Das Landgericht Bonn hat den Kinderpsychiater und
Sachbuchautor Michael Winterhoff wegen Körperverletzung zu einer
Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Kammer befand
den 71-Jährigen der vorsätzlichen Körperverletzung in sieben Fällen sowie der
fahrlässigen Körperverletzung für schuldig. Das Urteil ist
noch nicht rechtskräftig.
Die Staatsanwaltschaft hatte für Winterhoff eine
Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen gefährlicher
Körperverletzung gefordert. Laut Anklage sollte er Patienten das umstrittene Medikament
Pipamperon ohne medizinische Notwendigkeit verordnet und Sorgeberechtigte nicht
über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt haben.
Zwar habe der Angeklagte Kindern und Jugendlichen das Psychopharmakon
Pipamperon zur Dauerbehandlung verordnet. Anders als von der Staatsanwaltschaft
angenommen, habe er dies jedoch nicht getan, um Patienten zu schaden, urteilte die Kammer. Vielmehr habe der Angeklagte “aus seiner ureigenen ärztlichen
Überzeugung und in heilender Absicht gehandelt”, sagte die Richterin.
Winterhoff plädierte auf Freispruch
Winterhoff hatte die Anklagevorwürfe im Prozess
zurückgewiesen. Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch.
Der Angeklagte habe “Nebenwirkungen des Medikaments
ersichtlich vermeiden” wollen, urteilte das Gericht. Zudem habe er
Einwilligungen zur Behandlung von den Sorgeberechtigten eingeholt, allerdings
in der irrigen Annahme, sie ausreichend aufgeklärt zu haben.
