Herr Münker, Sie waren in Afrika, als Ihr Handy gestohlen wurde. Was haben Sie dort gemacht?
Anfang des Jahres war ich für ein soziales Projekt in einem Dorf ohne Netzanbindung namens Chagar Gadel in Mauretanien. Dort habe ich eine Solaranlage aufgebaut – gemeinsam mit sechs Freunden, finanziert durch Spenden meiner Firma MALYA GmbH und anderer Unternehmen. So konnten die Dorfbewohner erstmals Strom und eine Grundversorgung mit Wasser bekommen. Danach waren wir noch in Senegal, in der Hauptstadt Dakar, wo mir dann mein Handy gestohlen wurde.
Wann haben Sie gemerkt, dass Ihr Handy weg war?
Am letzten Abend vor Ort. Wir wollten noch ein paar Bier trinken, und ich war unvorsichtig. Irgendjemand hat mir das Handy wohl aus der Tasche gezogen. Als wir dann mit dem Taxi zurückgefahren sind, musste ich leider feststellen, dass mein Handy nicht mehr da war.
Was war Ihr erster Gedanke in diesem Moment?
Es war schon eine schwierige Situation. Auf dem Handy waren alle wichtigen Daten, inklusive meiner Diabetes-Messwerte. Ich messe meinen Blutzucker mit dem Handy, und das war natürlich ein Problem.
Was hat Sie dazu inspiriert, zurück in Deutschland das Video „Wenn mein Reel 10.000 Likes bekommt, hole ich mein Handy zurück“ zu drehen?
Überwiegend war Frustration da, weil mein Handy mehrere Tausend Kilometer entfernt war. Um den Ärger herauszulassen, wollte ich aus der Situation ein witziges Video machen. Es war nicht ernst gemeint. Ich habe ein recht hohes Like-Ziel genommen, weil ich dachte: Wann erreicht ein Video von mir mal 1000 Likes? Abends bin ich schlafen gegangen, und am nächsten Morgen bin ich mit etwa 30.000 Likes aufgewacht. Da habe ich realisiert: Jetzt wird es ernst.
Haben Sie die Kommentare unter dem Video motiviert oder unter Druck gesetzt?
Teils, teils. Ein Kommentar war: „Du hast es versprochen, du musst es machen.“ Und ich dachte: Ja, er hat recht. Andere Kommentare waren: „Boah, ich bin so gespannt, ich hänge dran.“ Oder: „Das ist besser als Netflix. Die beste Serie, die ich seit Jahren auf Instagram gesehen habe.“ Das hat mich natürlich motiviert.
Wie kamen Sie auf die Idee, den Livestandort zu verfolgen?
Das Erste, was ich gemacht habe, als mein Handy gestohlen wurde, war, es in der „Wo ist?“-App als gestohlen zu markieren. Leider war das Handy erst einmal nicht auffindbar, vermutlich weil der Akku leer war. Ich hatte Glück, dass der Dieb das Handy zwischenzeitlich geladen hat. So wurde wieder ein Standortsignal gesendet.
Hatten Sie einen Plan, wie Sie vorgehen, sobald Sie in Dakar angekommen sind?
Nein, ich habe wirklich nur den Flug gebucht. Ich wollte ein richtiges Abenteuer daraus machen.
Was haben Sie als Erstes getan, als Sie gelandet sind?
Ich bin zum Mietwagenverleih und habe mir ein Auto geholt. Dann bin ich direkt zum letzten Standort meines Handys gefahren, habe den Stadtteil Pikine erkundet und die Gegend angeschaut, in der der Typ, der mein Handy mutmaßlich gestohlen hat, wohnt. Ich habe mich unsicher gefühlt – ich war allein, spreche die Sprache nicht, kenne die Kultur nicht. Erst dann habe ich realisiert: Das ist gar nicht ungefährlich, was ich gerade mache.
Danach bin ich erst einmal ins Hotel gefahren, um mir einen Plan zurechtzulegen, nicht in meiner typischen „Yassine-Manier“ – einfach drauflos. Am nächsten Tag habe ich mit dem Hotelmitarbeiter gesprochen, der meinte: „Das ist das gefährlichste Viertel in ganz Senegal.“ Das hat mich ein bisschen aufgehalten. Dann bin ich zur Polizei gefahren. Sie konnten mir nicht helfen, weil der Standort angeblich zu ungenau war. Schließlich schrieb mir eine Followerin, ihr Freund in Senegal wolle unbedingt helfen. Ich habe kurz mit ihm telefoniert, und er meinte, er würde sich kümmern. Ich sollte warten. Am Ende kam niemand. Ich saß anderthalb Tage in Senegal und erreichte nichts. Ich dachte: „Scheiße, das war eine dumme Idee.“ Am nächsten Tag zog ich allein los. Ich fuhr dem Standort hinterher, war kurz davor, die Männer direkt anzusprechen, traute mich aber nicht. Es hätte gefährlich sein können. Ich habe das auch auf Instagram geteilt.
Dann sind Sie mit Mouha in Kontakt gekommen.
Genau, zunächst hat mir Yuki geschrieben. Sie wohnt in den Niederlanden und kommt ursprünglich aus Senegal. Ihr Cousin wohnt in Pikine. Ich habe seine Handynummer bekommen, und wir haben uns getroffen. Gemeinsam sind wir dann die Standorte abgefahren, an denen mein Handy in den Tagen zuvor gewesen war. An einem Handyshop haben wir den Verdächtigen schließlich gefunden. Wir konfrontierten ihn, ohne zu wissen, ob er wirklich unser Dieb war. Er saß in seinem Auto, hielt ein blaues iPhone 15 Pro in der Hand, und ich war mir todsicher, dass es mein Handy ist.
Tatsächlich nicht, es war nur das gleiche Modell, wie sich später herausstellte. Der Typ war nervös, er haute ab. Als wir ihn wiedergefunden haben, ist er mit uns zum Handyshop gegangen. Dort war er sehr selbstsicher und hat die IMEI auf seinem Handy gecheckt. Das war nicht die gleiche wie die von meinem gestohlenen Handy. Ich stand da und dachte: „Wie kann das sein? Es sieht genau aus wie mein Handy, aber es ist nicht meins, und der Standort meines Handys ist hier.“
Wir haben lange diskutiert. Irgendwann haben Mouha und ich gesagt: „Okay, lass uns zur Polizei fahren.“ Er fuhr hinterher und hat uns dann angehalten. Er meinte, er wüsste jetzt wieder, wer der Dieb sei. Schließlich setzte er sich nach langem Diskutieren ins Auto, und wir sind Ewigkeiten durch Dakar gefahren – zwei, drei Stunden von der einen Ecke zur anderen. Ich hatte zwischendurch auch Angst, dass er uns in eine Falle lockt oder Ähnliches. Aber Mouha war total ruhig und entspannt. Ich hatte ein sicheres Gefühl bei ihm. Dann haben wir zusammen gegessen. Ich habe für uns alle bezahlt, inklusive Mouha, weil er mir die ganze Zeit geholfen hat. Das waren etwa 1000 CFA-Franc pro Person – ungefähr 1,50 Euro.
Haben Sie sich während der Fahrt mit dem Mann unterhalten?
Ja, er hat versucht, Sympathie aufzubauen. Er erzählte mir, dass er Lkw aus Europa nach Senegal importiert und zeigte mir viele Bilder von den Fahrzeugen auf seinem Handy. Er wollte wissen, was ich mache, auch über meine Projekte in Mauretanien. Er hat aber nicht gecheckt, dass ich immer den Standort meines Handys verfolgt habe – und sehen konnte, dass es mit uns mitfährt. Irgendwann habe ich ihn konfrontiert und gesagt: „Das Handy ist hier.“ Ich habe auch meinen Vater angerufen, er hat ihn auf Französisch zurechtgewiesen. Danach hatte ich relativ schnell mein Handy wieder in der Hand.
Wieso hat er Sie zwei, drei Stunden durch die Gegend fahren lassen?
Er erzählte uns, dass der Taxifahrer das Handy geklaut habe. Laut seiner Story hatte der Taxifahrer das Handy für 70 Euro an jemanden verkauft, und dieser hatte es wiederum für 120 Euro weiterverkauft. Die Person sollten wir finden. Dafür wollte er von mir eine Million Franc. Das sind umgerechnet etwa 1500 Euro.
Wann hat er das verlangt?
Das erste Mal scherzhaft im Auto. Er meinte, er helfe mir, mein Handy wiederzubekommen, also müsse ich ihm später eine Million Franc geben. Es war übertrieben, klassische Verhandlungstaktik. Als ich das Handy schließlich bekam, tat er so, als sei es von jemand anderem gebracht worden, und ich musste dem Typen das Taxi bezahlen – 2000 Franc. Ich wollte einfach nur mein Handy zurückhaben. Aber die eine Million Franc an den Dieb wollte ich nicht bezahlen.
Sie haben nun 75.000 Follower. Wie geht es jetzt auf Social Media weiter?
Ich bin gerade eher in einer Phase der Selbstfindung und muss erst mal für mich herausfinden, wie es weitergeht. Ich bin jemand, der immer viele verrückte Sachen macht – ein Boot restaurieren, ein Haus sanieren, spontan nach Istanbul fliegen, um in der Türkei Ski zu fahren. Ich liebe solche Aktionen und will das weiterhin begleiten. Auf meinem Kanal soll es also nicht ruhig bleiben, aber neben meinen verrückten Aktionen liegen mir soziale Themen sehr am Herzen. Ich will die Reichweite, die ich bekommen habe, auch nutzen, um meinen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
Planen Sie weitere Abenteuer?
Vielleicht. Viele Leute haben geschrieben, ihr Handy oder E-Bike sei gestohlen worden. Vielleicht gibt es also eine Art „Staffel 2“, bei der ich etwas für andere zurückhole. Das funktioniert aber nur mit passenden Partnern.
