
Der ZDF-Intendant Norbert Himmler ist vom Fernsehrat des Senders mit 48 von 53 Stimmen im ersten Wahlgang für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren gewählt worden. Es gab drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Die als Kandidatin vorgeschlagene Journalistin Floria Fee Fassihi hatte, kaum, dass sie benannt worden war, zurückgezogen. „Ich bedanke mich für das Vertrauen“, sagte Himmler und nahm die Wahl an.
Besondere Spannung barg die Intendantenwahl im ZDF somit nicht mehr. und dass der Intendant Himmler die Stimmung auf seiner Seite hat, wurde schon vor dem Wahlgang offenbar, als der Fernsehrat in einer breiten Aussprache die Affäre um die Verwendung eines KI-generierten Fake-Videos im „heute journal“ aufgriff. Dabei verteidigte Himmler die Abberufung der New Yorker Studioleiterin Nicola Albrecht, die den Beitrag beigesteuert hatte. Dies sei „ein harter, aber meiner Meinung nach an dieser Stelle sehr notwendiger Schritt“ gewesen, sagte Himmler. Weitere arbeitsrechtliche Konsequenzen würden geprüft. Zugleich kündigte der Sender weitreichende Maßnahmen an, um derartige Vorfälle künftig zu verhindern.
Der Beitrag von Albrecht war im „heute journal“ vom 15. Februar gesendet worden. Intendant Himmler räumte bei der Fernsehratssitzung in Mainz auch Fehler beim anfänglichen Umgang mit der Kritik an dem Beitrag ein. Die Tragweite des Geschehens sei nicht schnell genug erkannt worden, sagte er: „Das war eine Missachtung unserer Regeln und unserer Standards.“
Die Chefredakteurin Bettina Schausten stellte bei der Sitzung einen Maßnahmenkatalog vor, mit dem der Sender auf den Fall reagieren will. Das ZDF werde sich noch stärker auf die Nutzung von Eigenmaterial konzentrieren und die Herkunft aller Videosequenzen klar dokumentieren. Abnahmeprozesse sollen überprüft werden. Um gefälschte Videos besser zu erkennen, seien verpflichtende „Intensivschulungen“ vorgesehen, sagte Schausten.
Anlass der Debatte war ein Bericht über die US-Einwanderungsbehörde ICE, der grobe Mängel aufwies. In dem Beitrag waren KI-generierte Aufnahmen von einer Festnahme verwendet worden. Außerdem wurde älteres Archivmaterial verwendet, das in keinem Zusammenhang mit den ICE-Einsätzen stand. Nach Kritik am Krisenmanagement des ZDF erklärte Schausten, es müsse klar sein, dass die Arbeit an einer Sendung nach der Ausstrahlung nicht beendet sei. „Wir müssen Fehlerhinweise im Netz besser scannen, mögliche Hinweise auf Fehler besser wahrnehmen“, sagte sie.
Im Fernsehrat wurde indes auch Kritik an einer „Wagenburgmentalität“ des Senders laut. Beim ZDF dürfe nicht der Eindruck entstehen, „Qualität“ sei „nicht so wichtig, wenn die Botschaft stimmt“, warnte der Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei und Medienminister, Nathanael Liminski (CDU), der die Debatte mit seinen Wortmeldungen prägte.
