
Maximilian Bieri (SPD) oder Isabelle Hemsley (CDU)? Die Antwort auf die Frage nach dem nächsten Hanauer Oberbürgermeister wird in der Stichwahl am 29. März gegeben. Dass es zwischen dem Bürgermeister und der hauptamtlichen Stadträtin ausgehen wird, das war erwartet worden. Überraschend ist allenfalls der deutliche Vorsprung von mehr als zwölf Prozentpunkten, den Bieri vor Hemsley in der ersten Wahlrunde mit sechs Bewerbern erreicht hat.
So deutlich der Abstand auch sein mag – gewonnen oder verloren ist mit ihm noch nichts. Das wissen sowohl Bieri und die SPD als auch Hemsley und die CDU. Im nahen Frankfurt hatte der CDU-Bewerber Uwe Becker nach der ersten Runde klar vorn gelegen, wurde aber vom heutigen SPD-Oberbürgermeister in der Stichwahl noch überholt. Also keine Zeit für Selbstzufriedenheit oder Aufgabe vor der Entscheidung in Hanau.
Die Karten werden neu gemischt
Wichtig für den Wahlausgang wird es für die beiden Parteien und ihre Kandidaten werden, erst einmal ihre Wählerschaft aus der ersten Runde wieder an die Urne zu bringen. Abgestimmt haben am Sonntag 46,3 Prozent der Wahlberechtigten, ein eher mittelprächtiger Wert. Ob der in der Stichwahl gehalten oder verbessert werden kann? Das Datum der Stichwahl lässt daran Zweifel aufkommen: Der 29. März ist der erste Sonntag der Osterferien in Hessen. Gut möglich, dass der eine oder die andere schon in den Urlaub aufgebrochen ist, ohne seine Stimme per Briefwahl abgegeben zu haben, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass die Messe schon gesungen sei.
Nächste Frage: Wie verhalten sich die Wähler, die in der ersten Runde für die Kandidaten von Grünen, Linker, FDP und Gerechtigkeitspartei gestimmt haben? Einige werden nach dem Ausscheiden ihrer Favoriten die Stichwahl abgehakt haben, andere werden sich neu entscheiden. Aber dabei dürfte das klassische Lagerdenken von links und rechts in Hanau nicht so ins Gewicht fallen wie andernorts.
Hanaus Hang zur Einigkeit
Das begründet sich in den kommunalpolitischen Gegebenheiten: SPD und CDU, beide ähnlich stark, haben bisher zusammen mit der am Sonntag dezimierten FDP in einer Koalition gut zusammengearbeitet, und das gilt auch für Bieri und Hemsley im hauptamtlichen Magistrat. Aber darüber hinaus sind die wichtigen Entscheidungen für die Stadt in den vergangenen Jahren in einem großen Konsens über die Parteigrenzen hinweg gefallen, einer der Gründe, warum Hanau einen Aufschwung wie kaum eine andere hessische Stadt erlebt hat.
Also gilt: Polarisieren ist nicht. Auch Hemsley und Bieri begegnen sich mit spürbarer Wertschätzung und sprechen lieber von einem Wettbewerb als von Wahlkampf. Beide werben mit einer ähnlichen Agenda für sich, nur in der Reihenfolge der genannten Themen gibt es kleine Unterschiede. Wem der Wähler dann seine Stimme gibt, das mag am Ende an persönlichen Sympathien liegen. Fachlich genießen der Mathematiker Bieri und die Wirtschaftsjuristin Hemsley in der Stadt einen guten Ruf – zugetraut wird das Amt des Oberbürgermeisters beiden.
