
Die Fear of Missing Out (Fomo), die Angst, etwas zu verpassen, hat uns alle fest im Griff. Das Volk stirbt allmählich aus, weil sich niemand an einen Partner bindet, es könnte ja irgendwo ein besserer herumlaufen. Findet doch mal ein Paar zusammen, entzweit es sich gleich wieder beim vermeintlich entspannten Streaming-Abend, bei dem man schon nicht einig wird, ob man Prime gucken soll oder Netflix, geschweige denn welche Serie; hat man sich nach zwei Stunden zermürbender Suche doch noch geeinigt, schläft mindestens einer von beiden, es ist ja schon spät, nach wenigen Minuten ein.
Möchte man etwas essen, bedeutet auch das wieder Stress: Lässt man sich Sushi liefern oder Pizza? Geht man raus, kocht man selbst, und wenn ja, was hat man überhaupt da, ach, schon wieder nur Nudeln? Tag für Tag müssen wir Entscheidungen treffen, und kaum je wissen wir am Ende, ob es die richtige war. Nun jedoch kommt Hilfe von unerwarteter Seite: von der Schnellrestaurantkette Burger King. „Entscheidungen sind out“, teilt das Unternehmen mit, „Baby Burger sind in!“
Als rührendes Zugeständnis an die Deutschen, von denen sich laut einer repräsentativen Burger-King-Umfrage 49,3 Prozent nur schwer für ein Gericht entscheiden können, und speziell an die Jüngeren zwischen 18 und 24 (67,9 Prozent!) bietet es jetzt Baby-Burger-Boxen an, die drei kleine Burger statt eines großen enthalten: einen „Baby Steakhouse“, einen „Baby Big King“ und einen „Baby Whopper“. Endlich keine neidischen Blicke mehr zum Tischnachbarn, der seinen Whopper mampft, während man selbst, man weiß gar nicht mehr warum, den Big King gewählt hat. Danke, Burger King!
Ein Teil von uns will keinen Alkohol trinken
Doch das kann nur ein erster Schritt sein, uns unentschlossenen Baby-Bürgern das Dasein zu erleichtern. Bei Wahlen dürften wir statt einer großen Partei drei kleinen (FDP, BSW, SPD) unsere Stimmen geben. Schwanken wir zwischen Pauschalurlaub, Fernreise und heimischer Küste, wählen wir das neue Kurztrip-Paket Mallorca-Malediven-Mecklenburg. In der Kneipe bestellen wir gleichzeitig ein kleines Bier, einen kleinen Wein und eine kleine Apfelschorle, weil ein Teil von uns eigentlich mal keinen Alkohol trinken wollte.
Statt über die eine große Liebe würden wir uns auch über drei kleine freuen. Wir hätten nicht einen, womöglich frustrierenden Job, sondern drei kurzweilige Minijobs. Wir könnten zu drei gleichen Teilen in Vollzeit, Teilzeit und Elternzeit sein. Donald Trump würde keinen großen Krieg anfangen, sondern drei, ach was, ganz viele kleine. Nur wer ein langes Abendkleid braucht, würde mit drei Baby-Stramplern kaum glücklich.
All diese Anregungen jedenfalls beschert uns Burger King, weshalb wir zum Dank dort eigentlich gleich eine der neuen Baby-Burger-Boxen verspeisen sollten. Das aber werden wir wohl nicht tun – denn im Grunde schmeckt dort doch eh alles gleich.
