
Deren Aufpasser und Aufpasserinnen wachten auch in Australien über die iranische Delegation. So ist es üblich in der Islamischen Republik, seit iranische Sportlerinnen und Sportler zurückgekehrt sind in internationale Wettkämpfe nach Ende des ersten Golfkriegs 1988. Und so wurde es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, stets hingenommen von internationalen Sportverbänden – auch vom Internationalen Fußballverband FIFA und der Asiatischen Fußball-Konföderation AFC. Das ist von elementarer Bedeutung in diesem Kontext.
Der Zeitpunkt der Absage Irans ist kein Zufall
Zehn Tage später, wenige Stunden, nachdem FIFA-Präsident Gianni Infantino beim Kriegsherrn und FIFA-Friedenspreisträger Donald Trump im Weißen Haus nach eigener Darstellung die Zusicherung erhalten hatte, Irans Männer seien im Sommer bei der WM in den Vereinigten Staaten willkommen, teilte der iranische Sportminister mit, die Teilnahme sei „definitiv keine Möglichkeit“. Ahmad Donjamali verweist auf Trumps Kriegslüsternheit und die Tatsache, dass amerikanisch-israelische Angriffe mehrere Tausend Menschen tötete.
Es ist kein Zufall, dass diese Absage kommt, während der Großteil des Frauenteams auf dem Rückweg nach Iran ist. Die Fotos der Spielerinnen und der Betreuerin, die in Australien Asyl bekommen, gingen ebenso um die Welt wie jene von der Unterstützung durch Iranerinnen und Iraner aus dem australischen Teil der Diaspora.
Eine Niederlage für die Propaganda
Fünf Spielerinnen, eine Betreuerin sind in Australien geblieben, in Freiheit. Die ganze Welt konnte sehen, wie schrecklich unattraktiv die Islamische Republik für junge Frauen (und Männer) ist, die sich nicht einnehmen lassen von einer Zukunft, wie sie dem Regime vorschwebt. Von vielen Tausend, die vor acht Wochen durch Kugeln der Islamischen Republik getötet wurden, hat die Welt nur Leichensäcke zu sehen bekommen.
Der Auftritt des iranischen Frauenteams in Australien war also eine schwere Niederlage für die Propaganda in Teheran, ganz gleich, zu welchen Schauspielen die Rückkehrerinnen noch gezwungen werden. Die Erfahrung lehrt: Es ist mit dem Schlimmsten zu rechnen. Trotzdem muss die Islamische Republik angesichts des weit stärkeren, finanziell potenteren amerikanischen Zweigs der iranischen Diaspora davon ausgehen, dass eine Teilnahme des Männerteams an Trumps Turnier noch schlechter ausginge für sie. Also klammert sich das Regime auch im Fußball gegen den Willen eines großen Teils der Bevölkerung an die Macht.
Nicht aber gegen den Willen der Sportverbände, soweit er sich in deren Handeln ausdrückt. FIFA, AFC, das Internationale Olympische Komitee und viele mehr spielten das Spiel der Islamischen Republik Iran stets, stützten damit die Machthaber. Dass Fußballspielerinnen unter Tränen zur Rückreise in die Diktatur gezwungen werden, dass eines der besten Fußballteams Asiens die WM-Teilnahme genommen wird, das ist nicht zuletzt das Ergebnis der von den internationalen Verbänden seit Jahrzehnten betriebenen Politik.
