Auf dem Börsenplatz in der Frankfurter Innenstadt steht eine Gruppe verschleierte Frauen, sie halten Plakate in den Händen. Zu sehen ist ein Porträt des lächelnden Ali Khamenei, darunter steht der Schriftzug: „Heroic Martyr of Resistance“. Für die Frauen ist der bei einem amerikanisch-israelischen Luftangriff getötete Oberste Führer des Iran kein Despot, kein Anführer einer fundamentalistischen Diktatur, sondern ein Held, dessen Tod sie betrauern.
Bald darauf tritt ein Mann zu der Gruppe, auch er hält ein Porträtfoto in der Hand. Es zeigt Modschtaba Khamenei, den Sohn und Nachfolger des getöteten Staatsoberhaupts. Als eine Fotografin die Kamera auf ihn richtet, dreht er sein Schild eilig um.
Auf die Presse ist man bei der Kundgebung sowieso nicht gut zu sprechen. Eine Rednerin warnt die Demonstranten davor, mit Journalisten zu reden. „Es ist eine Lügenpresse, es ist eine zionistische Presse“, sagt sie. Dann erklingen die Rufe: „Viva, viva Iran“ und „Widerstand bis zum Sieg“.
„Wie könnt ihr als linke Gruppe euch hinter dieses Regime stellen?“
500 Unterstützer des iranischen Regimes sind es, die am Samstag durch die Frankfurter Innenstadt ziehen. „Hoch lebe die Islamische Republik Iran“, ruft vor dem Marsch eine Frau auf dem Lautsprecherwagen – und erntet lauten Jubel. Sie behauptet, dass Iran nie geplant habe, eine Atombombe zu bauen, und nennt die Tötung Khameneis einen „feigen Mordanschlag“. Über die tausenden Tote bei den Protesten im Januar verliert sie dagegen kein Wort. Zu der Demonstration gegen den Irankrieg und für das Mullah-Regime hat eine propalästinensische Gruppe aufgerufen: die „Migrantifa“.
Dass sie sich nun uneingeschränkt an die Seite des Iran stellt, hat in der Szene für Kritik gesorgt. „Wie könnt ihr als linke Gruppe euch hinter dieses Regime stellen?“, heißt es in einem Kommentar unter dem Demo-Aufruf. Andere nennen den Protest „zynisch“ oder einen „Verrat an universellen Menschenrechten“. „Geht’s noch? Das iranische Regime inhaftiert Linke und Kommunisten“, schreibt die Frankfurter Linken-Politikerin Mona Waissi.

Sie ist an diesem Samstag auch auf einer anderen Demonstration zu sehen. Auf dem Opernplatz versammeln sich Aktivisten, die sowohl den amerikanisch-israelischen Krieg als auch das Mullah-Regime ablehnen. Und auch vom Schah-Sohn Reza Pahlavi, der nun versucht, die exiliranische Opposition hinter sich zu vereinen, distanzieren sie sich deutlich. „Weder Krieg noch Regime noch Monarchie“: Auf diese Formel hat man sich auf der Kundgebung verständigt, zu der gut 200 Menschen gekommen sind.
Viele Demonstranten tragen die Kufiya, den sogenannten Palästinenserschal, zu sehen sind auch Fahnen der Kleinstpartei Mera25 und der prokurdischen Gruppe „Young Struggle“, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Als die Aktivisten den Ruf der iranischen Freiheits- und Frauenbewegung – „Jin, Jiyan, Azadî“ („Frau, Leben, Freiheit“) – anstimmen, brüllt ein Störer dazwischen. Es kommt zu Wortgefechten, dann wird der Mann von der Polizei an die Seite des Platzes gedrängt.
1600 Aktivisten demonstrieren für den Schah-Sohn Reza Pahlavi
Die mit deutlichem Abstand bestbesuchte Demonstration zum Irankrieg kommt auf dem Rathenauplatz zusammen. Dort versammeln sich die Unterstützer von Reza Pahlavi, 1600 Teilnehmer werden von der Polizei gezählt. Sie lehnen den Krieg gegen Iran nicht ab, sondern unterstützen ihn ausdrücklich – und nennen ihn nicht einmal so. „This is no war, this is help“, ist einer der am häufigsten skandierten Slogans auf dem Protestzug. Kein Krieg, sondern Hilfe: So nehmen sie die Militärschläge auf Teheran und andere Städte in Iran wahr.

Einer der Demonstranten hält eine Kopie eines iranischen Geldscheins mit dem Konterfei des 1979 gestürzten Schahs in die Luft. Er sagt, dass er sich vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump ein noch heftigeres Eingreifen gegen die iranische Führungsriege wünsche. Je stärker die Führungselite unter Druck gerate, desto größer sei die Chance, dass das Volk wieder einen Aufstand wagt. Aber glaubt er wirklich, dass den Iraner ein Regimesturz gelingen könnte? „Einfach wird das sicher nicht“, antwortet der Mann.
Nicht nur iranische Fahnen sind auf der Demonstration der Pahlavi-Anhänger zu sehen, sondern auch amerikanische, israelische, deutsche und ukrainische. Ein Mann mit Kippa auf dem Kopf schwenkt ein großes Banner der israelischen Armee. Auch die proisraelische Gruppe „Iron Dome Frankfurt“ zeigt sich auf dem Protest.
Die rund 500 Unterstützer des Iran werden auf ihrem Marsch aus der Innenstadt in Richtung Zoo von der Polizei gestoppt. Rufe wie „Tod Israel“ und „Kindermörder Israel“ sollen skandiert worden sein. Nach Gesprächen mit der Versammlungsleiterin darf die Demonstration dann aber zum Alfred-Brehm-Platz weiterziehen, wo die Abschlusskundgebung laufen soll. Dort ruft laut Polizei gleich wieder ein Redner zur Vernichtung Israels auf. Per Lautsprecherdurchsage wird die Auflösung der Kundgebung angeordnet.
Die Demonstranten akzeptieren die Entscheidung – machen ihrem Unmut darüber aber auch laut Luft. „Das ist eine Schweinerei“, ruft eine Frau ins Mikrofon. „Wir lassen uns die Straßen nicht nehmen, wir kommen wieder.“
