Markus Krösche stand zu vorgerückter Stunde, nach der Ouvertüre des Fußballjahres, bei der sich die SGE in der letzten Sekunde den Erfolg noch aus der Hand hatte nehmen lassen, in den Katakomben der heimischen Arena und tat sich schwer mit einer eindeutigen Einordnung. Zum einen lobte der Frankfurter Sportvorstand die „Intensität auf dem Platz“, die nicht nur er in weiten Teilen der Hinrunde vermisst hatte und die er nun zur Benchmark für alle weiteren Auftritte machte.
Zugleich machte er keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über den Ausgang der Partie gegen Borussia Dortmund, bei der die Frankfurter zweimal einen Rückstand ausgeglichen hatten, ehe sie zu Beginn der Nachspielzeit in Führung gegangen waren und dann im Überschwang der Freude über das vermeintliche Happy End noch den Treffer zum 3:3 hinnehmen mussten, der ihnen den Ertrag von drei Punkten verbaute, die sie für den fünften Heimsieg gerne auf der Habenseite verbucht hätten. „Das war ärgerlich“, bilanzierte Krösche.
Auf dem Rasen bestätigte sich, was von allen, die in den zurückliegenden Tagen im Namen der Eintracht offiziell sprachen, als guter Vorsatz für 2026 genannt worden war und was die Verantwortlichen mit ihrem personellen Umbau angestoßen hatten: Die Frankfurter wollten nicht abwarten, sondern gestalten. Sie bejubelten sich für jede gewonnene Grätsche und traten zwar längst nicht fehlerfrei, aber durchweg als arbeitswilliges Ensemble auf, das sich vorgenommen hatte, dem Spiel eine Richtung zu geben, die sich mit ihren Vorstellungen deckte.
Frische Entschlossenheit nach der kurzen Weihnachtspause
In der Körpersprache veranschaulichte sich ein Unterschied zu den Wochen vor Weihnachten, als die Häufung der Englischen Wochen – und vor allem die internationalen Auftritte auf dem ungewohnten Niveau der Champions League – Spuren hinterlassen hatten, körperlich wie mental. Die zwölftägige Pause zwischen dem Abschluss vor Heiligabend in Hamburg (1:1) und dem Wiedereinstieg ins Teamtraining wirkte wie ein Innehalten, das Kräfte reaktivierte.
Frankfurt ging die Aufgabe mit frischer Entschlossenheit an. Allerdings begann die Partie mit einem Dämpfer nach altbekanntem Muster: Wie schon so oft reichte der erste Angriff der Gegenseite, um die Eintracht in Rückstand zu bringen. Julian Ryersons flache Hereingabe von der rechten Seite fand in der zehnten Minute Maximilian Beier, der schneller reagierte als Robin Koch, der zu weit entfernt stand, und Hugo Larsson, der den Raum nicht rechtzeitig schloss.
Frankfurt brauchte einen Moment, um sich zu sortieren, wurde aber nicht nervös. Can Uzun verwandelte in der 22. Minute einen Strafstoß, nachdem Serhou Guirassy im Anschluss an einen weiten Einwurf Koch in die Beine getreten hatte. Dortmund spielte generell geradliniger, erhöhte ab der 60. Minute den Druck und nahm die Eintracht durch aggressives Pressing taktisch in den Schwitzkasten. Die Folge war das 2:1 durch Felix Nmecha in der 68. Minute.
Dass Toppmöllers Truppe dennoch prompt zurückkam, hatte mit den neuen Gesichtern zu tun – und mit der Hoffnung, die sie nähren. Aus dem Zusammenspiel der Novizen Arnaud Kalimuendo, ausgeliehen von Nottingham Forest, und Younes Ebnoutalib, für acht Millionen Euro aus Elversberg geholt, entstand der Treffer zum 2:2 (71. Minute).
Ebnoutalibs Treffer belebt die Phantasie
Wie der bisherige Zweitligatorjäger seinem Bewacher Niklas Süle enteilte und Gregor Kobel mit einem satten Abschluss überwand, belebte die Phantasie, dass die Frankfurter Abteilung Attacke künftig nicht nur variabler, sondern auch durchsetzungsfähiger auftreten könnte. Dino Toppmöller sprach von einem „besonderen Gefühl“ für den „Frankfurter Bub“ vor der Nordwestkurve, von Herz und Freude auf dem Platz – Worte, die diesmal nicht wie pädagogische Begleittöne, sondern als nüchterne Feststellung angemessen klangen.
Ebnoutalib fügte sich nach kurzer Eingewöhnung mit einem Eifer ein, der die Dortmunder beschäftigte. „Er hat sich freigeschwommen“, sagte der Frankfurter Coach über den 22-Jährigen, der selbst „ein bisschen sprachlos“ über sein gelungenes Debüt war. Er dankte Toppmöller, dass dieser „mir die Chance gegeben hat, direkt von Anfang an zu spielen“. Er und die anderen hätten sich „als Mannschaft in jede Aktion reingehauen“.

Die Dortmunder Verteidiger Waldemar Anton und Süle behalfen sich jeweils mit Regelüberschreitungen, um Ebnoutalib zu bremsen, und sahen dafür Gelbe Karten. „Was Intensität und Zweikämpfe angeht, haben wir Zeichen gesetzt“, sagte Toppmöller später und verwies auf die spürbare „mentale Frische“, die sie alle aus der Auszeit in den Weihnachtsferien mitgebracht hätten. „Was für ein Spiel! Fußballherz, was willst du mehr?“, fragte der 45-Jährige zudem rhetorisch: „Viele Tore, gute Zweikämpfe, gute Intensität. Wir kommen alle ins Stadion, um Spektakel zu sehen.“ Das hätten die Beteiligten zum Re-Start in Frankfurt zur Genüge geliefert.
Das 3:2 durch einen Schlenzer von Mahmoud Dahoud, der in der 92. Minute bei Toppmöller die Empfindung auslöste, das Dach des Stadions könne aufgrund der Begeisterung der Fans „wegfliegen“, genügte aber nicht, um als Gewinner ein Statement zu setzen. Denn der eingewechselte BVB-Stürmer Carney Chukwuemeka (96.) düpierte die nach dem Überschwang der Emotionen ungeordnete Eintracht-Abwehr mit einem „krummen Ding“, wie Toppmöller sagte.
„Werden gegen andere Teams punkten“
Er fand das „schmerzhaft“, aber auch motivierend auf dem „Weg“, den sie vor sich haben. „Für mich ist wichtig, dass wir mit diesem Auftreten gezeigt haben, was wir wollen und dass wir Power und Energie haben. Wir werden gegen andere Teams punkten, weil der BVB eine Spitzenmannschaft ist.“ Und als solche will er die Eintracht auch etablieren, wozu „Moral und Gier“, die er hervorhob, fortan in gleichem Maße nötig seien.
Krösche ordnete die Dinge nüchterner ein. Die neuen Profis, die sie geholt haben, „um auf Verletzungen zu reagieren“, sollten dem Kader „Fähigkeiten hinzufügen“ und dem Trainer ein Mehr an Möglichkeiten bieten, damit die Eintracht schwerer auszurechnen ist – sie hätten ihren Impact gehabt, „das war okay“. Es war eine Bewertung, die weder Begeisterung schürte noch Enttäuschung kultivierte.
Unterhaltsam war diese Begegnung ohne Zweifel – es gab doch schon einige deutlich ereignisärmere Fußballspiele mit Frankfurter Beteiligung. Die Eintracht ließ durch die Unachtsamkeit kurz vor Schluss Big Points liegen, die sie nun an anderer Stelle wird holen müssen, damit das Resultat in der Endabrechnung Mitte Mai nicht schwerer wiegen könnte, als es an diesem Abend schien.
„Egal, wie der Gegner heißt und egal, wie der Spielstand ist“, gab Toppmöller als Marschroute für die kommenden Herausforderungen aus, „wir werden mutig spielen.“ Der Freitag war ein Anfang. Viel Zeit, ihn wirken zu lassen, bleibt nicht. Schon in den sechs Partien dieses Monats wird sich erweisen, wie belastbar der Anspruch tatsächlich ist.
