Wäre die Literatur ein Haus, Helene Bukowski hätte mit ihrem Roman Wer möchte nicht im Leben bleiben gerade die Fassade eingerissen. Dahinter wird der Dachstuhl sichtbar, ins Gebälk hat jemand rostige Nägel eingeschlagen, und die Wände wurden frisch tapeziert. Es hat eine überraschende Poesie, dieses Haus so zu sehen: roh und fragil.
Bukowski widmet sich einer bestimmten Form der Literatur, jener über eine sogenannte wahre Begebenheit. Die Ich-Erzählerin, wie Bukowski eine Schriftstellerin aus Berlin, stößt auf die Biografie einer Frau: Christina wird 1961 geboren und wächst in der DDR auf, erst in Leipzig, später in Neubrandenburg. Sie spielt Klavier, gilt als Wunderkind, kommt auf die Spezialschule für Musik in Ost-Berlin und schließlich auf ein Konservatorium in Moskau. Immerzu übt sie und übt sie, bis sie sich mit 25 aus dem Fenster stürzt. Was war das für ein Leben, das sie sich da nahm?
