In der Ankunftshalle im Frankfurter Flughafen herrscht großer Trubel, als die Passagiere des Fluges EK 8045 aus Dubai ankommen. Zahlreiche Medienvertreter nehmen die Menschen, die es als Erste nach Verhängung des Flugverbotes im Nahen Osten wieder nach Deutschland geschafft haben, in Empfang. Auch einige Angehörige sind gekommen, manche begrüßen die Reisenden unter Tränen.
Seit Samstag war kein Flugzeug mehr aus Dubai gestartet. Der Flughafen dort wurde wegen des Kriegs im Iran kurzfristig evakuiert. In dem Flug, der am Dienstag, um 13.34 Uhr in Frankfurt landet, sitzen rund 500 Passagiere. Die meisten von ihnen berichten, dass sie in der vergangenen Nacht gegen ein Uhr informiert worden seien, dass sie zurück nach Deutschland fliegen können. Um 19.20 Uhr soll ein weiterer Flug aus Dubai in Frankfurt landen. Weiterhin sitzen tausende Menschen in der Wüstenmetropole fest.
Ein Familienvater kommt jubelnd in die Ankunftshalle. „Europa, Europa“, ruft er. Seine Frau sagt: „Wir waren beim Frühstück, als die Flugabwehr aktiv wurde und wir viele Explosionen am Himmel hörten. Unsere Kinder haben geweint. Jetzt sind wir super-glücklich, wieder zurück zu sein.“

Passagiere berichten je nach Aufenthaltsort in Dubai von unterschiedlich starkem Luftabwehrfeuer. Ein Passagier beschreibt, dass eine abgeschossene Drohne direkt neben seinem Hotel heruntergekommen sei. Am Samstag sei die Flugabwehr besonders aktiv gewesen. Eine Mutter berichtet, dass sie die Nacht von Samstag auf Sonntag mit ihren Kindern in einer Hoteltiefgarage drei Stockwerke unter der Erde habe verbringen müssen. Am Sonntag und am Montag habe man dann von den Raketen über dem Luftraum Dubais kaum noch etwas mitbekommen.
Norbert Konsetzny, der ebenfalls in dem ersten Airbus A 380 aus Dubai saß, redet von einem reibungslosen Ablauf für gestrandete Reisende. „Die Organisation vor Ort war beeindruckend“, sagt er. „Auch wenn es ab und zu mal geknallt hat, habe ich mich nie unsicher gefühlt.“ Die Fluggesellschaft Emirates habe für ihn und seine Begleitung ein Hotel bezahlt. Am Dienstagmorgen erfuhren die beiden kurzfristig, dass sie fliegen können.
Konsetzny sagt, er habe sich vor Ort auf der Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amtes registriert. Eine Reisewarnung vor Antritt seiner Reise habe er allerdings nicht bekommen. Seine weibliche Begleitung ist den Tränen nahe. „Am meisten freue ich mich, wenn ich meine Familie wiedersehen kann.“

Heike Stephan hat angespannt gewartet. Immer wieder hat sie mit ihrer Tochter Paulina Roth telefoniert, die gerade eben erst in Frankfurt gelandet ist. Sie, ihr Mann und ihr einjähriger Sohn Ole sind auf dem ersten Emirates-Flug von Dubai nach Frankfurt seit Beginn des Krieges gewesen. Eigentlich hatten sie einen Monat ihrer Elternzeit auf Sri Lanka verbracht, am Samstag sollte es zurückgehen – über Dubai. Doch dort angekommen, ging es nicht weiter.
Treppenhaus als Schutzraum
Nach mehreren Stunden am Flughafen ging es in ein Hotel. „Beim ersten Frühstück mussten sie mehrmals aufstehen und ins Treppenhaus gehen, weil es Raketenalarm gab“, erzählt ihre Mutter. „Heute Morgen, als dann die Nachricht kam, wir sollen zum Flughafen fahren, da hab ich das erste Mal geweint.“ Bis dahin habe sie versucht, sich abzulenken.
Paulina Roth fällt in der Ankunftshalle am Frankfurter Flughafen ihrer wartenden Mutter um den Hals. Gemeinsam weinen sie kurz. In Dubai hätten sie andere Familien getroffen, gegenseitig habe man sich geholfen und informiert, erzählt Roth. Die Raketenalarme hätten sich nach „purer Angst“ angefühlt. „Wir hatten auf unser Handy dann die Warnmeldung bekommen und sind dann ins Treppenhaus“, sagt sie.

„Wir hatten Zimmernachbarn aus Israel und die wussten ganz genau, was man in so einer Situation machen muss“, berichtet die Dreiunddreißigjährige weiter. „Ich muss auch sagen, dass diese Menschen uns so geerdet haben in dem Moment.“ Nach dem letzten Alarm seien sie im Bett im Hotelzimmer erschöpft zusammengebrochen.
Kira Luipold und Annika Dossmann waren ebenfalls in dem Flieger aus Dubai. „Am Samstag waren wir am Strand und haben zweimal die Explosionen in der Luft gehört“, erinnert sich Luipold. Sie hätten sich ziemlich erschrocken. „Man hat’s auch gesehen in der Luft.“ Eigentlich wären sie am Sonntag zurückgeflogen, jetzt waren sie froh, dass es am Dienstag geklappt hat. „Wir haben auch kaum geschlafen.“ Sonntagfrüh sei noch einmal eine Rakete direkt über ihrem Hotel abgefangen worden.
Dossmann sagte, die Stimmung im Flieger bei der Landung sei sehr euphorisch gewesen. Viele der Passagiere waren froh, wieder in Deutschland zu sein. Einige allerdings empfanden die Geschehnisse als nicht sonderlich beängstigend. „Es war alles nicht so schlimm, wie es hier geschrieben und geschildert wird“, sagt Werner Vith, der mit seiner Frau bei Freunden in Dubai Urlaub gemacht hat. „Es hat häufiger mal geknallt, wenn die Abwehrraketen kamen.“
Es sei schon komisch gewesen, weil man das Gefühl gehabt habe, da sei so viel Wasser und man komme vielleicht nicht mehr weg, berichtet Vith weiter. Auf dem Flug nach Frankfurt habe er sich sicher gefühlt. „Wir sind etwas früher als geplant abgereist“, sagt er. „Gestern Abend haben wir den Flug hier ganz kurzfristig gebucht. Rein, raus, Wiedersehen.“
Für Paulina Roth war der Weg zurück nicht ganz so einfach. Das Hotel habe sie sehr unterstützt, aber am Flughafen in Dubai sei es noch mal chaotisch zugegangen, weil sie keine Tickets gehabt hätten. Schließlich habe es aber mit einem Foto der Tickets geklappt. Auf die Frage, auf was sie sich nun am meisten freue, sagt Roth unter Tränen: „Auf unser Zuhause und auf unseren Hund.“
In den nächsten Tagen sollen weitere Maschinen aus Dubai in Europa landen. Die Fluggesellschaft Emirates kündigte an, dass eine begrenzte Anzahl an Rückkehrer- und Frachtflügen geplant sei.
