Nach einem recht frühen Start im Februar ist die Krötenwanderung in Hessen in den vergangenen Tagen etwas ins Stocken geraten. Das habe mit dem trockenen Hochdruckwetter mit noch kühlen Abenden und Nächten zu tun, sagte Berthold Langenhorst vom Umweltverband Nabu Hessen der Deutschen Presse-Agentur. Sobald die Witterung milder und feuchter werde, dürften die Tiere ihre Wanderung fortsetzen.
Ideal seien dafür Abendtemperaturen ab sechs bis sieben Grad sowie leichter Regen. Sobald die Bedingungen an zwei bis drei Abenden in Folge stimmen, dürfte die Krötenwanderung wieder richtig in Gang kommen.
Rund 1.000 Nabu-Aktive engagieren sich hessenweit
Um die Tiere davor zu schützen, dass sie auf der Wanderung zu ihren Laichgewässern beim Überqueren von Straßen überfahren werden, haben laut Langenhorst wieder hessenweit rund 1.000 Nabu-Aktive Krötenschutzzäune an Straßenrändern aufgebaut und dahinter Eimer in die Erde versenkt. Wenn dort Tiere hineingefallen sind, werden sie von den Helfern über die Straßen gebracht.
Auch speziell angelegte Tunnel unter Straßen würden von den Tieren rege genutzt, sagte Langenhorst. Neben den Kröten gehen übrigens auch Frösche und Molche zu dieser Jahreszeit auf Wanderschaft, darunter der Spring- und der Grasfrosch sowie der Teich- und der Bergmolch.
Kröten bewältigen teils mehrere Kilometer zu Laichgewässern
Doch warum wandern Kröten eigentlich? Sie sind auf den jeweiligen Teich oder Tümpel geprägt, in dem sie selbst geboren wurden. Ihren Lebensraum finden sie meist in nahen Wäldern und Wiesen. Von dort legen sie im ausgehenden Winter und Frühjahr teils mehrere Kilometer zurück, um zu ihrem angestammten Laichgewässer zu gelangen.
Sollten sich unterwegs andere Chancen auftun, abzulaichen, etwa an einem neu angelegten Teich, könne es auch passieren, dass die Kröten dorthin auswichen, sagt Langenhorst. Die Rückkehr zu ihrem üblichen Lebensraum erfolge dann in den folgenden Wochen bis in den Frühsommer hinein, jedoch nach und nach und nicht mehr in einer solchen Welle, wie es beim Hinweg im Frühjahr der Fall gewesen sei.
Winter bot günstige Bedingungen für Amphibien
Der zurückliegende Winter sei für die Tiere nicht ungünstig verlaufen, etwas mehr Frost hätte ihnen aber auch nicht geschadet, sagte Langenhorst. Schnee und Regen hätten dafür gesorgt, dass der Boden gut durchfeuchtet worden sei. Man hoffe darauf, dass in diesem Frühjahr wenigstens so viele Kröten wanderten wie im vergangenen Jahr, sagte Langenhorst. Langfristig gehe die Zahl der Amphibien aufgrund des Klimawandels mit fehlendem Regen im Frühling und der Lebensraumverluste stark zurück.
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