
Eisschnellläufer Fridtjof Petzold hat das Athletenmanagement der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) und die Verbandsführung von Präsident Matthias Große nach Abschluss der Eisschnelllaufwettbewerbe in Mailand scharf kritisiert.
Petzold, der wie Felix Maly im Halbfinale des Massenstartwettbewerbs ausgeschieden ist, beklagte, dass Bundestrainer Alexis Contin ihn und andere deutsche Eisschnellläufer teilweise nur widerwillig, teilweise gar nicht betreut habe, während der Olympischen Spiele.
Petzold, der in Erfurt trainiert, sagte, nachdem er Contins Trainingsgruppe in Berlin nach der vergangenen Saison verlassen hatte, habe es persönliche Differenzen gegeben. Diese seien vor der Saison ausgeräumt worden, ihm sei zugesichert worden, dass sich Contin um ihn kümmere.
„Das wollte er aber nicht oder war nicht möglich“
„Das hat sich jetzt in den letzten Wochen ein bisschen entgegengesetzt entwickelt. Jetzt haben wir ihn widerwillig dazu gekriegt, dass er zumindest die Taktiken in Teilen mit uns besprochen hat, und ich habe mir dann auch gewünscht, dass er heute hier am Eis steht. Das wollte er aber nicht oder war nicht möglich.“ Die Rückfrage, ob das so zu verstehen sei, dass er als Sportler den Bundestrainer dazu überreden müsse, sich um ihn zu kümmern, beantwortete Petzold mit: „So ist es.“
DESG-Sportdirektorin Nadine Seidenglanz, die in Mailand zudem als Pressesprecherin des Verbands im Einsatz ist, sagte, die Betreuung der Athleten im Massenstartrennen sei am Freitagabend „einstimmig“ beschlossen worden: Jeder Athlet werde von seinem Heimtrainer betreut. Neben Petzold war Felix Maly am Start, der wie Petzold in Erfurt bei Aart van der Wulp trainiert. Van der Wulp ist Bundestrainer Sprint, nach Petzolds Aussage hat Contin die größte Kompetenz, was das Coaching bei Massenstartrennen angeht.
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Eine Auseinandersetzung habe es nicht gegeben vor dem Rennen, sagte Nadine Seidenglanz. Auf die Frage, was war, sagte Seidenglanz: „Das sind interne Prozesse, ich glaube, darüber sollte man nicht in der Presse sprechen.“ Sie könne „nicht so bestätigen“, dass sich Contin nicht gekümmert habe. Die Frage, ob er im Stadion gewesen sei, beantwortete Seidenglanz mit: „Natürlich.“ Petzold sei betreut worden „wie das besprochen wurde“ – von Sprinttrainer van der Wulp.
Petzold sagte, schon vor dem Mannschaftsverfolgungswettbewerb am vergangenen Wochenende sei Contins Verhalten „tagtäglich Thema“ gewesen: „Die anderen zwei Jungs haben das ein bisschen besser weggesteckt und hatten da jetzt auch nicht so die Probleme, aber mich hat es psychisch sehr belastet.“
„Rundenzeiten reingehalten – sein einziger Beitrag“
Bei der Mannschaftsverfolgung habe Contin „am Ende“ auf dem Eis gestanden. „Er hat die Rundenzeiten reingehalten. Sein einziger Beitrag dazu.“ Seidenglanz sagte, die Vorwürfe seien „absolut nicht gerechtfertigt. Wir sind hier genug Betreuer, und wir kümmern uns um alle Athleten vollständig und haben nur das beste Interesse für die Athleten. Insofern kann ich das absolut nicht bestätigen.“
Petzold sagte, grundsätzlich sei es so, dass die Bundestrainer, Contin in Berlin und van der Wulp in Erfurt, „eher im Interesse dieser Trainingsgruppen handeln und wenn ich jetzt eben in Erfurt trainiere und nicht mehr bei Alexis in Berlin, ist das eben gestörter“.
Aufgrund der Differenzen in der vergangenen Saison habe er sich an Athleten Deutschland und an die Anlaufstelle gegen Gewalt im Sport gewandt, sagte Petzold in der Mixed Zone der Eishalle in der Mailänder Messe. Das „grundsätzliche Problem in der DESG“ sei deren Struktur: „Sehr viele Familien kriegen da ihre Leute rein.“
Als Beispiel nannte Petzold die DESG-Sportdirektorin, die mit Contin verheiratet ist. „Sich über sein Verhalten bei ihr zu beschweren, ist eben zum Teil schwierig, weil ich auch gemerkt habe, sie deckt ihn dann in vielen Fällen und entschuldigt sein Verhalten und spielt es ein bisschen runter, und wir haben eben keine entsprechenden Anlaufstellen im Verband“, sagte Petzold.
„Keinerlei Ausbildung und keinerlei Ahnung“
Was Good Governance und Safe Sport angehe, habe DESG-Präsident Große Posten „mehr oder weniger auf dem Papier“ geschaffen, sagte Petzold. „Die Leute, die er dafür eingesetzt hat, haben keinerlei Ausbildung und keinerlei Ahnung, wie sie ihren Job richtig ausführen müssen.“ Zum Teil seien sie „sehr nah bei Matthias Große angesiedelt, sitzen zum Teil in der Firma, und da ist es halt dann schwierig, solche Fälle zu melden und da irgendwie Hilfe zu kriegen“, sagte Petzold.
Die Frage, ob der Schluss, den man als Zuhörer bekomme, dass er denke, der Verband werde unprofessionell geführt, richtig ist, sagte Petzold: „Ja. Das zieht sich auf alle Ebenen durch. Vom Präsidium bis runter zur Betreuung hier, bis zu den Trainern. Jeder hat da auch Angst, irgendwie was zu sagen, weil er um seinen Job besorgt ist. Aber ich denke, gerade mit der medialen Aufmerksamkeit muss man jetzt darauf aufmerksam machen, dass ein paar Dinge schieflaufen, und wie gesagt, das hat mich die letzten Wochen sehr belastet. Ich würde da gerne etwas unternehmen.“
Keine Medaillen für deutsche Eisschnellläufer
Nach einem Bericht der ARD, in dem es heißt, die Sportler müssten Reisekosten zu Weltcups teilweise selbst übernehmen und Große Vorwürfe in Bezug auf seine Verbandsführung gemacht werden, hat der DESG-Präsident für den 26. Februar eine Pressekonferenz angekündigt.
Bei den Olympischen Spielen waren dreizehn deutsche Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufer am Start. Das Frauenteam lief in der Mannschaftsverfolgung auf Platz fünf, in den Einzelrennen erreichten Sophie Warmuth im 500-Meter-Sprint und Maira Jasch über 5000 Meter jeweils den achten Platz.
