
Sport in Zeiten des Krieges. Das ist Alltag. Die Welt steht nicht still, auch wenn kaum vorstellbares, unendliches Leid geschieht, täglich über die Nachrichten mit Bild und Ton ins Wohnzimmer transportiert wird. Kaum jemand stört sich an Olympischen Sommer- und Winterspielen, während Putins Armee in der Ukraine wütet und mordet. Im Gegenteil. Sie dienen der Ablenkung, so wie das bisweilen lächerliche Theater um den VAR in der Bundesliga.
Der Profisport hat, verständlich angesichts mancher Kämpfe von Athleten oder Klubs um ihre Existenz, mitunter eine todernste Ausstrahlung angenommen. Das lässt sich auch ablesen an Wertungen durch Sportler, Trainer, Funktionäre, Journalisten, Fans, die vor lauter Bedeutung keinen Spielraum mehr lassen für das, was ein Wort eigentlich beschreibt. Wann schon folgt einem verschossenen Elfmeter das, was man ihm als unbedingte Wirkung häufig nachsagt: die Katastrophe?
Zu solchen unbedachten Übertreibungen ist die Sportwelt in ihrer Blase sehr schnell bereit. In anderen Fällen erscheint sie weniger zimperlich. Wenn es etwa darum geht, die Austragung einer Veranstaltung in Frage zu stellen, weil die Bedingungen unzumutbar erscheinen. Zweifellos dürfen Verträge und Absprachen nicht einfach so aus dem Stand und einseitig für nichtig erklärt werden. Aber mitunter wird um die Einhaltung eines Plans gefeilscht wie auf dem Basar. Als ging es nicht um die Menschen, sondern in erster Linie um die Rettung des Geschäfts.
Sicher ist aber, dass der Automobil-Weltverband (FIA) und das Formel-1-Management in solchen Fällen nicht so frei sind zu entscheiden, wie sie es vorgeben. Allein die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Bahrain und Saudi-Arabien zu Beginn des Iran-Krieges lässt deutschen Unternehmen wie Audi und Mercedes im Sinne der Fürsorgepflicht keinen Spielraum bei Schutz von Leib und Leben ihrer Angestellten, ganz zu schweigen von derem Verweigerungsrecht.
Wäre die FIA das Risiko eines Starts eingegangen etwa mit lauter Freiwilligen, würde der Formel-1-Tross dann von iranischen Angriffen be- und getroffen werden, dann müsste sie ihren Laden schließen. Dass die einzig richtige Entscheidung laut Statement dennoch eine „schwierige“ gewesen sein soll, erstaunt; nicht mal in einem Halbsatz an die Sorgen und Nöte der Einwohner zu denken, an die absurde Idee eines Formel-1-Rennens unter drohendem Beschuss leider nicht.
