Gregor Kobel war fassungslos, auch seine Mitspieler mussten die riesige Atalanta-Party konsterniert über sich ergehen lassen. Borussia Dortmund hat ein fürchterliches Debakel erlebt und ist in der Champions League bereits in den Playoffs gescheitert. Der ganz schwache BVB verlor sein Rückspiel bei Atalanta Bergamo mit 1:4 (0:2) und gab das 2:0 aus dem Hinspiel noch leichtfertig aus der Hand.
Entscheidend war ein Elfmetertor des gebürtigen Berliners Lazar Samardzic in der achten Minute der Nachspielzeit. Nach der Nutzung des Videobeweises entschied der Schiedsrichter auf Strafstoß sowie eine Gelb-Rote Karte für Dortmunds Ramy Bensebaini. Bensebaini hatte Nikola Krstovic mit dem Schuh am Kopf getroffen, auf der Bank Nico Schlotterbeck zudem glatt Rot (90.+7). Vorausgegangen war ein unmöglicher Fehlpass von Torwart Gregor Knobel.
Ein solches Aus war den Dortmundern im Europapokal zuvor nur im Dezember 1987 gegen den FC Brügge passiert. Damals scheiterte der BVB nach einem 3:0 im Hinspiel durch ein 0:5 nach Verlängerung.
Dieses Mal sorgten Gianluca Scamacca (5. Minute), Davide Zappacosta (45.), Mario Pasalic (57.) und Samardzic schon in der regulären Spielzeit für das Aus des Bundesliga-Zweiten, der in dieser Verfassung kein ernsthafter Herausforderer für den FC Bayern ist. Das Tor von dem erst kurz zuvor eingewechselten Karim Adeyemi (75.) sorgte für neue Hoffnung, war aber zu wenig.
Die Warnungen vor Bergamo verpufften
Dabei hatten die BVB-Verantwortlichen trotz des Zwei-Tore-Polsters aus dem Hinspiel eindringlich vor dem Tabellensiebten der Serie A gewarnt. „Das ist eine richtig gute Mannschaft. Wir müssen Gas geben und miteinander kämpfen“, sagte Trainer Niko Kovac kurz vor dem Anpfiff.

Auch Sportgeschäftsführer Lars Ricken richtete einen eindringlichen Appell an die Mannschaft: „Wenn irgendjemand glaubt, dass wir in einer komfortablen Situation sind, kann das auch schnell ein böses Erwachen geben. Deshalb dürfen wir nicht in eine Passivität verfallen, sondern müssen aktiv nach vorn spielen.“
Der Dortmunder Plan früh gescheitert
Davon war nichts zu sehen. Vielmehr war der Plan schon nach fünf Minuten gescheitert. Lorenzo Bernasconi wurde auf dem linken Flügel gut in Szene gesetzt, seine flache Hereingabe drückte Scamacca am langen Pfosten unbedrängt über die Linie. BVB-Torwart Gregor Kobel, der 60 Sekunden zuvor gegen Nicola Zalewski gerettet hatte, war machtlos.
Die frühe Führung beflügelte die Hausherren zusätzlich. Angetrieben von seinen heißblütigen Fans drängte Atalanta auf den zweiten Treffer, den Kobel bei einem weiteren Schuss von Zalewski (24.) mit einer Glanzparade noch verhinderte.

Auch Kapitän Emre Can, der bei seiner Rückkehr gleich in der Startelf stand, konnte der Abwehr keine Sicherheit geben. Der 32-Jährige hatte seit Ende Januar wegen Adduktorenproblemen zuletzt fünf Pflichtspiele verpasst. Die einzige echte Chance in der ersten Halbzeit bot sich Julian Brandt, der mit einem Flachschuss an Bergamos Torwart Marco Carnesecchi scheiterte.
Ohne die Unterstützung seiner Ultra-Fans agierte der Bundesligaklub viel zu brav. Die organisierten Anhänger waren der Partie wegen behördlicher Maßnahmen im Vorfeld, die der Verein als „unverhältnismäßig“ und zum Teil „willkürlich“ kritisiert hatte, ferngeblieben. „Das ist für uns natürlich sehr bitter und sehr ärgerlich“, sagte Kovac dazu.
Wenige Sekunden vor der Pause musste der BVB-Trainer dann miterleben, wie Ramy Bensebaini einen Distanzschuss von Zappacosta unhaltbar für Kobel abfälschte. Nach dem Wechsel kam es noch schlimmer. Pasalic stand bei einer Flanke aus dem Halbfeld völlig frei und überwand Kobel per Kopf.
Wenige Minuten zuvor hatte Maximilian Beier die große Chance zum Anschluss vergeben, als er völlig frei nur den Pfosten traf. Viel mehr hatte Dortmund in der Offensive nicht zu bieten, auch wenn Adeyemi für Hoffnung sorgte. Der Elfmeter tief in der Nachspielzeit brachte dann die Entscheidung.
