
Die Bestellung der Fregatte 126 für die Deutsche Marine galt einmal als ein europäischer Musterfall. Da hat einmal ein Verteidigungsministerium nicht auf die aufheulende heimische Industrielobby gehört, sondern dem preiswertesten Anbieter den Zuschlag gewährt, auch wenn der in einem Nachbarland sitzt. Der wiederum versprach, der Löwenanteil der Fertigung werde im Land des Bestellers erfolgen. Die Software für die Planung kam aus einem dritten EU-Land. Soll es nicht genau so gehen?
So, wie es gelaufen ist, soll es jedenfalls auf keinen Fall sein: inkompatible Software, etliche Jahre Verspätung, Verteuerung über Hunderte Millionen Euro.
Es geht um die europäische Zusammenarbeit
Es soll jetzt hier nicht billig auf irgendein Herstellerland gedroschen werden. Deutsche Werften haben auch schon vergleichbare Verspätungen verursacht, und die Fregatten mussten noch vor der Erprobungsfahrt repariert werden.
Worum es aber geht, ist, dass die europäische industrielle Zusammenarbeit nicht so funktioniert, wie sie auf Sicherheitskonferenzen gern beschworen wird.
Kein Wunder, dass das ungemein ehrgeizige Luftwaffensystem FCAS zwischen Frankreich und Deutschland abzustürzen droht. Dort mehr noch als im Marinebeispiel ist offenkundig, dass ein gemeinsames Rüstungsprojekt nicht nur einen gemeinsamen politischen Willen, sondern auch ein Grundmaß an industrieller Kooperationsbereitschaft voraussetzt.
Sonst ist man wehrlos gegen Erpresser à la Trump und Putin
Die Deutsche Marine will nun erst mal ein heimisches Produkt von der Stange bestellen, um wenigstens halbwegs pünktlich die eigenen Verpflichtungen in der NATO erfüllen zu können.
Fachlich sollte das eine sichere Bank sein, es geht um ein modulares Schiff, das international gefragt ist. Die Mittel sind dank Sondervermögen da.
Aber kann das wirklich das letzte Wort sein im Versuch, die Verteidigungsanstrengungen in der EU so zu bündeln, dass wir mehr Autarkie erlangen? Ein funktionierender europäischer Rüstungsmarkt ist das beste Mittel gegen Erpresser wie Trump und Putin.
