Nach den verheerenden Bildern vom Ahr-Hochwasser 2021 sind das Gourmetrestaurant „Brogsitter Sanct Peter“ und die benachbarte „Weinkirche“ mit ihrer gehoben-bürgerlichen Küche heute wieder ein lebendiger Ort der Gastfreundschaft. Während im Gespräch mit dem Service noch die Wehmut darüber mitschwingt, dass viele Einheimische weggezogen sind, herrscht in der gut gefüllten „Weinkirche“ bereits eine entspannte Routine. Die spiegelt sich auch auf dem Teller wider.

Den Anfang macht ein „Avocado-Mango-Salat mit gebackenen Garnelen und Chili-Crème“ (28,50 Euro). Das Spiel mit den kross ausgebackenen Garnelen und den süß-sauer-scharfen Zutaten funktioniert zuverlässig und in einer guten Balance und Intensität. Auch beim „Hausgebeizten Label Rouge Lachs und geflämmtem Thunfisch – eingelegte Gurke, Kimchi-Mayonnaise“ (29,50 Euro) dominiert ein ausgereiftes, unaufgeregtes Geschmacksbild auf der Basis eines frisch und präsent schmeckenden Fisches mit viel Augenmaß bei der Zusammenstellung. Ganz offensichtlich hat die Küche eher die Ambition, gut zu kochen, als irgendwie optisch oder mit allen möglichen Zutaten Effekte zu erzielen.

Spätestens nach dem „Zanderfilet auf der Haut gebraten – Rahmsauerkraut, Petersilienkartoffel, Blanc de Noir Sauce“ (43,50 Euro) kommt dem Gast der Begriff Soulfood in den Sinn. Meistens hat er etwas mit Gerichten zu tun, die durch und durch als lecker empfunden werden, was fast immer bedeutet, dass Reize um der Reize willen oder irgendwelche kreativ gedachten Irritationen fehlen.

Hier in der „Weinkirche“ gibt es so ein Soulfood. Der Zander hat eine präzise Bratkruste, die aromatisch und nicht nur kross wirkt, das Rahmsauerkraut ist nicht zu sauer, die Sauce vom hauseigenen Wein rundet cremig ab, und die Kartoffeln zerdrückt man, um die Sauce aufzunehmen. Das ist in seiner Art nicht nur ein Klassiker des Hauses, sondern ein Klassiker von Jahrzehnten.

Beim „Eifeler Rehrücken – Wirsinggemüse, Pilze, Kartoffelpüree, Rehjus“ (56,50 Euro) wird klar, woher diese spezielle Art von Soulfood stammt. Es ist ein Derivat einer Spitzenküche, wie es sie vor einigen Jahrzehnten gab, und die hier mit guten Grundprodukten, bekannten Zusammenstellungen, einer zurückhaltenden Würze und ohne unnötige Ablenkungen auskommt. So etwas ist mittlerweile in dieser Qualität selten.
Aber ist dies nun Soulfood nur für die Älteren, die entsprechende Erinnerungen haben und sich freuen, sie wiederzufinden? Nein. Tatsächlich hat der Geschmack eines solchen Essens immer universelle Grundaromen, die fast alle Leute unabhängig von Alter und Erfahrung gut finden. Ihnen könnte man raten, sich statt Ethno-Food aus der Schnellküche in Wrap- oder Burgerform einmal Soulfood der ausgereiften und qualitativ bemerkenswerten Form in der „Weinkirche“ anzusehen.
