
Als Donald Trump die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi kurz vor deren geplanter Wiederwahl Anfang Februar nach Washington einlud, schwärmte die lokale Presse schnell: Unter den blühenden Kirschbäumen am Potomac-River würden die beiden Staatenlenker sicher ihre Freundschaft weiter vertiefen und die Beziehung Japans zu ihrem wichtigsten Verbündeten USA weiter vertiefen können, vermuteten die Kommentatoren. Doch nur sieben Wochen später ist die Welt eine andere.
Zwar ließen Trump und Takaichi rund um ihr Treffen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig zu lobpreisen. „Die einzige Person, die Frieden und Wohlstand in der ganzen Welt bringen kann, ist Donald“, sagte Takaichi. Der amerikanische Präsident pries seine Besucherin für ihren „rekordverdächtigen“ Wahlsieg und betonte, dass er sie unterstützt habe. Doch im Mittelpunkt des Treffens stand der Krieg der USA und Israels gegen Iran, dessen Auswirkungen Japan und ganz Asien hart treffen dürften. Das Land bezieht mehr als 80 Prozent seiner Energieimporte durch die derzeit von Iran blockierte Straße von Hormus.
In Tokio will man sich nicht festlegen
Diese Abhängigkeit führte Trump während des Treffens denn auch gleich als Begründung dafür an, warum er davon ausgehe, dass sich Japan für eine Öffnung der Seeroute einsetzen werde. „Wir haben enorme Unterstützung durch Japan und eine gute Beziehung zu Japan. Ich glaube, basierend auf den Aussagen, die uns gegeben wurden (…) sie legen sich wirklich ins Zeug“, sagte er, und betonte: „Anders als die NATO.“
In Japan stößt das auf geteiltes Echo. Einerseits ist man froh, dass Trump Takaichi weiterhin als enge Vertraute ansieht. Andererseits will sich auch Japan in kein Abenteuer im Nahen Osten mit ungewissem Ausgang hineinziehen lassen. Nach Angaben der japanischen Regierung hat Trump gegenüber Takaichi seine Bitte bekräftigt, dass Japan Begleitschiffe für die Tanker in der Straße von Hormus entsende. Dazu sagte die Premierministerin: „Ich habe im Detail erklärt, dass es Dinge gibt, die wir nach japanischem Recht tun können und Dinge, die wir nicht tun können.“
Japan tut sich ähnlich schwer wie die Europäer, die Angriffe auf Iran rechtlich zu bewerten. Zudem setzt die pazifistische Verfassung, die nach dem Zweiten Weltkrieg unter Anleitung der Amerikaner aufgesetzt wurde, dem Land enge Grenzen für Auslandseinsätze. De facto dürfen die Streitkräfte noch nicht einmal als solche bezeichnet werden; sie heißen Selbstverteidigungskräfte. Die Nationalistin Takaichi setzt sich zwar seit Langem dafür ein, diese Passagen in der Verfassung zu ändern und will die Zweidrittelmehrheit, die ihre Koalition seit der Wahl im Februar im Parlament hat, zu diesem Zweck nutzen.
Wo Japan weiter von den USA abhängig ist
Doch die Lage im Nahen Osten stellt ihre Regierung vor ähnlich schwierige Entscheidungen wie die Europäer. Japan ist in hohem Maße von der Schutzmacht Amerika abhängig. Noch immer sind 45.000 US-Soldaten in dem Land stationiert. Doch die Japaner bemühen sich seit Kriegsbeginn um diplomatische Lösungen, schon weil viele Golfstaaten ihre engen Handelspartner sind.
Noch kurz vor Takaichis Besuch in Washington hatte ihr Außenminister mit seinem Amtskollegen in Teheran telefoniert, um abermals auf ein Ende der Angriffe zu dringen. Zudem beteiligte sich Tokio an einer gemeinsamen Erklärung mit Deutschland und anderen europäischen Staaten, in der ein „sofortiges umfassendes Moratorium für Angriffe auf zivile Infrastruktur, einschließlich Öl- und Gasanlagen“ gefordert wurde. Auch die Bereitschaft, „zu geeigneten Bemühungen zur Gewährleistung der sicheren Passage durch die Straße von Hormus“ beizutragen, wurde darin bekundet.
Doch Takaichi betonte im Weißen Haus auch, wie wichtig das enge Verhältnis zu Washington ist: „Angesichts sich wandelnder globaler Bedingungen und zunehmender Unsicherheit ist ein starkes japanisch-amerikanisches Bündnis unerlässlich, um Japans nationale Interessen zu maximieren“, sagte sie.
Trump: Werde Japan in China preisen
Ursprünglich hätte Trump kurz nach dem Treffen mit Takaichi nach China reisen sollen. Tokio hatte daher auf dessen Unterstützung gegenüber Präsident Xi Jinping gehofft, nachdem sich die Beziehungen zwischen China und Japan erheblich verschlechtert hatten. Auslöser waren Andeutungen Takaichis im November, dass Japan und die USA militärisch eingreifen könnten, wenn Peking das autonom regierte Taiwan angreifen sollte.
Doch Trump hat seine Reise nach China wegen des Irankriegs verschoben. Und auch eine klare Zustimmung zu Takaichis Äußerungen vermied er. Stattdessen kam kurz vor dem Treffen der beiden ein amerikanischer Geheimdienstbericht heraus, der Takaichis Äußerungen als „einen bedeutenden Wandel“ für eine amtierende japanische Regierungschefin bezeichnete. Das widerspricht der japanischen Darstellung, wonach sich die langjährige Regierungslinie nicht geändert habe.
Trump versprach, die Angelegenheit mit Xi anzusprechen, wenn sie „in etwa anderthalb Monaten“ Gespräche führen. „Ich werde Japans Leistungen preisen, wenn ich in China mit Präsident Xi zusammen bin“, sagte er.
