Endlich wieder festen Boden unter den Füßen. „Das fühlt sich schon etwas nach Freiheit an“, sagt Stefan Nowak. Seit Dienstagmorgen dürfen die Passagiere von Mein Schiff 5 das Terminal der Kreuzfahrtschiffe in Doha betreten und sich dort etwas bewegen. Auf Bildern ist zu sehen, wie die Passagiere neben dem Schiff auf und ab laufen, wie sie mit ihren Handys in den Stuhlreihen des Terminals sitzen.
Seit Israel und die Vereinigten Staaten am Samstag Luft- und Raketenangriffe auf Ziele in Iran begonnen haben, sitzen die Passagiere im Hafen fest. „Tag 4 in Doha“, sagt Nowak. Über den Seeweg kann das Schiff des deutschen Anbieters TUI Cruises den Persischen Golf nicht verlassen, denn die Straße von Hormus wird blockiert. Und per Flugzeug? Der Luftraum in Qatar sei noch gesperrt, teilte der Kapitän des Schiffes den Passagieren am Dienstag über die Lautsprecher mit.
Erste Passagiere fliegen nach Deutschland
Er wisse aktuell noch nichts dazu, wann und wie er nach Hause komme, sagt der 34 Jahre alte Nowak, der gemeinsam mit seiner Verlobten Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff macht. Er habe vor Beginn der Reise Mitte vergangener Woche die Lage in Iran beobachtet, aber „unterschätzt“, wie schnell die Lage eskalieren könne.
Der Reisekonzern TUI rechnet damit, seine im Nahen Osten festsitzenden Kunden binnen einiger Tage zurückzuholen. Geplant sei, die Urlauber mit Partner-Airlines wie Emirates, Qatar Airways und Etihad nach Deutschland zurückzubringen, sagte Vorstandschef Sebastian Ebel dem Sender n-tv. Zudem stünden eigene Flugzeuge von TUI Fly „standby“ bereit, sobald es eine Erlaubnis gebe, dorthin zu fliegen.
Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) sind allein rund 30.000 Kunden deutscher Reiseveranstalter betroffen – weil Lufträume geschlossen wurden und Flughäfen in der Region als Drehkreuze ausfallen. Doch seit Dienstagmorgen läuft der Flugverkehr zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Deutschland langsam wieder an.
„Ein bisschen alleine gelassen“
Stefan Nowak hörte von ersten Passagieren der ebenfalls zu TUI Cruises gehörenden Mein Schiff 4, die das bislang in Abu Dhabi festsitzende Schiff nun verlassen und nach Hause fliegen könnten. Von TUI habe er bislang wenig gehört – und fühle sich damit „ein bisschen alleine gelassen“.
Auf seiner Website informiert der Konzern am Dienstag weiter darüber, dass man „aufgrund der weiterhin dynamischen Situation in der Region sowie eingeschränkter Flugverbindungen“ in engem Austausch mit den Fluggesellschaften stehe, um die Rückreisen planen zu können. „Sobald uns belastbare Informationen vorliegen, informieren wir die betroffenen Gäste unmittelbar.“ Gut informiert fühlt sich Nowak von den Durchsagen, die zwei- bis dreimal am Tag vom Kapitän kämen, zudem sei die Crew immer ansprechbar. An Bord gebe es keine Panik: „Man schenkt sich gegenseitig ein Lächeln.“
„Wir bleiben optimistisch“
Ähnlich blickt Isi Köhle-Arnold auf die Lage an Bord des Kreuzfahrtschiffes. Sie sitzt mit ihrem Mann ebenfalls im Hafen von Doha fest. Sie fühle sich gut informiert und habe keine Angst. Natürlich bleibe ein mulmiges Gefühl, wenn sie Hubschrauber und Drohnen über ihren Köpfen höre. Doch sie hätten auf dem Schiff alles, was sie brauchten.

Sie hofft, „so früh wie möglich wieder nach Hause zu kommen“. Dass sie wie vorgesehen am Donnerstag wieder nach Deutschland fliegen können, glauben Nowak und Köhle-Arnold nicht. Am frühen Dienstagnachmittag wurde Köhle-Arnolds für den Donnerstag geplanter Flug denn auch storniert. Weil sie ihre An- und Abreise als Individualreise organisiert hat, weiß sie noch nicht, was das für sie genau bedeutet. Sie schaue viel im Internet nach, auch in den sozialen Medien. Sie hofft, über TUI mit den anderen Passagieren gemeinsam einen Rückflug organisiert zu bekommen.
Die Reisewirtschaft setzt angesichts der Eskalation im Nahen Osten und gesperrter Lufträume auf eine enge Abstimmung mit der Bundesregierung, um festsitzende Urlauber zurückzubringen. „Die Sicherheit der Reisenden und der Partner vor Ort hat stets oberste Priorität“, sagte Torsten Schäfer, Sprecher des DRV, am Dienstagmorgen im Deutschlandfunk.
„Wir bleiben optimistisch“, sagt Stefan Nowak. Obwohl es nicht immer einfach ist, ihn zu erreichen, und es nicht immer möglich ist zu telefonieren, bekomme er viele Nachrichten aus der Heimat. Das tue gut und baue ihn auf.
