Die Zahl der Minderjährigen ohne Wohnung in
Deutschland hat sich zwischen 2022 und
2025 fast verdreifacht. Das geht aus einer Antwort des
Bundesbauministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor, die dem Evangelischen
Pressedienst (epd) vorliegt. Zuerst hatte die Rheinische Post berichtet.
Laut den Daten galten zum 31. Januar 2025
bundesweit mehr als 137.000 Jugendliche unter 18 Jahren als wohnungslos. Zum Vergleich: Ende Januar 2022 waren es mit rund 47.000 noch deutlich weniger, zeigen die Regierungsdaten.
Auch die Zahl der jungen Erwachsenen unter den Wohnungslosen erreichte einen neuen Höchstwert. Den Angaben zufolge galten im Januar 2025 rund 55.700 Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren wohnungslos. Drei Jahre zuvor habe die Zahl noch bei knapp 18.800 gelegen.
Als Gründe für den Anstieg nannte die Bundesregierung unter
anderem die Zahl geflüchteter Menschen aus der Ukraine, die seit 2023
erfasst wurde, sowie eine “Verbesserung der Datenmeldung durch die
beteiligten Stellen”.
Die meisten wohnungslosen Jugendlichen leben in NRW
Die
meisten wohnungslosen Minderjährigen gab es laut dem Ministerium im vergangenen Jahr im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen
(rund 31.700), gefolgt von Baden-Württemberg (29.500) und Berlin
(15.700).
In vielen Kommunen fangen Hilfsunterkünfte aber wohnungslose Menschen inzwischen länger auf als in der Vergangenheit. Im Schnitt waren wohnungslose Teenager zwischen
14 und 18 Jahren im vergangenen Jahr fast 150 Wochen in solchen Unterkünften untergebracht, um deren Obdachlosigkeit zu beenden
oder abzuwenden (2023: 117 Wochen). Statistisch gesehen nutzten 14 bis 18-Jährige Notfallunterkünfte im Jahr 2025 am längsten.
Linke kritisiert “sozialpolitisches Versagen”
Die
Linken-Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für soziales Wohnen, Sahra
Mirow, warf der Bundesregierung ein “beispielloses sozialpolitisches
Versagen” vor. “Wer einen so großen Teil seiner Jugend in Unterkünften
verbringen muss, die häufig nur auf Erwachsene ausgerichtet sind, dem
verwehrt der Staat auf fatale Weise gleiche Entwicklungschancen”, sagte
sie der Rheinischen Post.
Laut dem aktuellen Wohnungslosenbericht der Bundesregierung haben aktuell in Deutschland mehr als eine halbe Million Menschen kein eigenes festes Zuhause. Danach waren Anfang 2024 rund 439.500 Menschen in der
Wohnungsnotfallhilfe untergebracht. Weitere rund 60.400 kamen bei
Angehörigen, Freunden oder Bekannten unter, rund 47.300 lebten auf der
Straße oder in Behelfsunterkünften. Ohne Berücksichtigung der rund
15.600 Doppelerfassungen ergeben sich deutschlandweit rund 531.600
wohnungslose Menschen.
