Neulich in Bangkok bin ich über etwas gestolpert, das nach Gegenwart riecht, nach Social Media und Influencer. Ich muss zugeben, dass ich selbst nicht vor Ort war, aber ich habe mir aus sicheren Quellen erzählen lassen, wie es dort zugeht. Man geht zum Yoga – und statt innerer Einkehr bekommt man innere Einkehr plus Welpe.
Während man im „herabschauenden Hund“ die Fersen Richtung Boden schiebt, schleckt einem ein wahnsinnig süßer Welpe das Ohr aus. Puppy Yoga nennt sich das. Ein neuer, junger Trendsport, noch nicht olympisch, aber wohl bald auch bei uns ein Renner.
Entertainment selbst beim Entspannen nötig
Ob das tatsächlich Yoga ist, weiß man nicht so genau. Vorn spult eine Yogalehrerin zwar die üblichen Verrenkungen ab, aber kaum ein Kursteilnehmer, kaum eine Kursteilnehmerin spult mit. Es sind fast alles junge Pärchen, vermutlich alle kinderlos. Die meisten haben Drahtgestelle vor sich stehen, in die sie Handys einhängen können, um das Geschmuse mit den kleinen Hunden ihrer Community per Stream mitzuteilen. Oder per Videosequenz, oder per Bild. Dazwischen huschen Fotografen und Fotografinnen der Veranstalter, die alles hundertfach ablichten. Oh, wie ist das süß!

Früher ging man ins Kloster, um zur Ruhe zu kommen. Heute geht man in einen Yoga-Raum, um Welpen abzuknutschen. Das nennt man Evolution. Oder TikTok.
Um eines klarzustellen: Ich habe nichts gegen Yoga. Ich habe auch nichts gegen Hunde. Ich habe – wie die meisten Tierschützer – nur eine leise Skepsis gegenüber der Idee, beides zu verbinden und dafür Geld zu kassieren. Denn seien wir ehrlich: Die Welpen sind in diesem Sport nur das Opfer einer Gesellschaft, die selbst beim Entspannen noch Entertainment braucht. Ich jedenfalls bleibe vorerst beim herabschauenden Hund. Beim normalen Verrenkungsyoga.
Oder vielleicht doch nicht.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Im Netz nämlich habe ich noch anderes gefunden zum Thema Yoga und Hund. Es nennt sich Doga. Ein Kofferwort aus Dog und Yoga. Vom Puppy Yoga unterscheidet es sich, weil man dabei nicht mit Welpen schmust, sondern mit seinem eigenen Hund zum Yoga geht. Partner-Yoga sozusagen. Das hebt die Beziehung zwischen Hund und Mensch natürlich auf ein neues Niveau. Bisher war die sportliche Beziehung zwischen beiden übersichtlich strukturiert. Man ging spazieren. Man warf ein Stöckchen. Der Hund holte es. Man warf es noch einmal. Der Hund holte es wieder.
Ein funktionierendes Trainingskonzept für beide Seiten, inklusive sozialer Anerkennung im Park.
Aber jetzt Doga! Ich stelle es mir so vor: Ich kaufe mir einen Bernhardiner und melde uns beim Doga-Kurs um die Ecke an. Zwölf Matten, sechs Menschen, sechs Hunde. Und irgendwo in der Mitte ich mit meinem Bernhardiner. Gemeinsamer Sonnengruß. Und wenn ich dann versuche, im herabschauenden Hund nicht wie ein zusammengefalteter Campingstuhl auszusehen, schaut mein Bernhardiner auf mich herab. Dann versuchen wir gemeinsam die „Taube“. Und beschließen dann, wir gehen morgen doch lieber in den Park, Stöckchen holen. Oder zum Puppy Yoga, da können wir mit Welpen spielen.
