
Nach einem Sprengstoffanschlag auf das Café „Omonia“ in Frankfurt-Bockenheim hat am Freitag der Prozess gegen den 15 Jahre alten mutmaßlichen Täter begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Jugendlichen in dem Prozess am Frankfurter Landgericht versuchten Mord in Tateinheit mit besonders schwerer Brandstiftung und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion vor.
Bei dem Angeklagten soll es sich um einen Niederländer handeln, der nur für die Tat am 5. August 2025 nach Frankfurt gekommen sein soll. Den Ermittlungen zufolge hatte eine dritte Person den Jugendlichen sowie einen seiner Freunde über Snapchat für das Verbrechen angeworben. Insgesamt seien den beiden 3000 Euro dafür versprochen worden. Laut Anklage befand sich der Angeklagte in einer schwierigen familiären und finanziellen Situation.
Noch am selben Abend seien die beiden dann von der dritten Person abgeholt und nach Deutschland gefahren worden. Der Fahrer soll sie mit Materialien ausgestattet und sie beim Bau der Kugelbombe angeleitet haben.
Angeklagter gesteht zu Beginn des Prozesses
Gegen fünf Uhr morgens seien sie nahe dem Café an der Falkstraße abgesetzt worden. Anschließend habe der Angeklagte den Sprengsatz gezündet und in den Innenraum des Cafés geworfen, in dem sich vier Gäste und der Betreiber aufhielten. Der Wirt hatte der Anklage zufolge die Bombe schnell erkannt und in die Ecke getreten, wodurch alle die Lokalität schnell und unverletzt verlassen konnten. Der Jugendliche wurde kurz darauf in der Nähe des Tatorts festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Sein Freund soll am selben Tag in Taunusstein einen Sprengsatz vor ein Wohnhaus gelegt haben. Auch er wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch vor dessen Entzündung festgenommen. Der Achtzehnjährige muss sich derzeit dafür vor dem Landgericht Wiesbaden verantworten.
Weil der Angeklagte in Frankfurt noch minderjährig ist, findet der Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Gericht teilte am Freitag mit, dass der Prozess mit der Verlesung der Anklage begonnen hat. Der Jugendliche habe sich eingelassen und die Tat gestanden. Ein Urteil könnte am 23. März fallen.
Die Strafverfolger gehen davon aus, dass die Taten als „Violence-as-a-Service“, auch „Crime-as-a-Service“ genannt, zu werten sind. Die Sicherheitsbehörden in Deutschland warnen schon seit Jahren vor dem Phänomen, das seit Langem aus Nordrhein-Westfalen im Zusammenhang mit der sogenannten Mocro-Mafia bekannt ist. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Dirk Peglow, hatte damals zu Beginn der Serie der Brandanschläge geäußert: „Die Tatsache, dass junge Männer aus den Niederlanden offensichtlich nach Frankfurt reisen, um hier schwerste Straftaten zu begehen, sollte uns eine Warnung sein.“ Der Blick auf die Mocro-Mafia zeige, dass dort seit Jahren junge Menschen „für ein Taschengeld angeheuert werden, um Straftaten zu begehen“.
Mutmaßlicher Organisator vor wenigen Tagen festgenommen
Auch der hessische LKA-Präsident Daniel Muth sagte jüngst im Interview mit der F.A.Z., die hessischen Behörden registrierten zunehmend Fälle, in denen junge Männer für schwere Straftaten aus den Niederlanden angeheuert und bezahlt würden. Ein Phänomen, das auch bei den Automatensprengern zu beobachten gewesen sei, auch dort waren die Tätergruppierungen niederländisch geprägt. Man stehe im sehr engen Austausch mit den niederländischen Behörden und auch mit dem gesamten europäischen Verbund. „Bei den Geldautomatensprengern hat das gut funktioniert. Durch starke Repression und im Anschluss eine konsequente Strafverfolgung ist das Phänomen zumindest eingedämmt worden.“ Dieses Vorgehen gelte es nun auch im Zusammenhang mit den Brandanschlägen anzuwenden.
Das Polizeipräsidium Frankfurt hat die Ermittlungen zu den Brandsätzen in einer eigenen Ermittlungsgruppe zusammengeführt. Dem Vernehmen nach ist allerdings unklar, inwiefern alle Fälle, die sich seit Sommer 2025 im Rhein-Main-Gebiet ereignet haben, tatsächlich zusammenhängen. Vielmehr, so ist zu hören, eint sie das Phänomen: Unbeteiligte Personen – oft Jugendliche – werden von Tätergruppen angeworben, damit sie gegen Bezahlung Brandanschläge auf Lokale, Kioske, Restaurants, Imbisse oder Privathäuser begehen. Es wird vermutet, dass es um Schutzgelder geht oder möglicherweise auch um geschäftliche Differenzen oder auch Verstrickungen in Betäubungsmittelkriminalität.
Erst am vergangenen Dienstag wurde ein 20 Jahre alter Niederländer festgenommen, der den Fünfzehnjährigen und seinen Freund zuvor in den Niederlanden rekrutiert, beim Bombenbau angeleitet und nach Deutschland gefahren haben soll. Zudem soll er die Anschläge von Deutschland aus überwacht und geführt haben. Auch an weiteren Anschlägen auf beide Gebäude in den Tagen zuvor soll er beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft will nun, dass er nach Deutschland ausgeliefert wird, damit er sich hier für die Taten verantworten muss, teilte ein Sprecher der Behörde mit.
Allein in Frankfurt betroffen war außer dem Café in Bockenheim ein Lokal an der Ferdinand-Porsche-Straße im Stadtteil Fechenheim sowie ein Imbiss in einer Nebenstraße der Zeil. In Offenbach war bei einem Brandanschlag am 17. Juli 2025 ein Lokal betroffen, bei dem der Verdacht besteht, dass Bezüge zur organisierten Kriminalität vorliegen. Mindestens einer der Betroffenen hat nach Informationen der F.A.Z. engen Kontakt zu einem türkischstämmigen Clan aus Frankfurt, der schon mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten ist.
