Die Teams der neu gegründeten European Football Alliance (EFA) wollen sich von der gegen sie errichteten juristischen Drohkulisse nicht von einer Neuaufstellung einer europaweiten Liga abhalten lassen.
Nach dem Zusammenbruch der European League of Football (ELF), einer Art europäischer Super-Liga, hatten in diesem Winter zahlreiche Teams der ELF den Rücken gekehrt. In der Folge entstanden zwei neue Ligen, die EFA und die American Football League Europe (AFLE), die im Mai ihren Spielbetrieb aufnehmen wollen. Thomas Krohne, Eigentümer der Munich Ravens, sagte im Gespräch mit der F.A.Z.: „Wir sind der Auffassung, dass wir in keinem bestehenden Franchise-Verhältnis mit der ELF mehr stehen, weil wir die Verträge mehrfach gekündigt haben.“ Mit Blick auf eine drohende gerichtliche Auseinandersetzung betonte Krohne: „Die Munich Ravens werden nicht wieder in der ELF spielen. Wir sind uns absolut sicher, dass unsere rechtliche Position wasserdicht ist.“
Karajica: „Werden alles tun, um unser Recht einzuklagen“
Die ELF befindet sich mittlerweile in einer Insolvenz in Eigenverwaltung, versendete jedoch vor Kurzem einen Spielplan, der mehrere Teams aus der EFA und AFLE beinhaltete.
ELF-Geschäftsführer Zeljko Karajica, gegen den sich vonseiten der abgewanderten Teams ein Großteil der Kritik gerichtet hatte und gegen den in Österreich Ermittlungen wegen des Verdachts auf Wirtschaftsbetrug im Rahmen einer Beteiligung beim Fußballklub Austria Klagenfurt aufgenommen worden sind, pochte auf „laufende Verträge“ mit den im ELF-Spielplan genannten Teams, darunter die Ravens. Diese Teams seien „verpflichtet, die können nicht einfach irgendwo anders spielen“, sagte Karajica im Gespräch mit dem Branchenportal „Foot Bowl“. „Wir werden von unserer Seite alles tun, um dieses Recht einzuklagen.“

Derzeit liege die Angelegenheit „bei den Anwälten“, sagte Krohne nun. Mehr Details zum Vorgang könne er mit Blick auf die rechtliche Auseinandersetzung nicht nennen. „Aber man muss sich schon fragen, ob dieser Spielplan ernst gemeint ist, oder ob eine andere Intention dahinter steckt. Soweit ich weiß, hat Herr Karajica mit keinem der Franchises, deren Verträge angeblich noch laufen, in irgendeiner Form Gespräche geführt über Stadionverfügbarkeiten oder andere relevante Themen.“
Krohne sieht sich und seine Position im Recht, das sieht auch ein Großteil der anderen EFA-Teams so. Dennoch droht den Parteien eine Pattsituation, die, sollte es tatsächlich zu einer Auseinandersetzung vor Gericht kommen, den Spitzenfootball in Europa lähmen und womöglich nachhaltig schädigen könnte. Die Zeit bis zum avisierten Saisonstart von EFA und AFLE ist schon jetzt knapp.
F.A.Z.-Informationen: Gespräche mit ProSiebenSat.1 laufen
Krohne glaubt derweil fest an eine Zukunft der EFA, in der neben den Ravens Frankfurt Galaxy, die Paris Musketeers, Prague Lions, Tirol Raiders und Nordic Storm spielen wollen. Es sei die „kompetitiv ausgeglichenste Liga“, sagte Krohne, auch bei einigen noch zu nehmenden Hürden wie der Suche nach einem TV-Partner sei er zuversichtlich. „Wir werden eine Live-Produktion von allen Spielen haben. Wir werden eine Streamingplattform sowohl in den USA als auch in Europa haben, die unsere Spiele übertragen. Und wir schauen derzeit, dass wir in den fünf Ländern, in denen wir spielen, Free-TV-Partner bekommen.“ Nach F.A.Z.-Informationen laufen für Deutschland Gespräche mit der Sendergruppe ProSiebenSat.1, die bereits die Spiele der ELF übertragen hat.
Krohne, der als Minderheitsgesellschafter an der ELF beteiligt ist, würde gerne einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen. Er freue sich auf die geplanten Spiele seines Teams in der EFA; die Ravens tragen ihre Heimspiele im Stadion in Unterhaching aus, dessen neuen Eigentümer, den FC Bayern München, Krohne als „tollen Partner“ beschreibt. Damit, dass er die 1,5 Millionen Euro, die er in die ELF investiert habe, wohl nicht mehr wiedersehen werde, sagte Krohne, habe er sich abfinden müssen.
