
Über kaum ein Alltagsthema diskutieren Familien so intensiv wie über das Pausenbrot. Die Kinder sind in der Regel überzeugt davon, dass ausgerechnet sie das unattraktivste Frühstück der ganzen Klasse im Ranzen tragen. Und warum eigentlich haben einige Kinder immer Nutellabrote dabei? Immerhin haben sich die eigenen Eltern, die anfangs noch auf Vollkornbrot beharrten, inzwischen zu Toast oder Knäckebrot mit Honig erweichen lassen, sofern wenigstens ein paar Apfel- oder Birnenstücke aus der Brotdose gegessen werden.
Das Schmieren eines Pausenbrots ist Verhandlungssache. Dass diese Kulturtechnik durch die Pläne von Grünen, SPD, Volt und Linkspartei, ein für Schüler kostenloses Frühstück in den Grundschulen anzubieten, vom Aussterben bedroht ist, steht nicht zu erwarten. Denn bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Angebot als sinnvolle Ergänzung für einen überschaubaren Kreis.
Leerer Bauch studiert nicht gern. Wenn Kinder – aus welchen Gründen auch immer – vor der Schule nicht frühstücken und auch kein Pausenbrot dabei haben, leiden darunter ihre kognitiven Leistungen und Bildungschancen. Diese Kinder will die Stadt mit einem Schulfrühstück unterstützen und auffangen. Wer die Frühbetreuung nutzt, soll vor dem Unterrichtsbeginn die Chance haben, dort auch zu frühstücken.
Der Verein Brotzeit zeigt, wie es gelingen kann
Aber benötigt man dafür tatsächlich ein eigenes kommunales Programm? Der Bedarf ist nicht so hoch, wie es scheint. Die Erfahrungen von Schulen, die schon ein Schulfrühstück anbieten, zeigen, dass nur rund zehn Prozent der Kinder das Angebot nutzen.
Es gibt keinen Bedarf für ein aufgeblasenes kommunales Programm, das viel Geld verschlingt. Der Verein Brotzeit aus München hat mit bewundernswertem Einsatz ein logistisches Netz aufgebaut, das schon heute 500 Schulen in die Lage versetzt, bedürftige Kinder zu versorgen. Auch die Idee, dass ehrenamtlich tätige Senioren das Schulfrühstück ausgeben, ist charmant.
Das von bürgerschaftlichem Engagement getragene Angebot des Vereins Brotzeit kann die Stadt gerne fördern und ausweiten. Sie sollte nicht mit einem kommunalen Programm in Konkurrenz dazu treten, wie es die Linke vorhat. Den meisten Familien kann man durchaus zutrauen, für die eigenen Kinder zu sorgen. Die Stadt muss Eltern nicht von allen Pflichten befreien. Die öffentliche Hand muss nicht das Rundum-sorglos-Paket für die Daseinsvorsorge liefern. Es lebe das Pausenbrot.
