter ihnen auch viele Prominente. „Volle Solidarität“, schreibt etwa die Comedienne Negah Amiri. „Den größten Dank im Namen von so vielen von uns“, schreibt Klimaaktivistin Luisa Neubauer.
Neben zahlreichen Influencerinnen und Musikerinnen wie den Rapperinnen Juju und Badmómzjay melden sich auch viele Kolleginnen und Kollegen Fernandes’. „Großen Respekt für deinen Mut“, bekundet Moderatorin Jana Ina Zarrella. Auch Kollegin Palina Rojinski äußert sich: „Liebe Collien, ganz viel Kraft für dich! Danke für deinen Mut und dass du mit der Öffentlichkeit teilst, was dir von deinem Ehemann angetan wurde. Die Scham muss die Seite wechseln! Absolute Solidarität mit dir.“ Markus Kavka, mit dem Fernandes am Anfang ihrer Karriere Musiksendungen auf Viva moderierte, wünscht ihr Kraft. Genauso wie „Dschungelcamp“-Moderator Jan Köppen.
Auch Politikerinnen melden sich unter dem Post von Fernandes zu Wort. Die Schauspielerin hatte wiederholt die bestehende Rechtslage kritisiert, die eine wirkungsvolle Strafverfolgung in Sachen KI-generierter Pornographie nicht vorsieht. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas kommt unter Fernandes’ Post auf diese Kritik zu sprechen. Die SPD-Politikerin äußert ihre Solidarität und verweist auf ihre Kabinettskollegin aus der Justiz: „Stefanie Hubig setzt sich dafür ein, dass wir gesetzlich solches Unrecht nicht mehr zulassen und die Strafverfolgung vereinfachen.“ Die ehemalige Familienministerin Lisa Paus (Grüne) schreibt: „Digitale Gewalt wächst und wir müssen uns dem als gesamte Gesellschaft verwehren.“
