Zum Auftakt des iranischen Filmfestivals kommt mit Manijeh Hekmat eine Grande Dame des iranischen Films nach Frankfurt. Die Produzentin und Regisseurin ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Filmbranche des Landes, auch wenn sie immer wieder mit Arbeitsverboten belegt wurde. Am Donnerstag ist ihr Film „Fear & Trembling“ zu sehen, im Original mit englischen Untertiteln, für den sie zusammen mit Faeze Azizkhani das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat.
Er erzählt von der religiösen Fundamentalistin Manzar, deren Familie sich zunehmend von ihr abwendet. Als ihre Nichte verhaftet wird, weil sie keinen Hijab getragen hat, besteht sie dennoch auf deren Bestrafung. Manzar sei ein Symbol des Fundamentalismus, der das öffentliche Leben in Iran beherrsche, sagt Hekmat. Die Gesellschaft müsse einen Weg finden, auch mit diesen radikalen Denkmustern umgehen zu können. Mit Blick auf den Rechtsruck in einigen europäischen Ländern sagt sie: „Wenn sich der Fundamentalismus ausbreitet, ist das eine Gefahr für die ganze Welt“.

Die beiden Regisseurinnen haben aus ihrem Film ein Kammerspiel gemacht, gedreht in wenigen Tagen in nur einem Raum, mit einer kleinen Crew von fünf Vertrauten. Sie müssten das, was sie erzählen möchten, in eine künstlerische Form bringen, die der Zensur entgeht und den finanziellen Rahmen nicht sprengt. Für einen geheimen Dreh in nur einem Raum brauche es keine offizielle Genehmigung, was sonst die große Hürde bei Außenaufnahmen sei. Ihre Bekanntheit in Iran sei außerdem zum Hindernis geworden: „Sobald ich am Set auftauche, wird genauer kontrolliert.“ Und das könne das gesamte Team gefährden. Daher verfolgt sie die Arbeiten aus der Ferne.
Low-Budget-Produktionen statt staatlicher Bevormundung
Vor etwa 14 Jahren begann Hekmat damit, auf kreative Low-Budget-Produktionen zu setzen, viele jüngere Regisseure folgten ihrem Beispiel. Denn die staatliche Filmförderung gehe mit Zensuraufforderungen und Schikanen einher, sagt Hekmat. Mit kleinem Budget und Ideenreichtum widersetzen sich die Filmemacher dem System, nutzen etwa eine Drehgenehmigung für einen Kurzfilm für ein ganz anderes Endergebnis.
In der Vergangenheit hatte Hekmat immer wieder bewusst Grenzen überschritten, etwa als sie in ihrem mehrfach im Ausland ausgezeichneten Film „Women’s Prison“ im Jahr 2003 Wege fand, im Inneren eines Frauengefängnisses zu filmen, und Frauen mit offenem Haar zeigte. Was folgte, waren fünf Jahre Arbeitsverbot für die Regisseurin und unzählige Verhöre, die bis heute Spuren hinterlassen haben.
Ihre Solidarität mit der „Frau, Leben, Freiheit“-Protestbewegung in Iran im Jahr 2022, die vor allem von Frauen initiiert worden war, trug ihr wieder ein Arbeits- und Ausreiseverbot sowie eingefrorene Konten ein. Jede Handlung, jeder veröffentlichte Satz in einem Interview oder in den sozialen Medien, kann unabsehbare Folgen für sie selbst und für ihr Team haben. Dieser Verantwortung müsse sie sich ständig bewusst sein.
Mit ihrer Arbeit hat sie dennoch nicht aufgehört. Wenn man unter einem ideologischen Regime lebe, das die eigene Familie und die Existenz bedrohe, müsse man sich wehren, sagt sie mit Überzeugung: „Wir sind oft müde und erschöpft und fühlen uns eingeschlossen in einem Raum mit dicken Betonmauern. Aber dann fangen wir wieder an, ein kleines Loch in die Wand zu schlagen, dann noch eines, bis es immer größer wird.“ Weil so viele Menschen in Iran die Hoffnung auf Veränderung nicht aufgegeben hätten, dürfe auch sie als Filmschaffende nicht aufgeben.
Beim Filmfestival werden nur Dokumentationen, Kurz- und Langfilme gezeigt, die ohne offizielle Drehgenehmigung in Iran entstanden und dann im Ausland veröffentlicht wurden. Sie zeigen Bilder jenseits des Nachrichtenstroms aus Protest, Gegengewalt und zuletzt militärischen Angriffen, entstanden unter besonderen Einschränkungen und Gefahren, die Zeugnis ablegen vom inneren Widerstand einer Gesellschaft.
