Sieben Spielerinnen des iranischen Frauenteams haben das Asylangebot der australischen Regierung angenommen. Nachdem am Montag fünf Spielerinnen Visa aus humanitären Gründen ausgestellt bekommen hatten, setzten sich am späten Dienstagabend zwei weitere Spielerinnen vom Team ab, unmittelbar bevor die Delegation Richtung Kuala Lumpur in Malaysia reiste.
Zuvor hatte der australische Regierungschef Anthony Albanese das Angebot dargelegt. „Wir haben diesen Schritt eine Zeit lang vorbereitet. Das Schicksal „dieser mutigen Frauen“ habe Australiens Bevölkerung bewegt, sagte Albanese. „Sie sind hier sicher und sollten sich hier zuhause fühlen. Nachdem klar war, dass sie Unterstützung wollen, hatte sie die Bundespolizei an einen sicheren Ort gebracht“, sagte er mit Blick auf die fünf Spielerinnen, die sich Sonntag abgesetzt hatten.
„Wir sind gewillt, andere Frauen des Teams zu unterstützen. Es ist klar, dass dies eine sehr delikate Lage ist und es ihre Entscheidung ist. Wir sagen ihnen: wenn Ihr unsere Hilfe wollt, ist die Hilfe da.“ Wie der „Sydney Morning Herald“ berichtete, setzten sich zwei weitere Spielerinnen an Terminal 1 des Flughafens von Sydney ab, andere betraten den Airbus A330 des Flugs MH140 mit Tränen überströmten Gesichtern. In Kuala Lumpur sollte das Flugzeug um kurz nach neun Uhr abends MEZ eintreffen.
Gesperrt, weil sie ihren Hedschad nicht richtete
Am Sonntag hatten sich Fatemeh Pasandideh, Zahra Ghanbari, Zahra Sarbali, Atefeh Ramazanzadeh und Mona Hamoudi abgesetzt. Der australische Innenminister Tony Burke hatte sich mit ihnen fotografieren lassen und mitgeteilt, dass sie einer Veröffentlichung ihrer Namen zustimmen. Vier der fünf Spielerinnen, von denen die 21 Jahre alte Fatemeh Pasandideh die jüngste und die Kapitänin Zahra Ghanbari, 34 Jahre alt, die älteste Spielerin ist, waren im Februar mit Bam Chatun Meisterinnen ihres Landes gewesen.
Zahra Ghanbari war vor der Saison von der erfolgreichsten iranischen Vereinsmannschaft ins Frauenteam des Teheraner Großklubs Persepolis gewechselt. Sie ist bei der Asienmeisterschaft wie das gesamte Team in den Spielen gegen Südkorea, Australien und die Philippinen ohne Torerfolg geblieben, ist aber die erfolgreichste Torschützin des iranischen Frauenteams.

2024 hatte sie in einem Spiel der asiatischen Champions League in Thailand gegen die Auswahl des College of Asian Scholars in der 93. Minute das Siegtor geschossen und gejubelt, ohne den heruntergerutschten Hedschad über ihre Haare zu ziehen. Zahra Ghanbari wurde daraufhin gesperrt, die Sanktion wurde erst aufgehoben, nachdem sie und ihr Klub öffentlich um Entschuldigung gebeten hatten.
Zu den Spielen in Australien waren alle Spielerinnen so aufgelaufen, wie es iranischen Sportlerinnen von der Islamischen Republik diktiert wird: in langärmliger Spielkleidung mit Leggings und Kopftuch. Auf dem Foto mit dem australischen Innenminister vom frühen Dienstagmorgen tragen alle fünf Spielerinnen ihre Teamkleidung, aber keine Kopftücher. Der Klub Brisbane Roar bot ihnen an, sie aufzunehmen.
Im Staatsfernsehen ist von „Hochverrat in Kriegszeiten“ die Rede
Nach dem Spiel gegen Südkorea waren die Spielerinnen im iranischen Staatsfernsehen des „Hochverrats in Kriegszeiten“ bezichtigt worden. Darauf steht in Iran die Todesstrafe. Einem Bericht der oppositionellen Plattform „IranWire“ zufolge wurden sie zudem mit Drohungen, ihre Familienangehörigen in Iran könnten verhaftet werden oder andere Repressionen erfahren, unter Druck gesetzt.
Darauf bezog sich auch der amerikanische Präsident Donald Trump, der am Montag die australische Regierung aufgefordert hatte, den Spielerinnen Asyl zu gewähren, ansonsten seien sie in den Vereinigten Staaten willkommen. Trump, der den Krieg gegen Iran gemeinsam mit Israel am 28. Februar begonnen hatte, die Spielerinnen waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Australien, hatte auf seiner Plattform „Truth Social“ gepostet und anschließend mit Albanese telefoniert. Seine Einlassung war ein für Trump typisches Manöver, um von der Popularität des Themas zu profitieren.
Trump ist „wirklich egal“, ob Irans Männerteam zur WM fährt
Mitglieder der iranischen Diaspora in den Vereinigten Staaten wiesen darauf hin, dass Trumps Regierung verfolgten Iranerinnen und Iranern derzeit kein Asyl gewährt und keine Visa ausgestellt werden. Zudem ist vollkommen unklar, wie die iranische Männermannschaft im Sommer bei der WM in den Vereinigten Staaten antreten soll. Vergangene Woche hatte Trump, der Träger des Friedenspreises des Internationalen Fußballverbands FIFA, gesagt, ihm sei „wirklich egal“, ob die iranischen Männer antreten.
Er möge sich nicht vorstellen, wie schwer die Entscheidung für jede einzelne Spielerin war, sagte Burke nach dem Treffen mit den Spielerinnen. Naghmeh Danai, Migrationsbeauftragte mit iranischen Wurzeln, die für die australische Regierung mit den Spielerinnen gesprochen hatte, berichtete, diese hätten „unter viel Stress gestanden. Sie wussten nicht, was sie tun sollten, sie sorgten sich um ihre Familien und ihr Eigentum in Iran. Sie wollten bleiben, aber sie hatten Angst vor den Konsequenzen, denn die Regierung Irans kann alles konfiszieren.“
Aus ihrer Sicht, sagte die Einwanderungsbeamtin dem Sender „ABC News“, seien die Spielerinnen „jung und unschuldig. Sie konnten sich gar nicht vorstellen, was ihnen droht, wenn sie zurückreisen.“ Sie habe versucht, die „Gehirnwäsche des Regimes“ rückgängig zu machen, sagte Naghmeh Danai, die seit 2008 in Australien arbeitet. „Sie hatten Angst vor der australischen Polizei, weil sie die iranische Polizei kennen. Wir (Iraner; d. Red.) fühlen uns gegenüber der Polizei nicht sicher“, sagte Danai.
Sie hatte gehofft, dass weitere Spielerinnen Kontakt mit den Behörden aufnehmen. Danai sagte, die fünf Spielerinnen, die sich nun eine Existenz in Australien aufbauen wollten, hätten ihr gesagt, sie hätten es „ihr ganzes Leben in Iran versucht“ und hätten „weder Respekt noch Hoffnung“ unter den Umständen der Islamischen Republik.
