Liebe Leserin, lieber Leser,
Dämonen und Monster haben auf Hamburgs Theaterbühnen gerade Konjunktur. Auf
der Bühne der Staatsoper kämpft Godzilla gegen Donald Trump. Im
Ernst-Deutsch-Theater fürchten
sich Polarreisende vor Frankenstein. Und im Schauspielhaus krächzen
und flattern die Vampire.
Dämonen und Monster, so heißt auch die neue Aufführung im
Klabauter-Theater unweit des Bahnhofs Berliner Tor. Hamburg ist reich an
kleinen Bühnen, doch das Klabauter-Theater ist etwas Besonderes: Anders als an den
meisten anderen Privattheatern gibt es hier ein festes Ensemble. Zwölf
Schauspielerinnen und Schauspieler bringen ein Stück nach dem anderen auf die
Bühne, in den vergangenen Jahren etwa Shakespeare (Wie es euch gefällt)
oder Peter Handke (Publikumsbeschimpfung).
Das Ensemble ist inklusiv, das bedeutet, dass unter
den Schauspielerinnen und Schauspielern auch mehrere sind, die Gehhilfen oder
Rollstühle nutzen. Und dass nicht alle komplizierte Sprechrollen übernehmen,
einige arbeiten vor allem über ihre körperliche Präsenz. Unterschiede zwischen
Menschen werden hier aber nicht groß thematisiert, sondern: Es wird mit ihnen
gespielt.
Für Dämonen und Monster versuchen die
Klabauter etwas Neues: Sie haben sich mit acht Jugendlichen aus St. Pauli
zusammengetan, einem Theaterkurs der Stadtteilschule am Hafen. Gemeinsam
entwickelten sie das Stück, gestalteten Kostüme und Requisiten, probten und
stehen nun auf der Bühne.
“Inklusion bedeutet, verschiedene Menschen
zusammenzubringen und etwas Gemeinsames zu entwickeln”, sagt Anne Pretzsch. Sie
bildet zusammen mit Anthoula Bourna und Teresa L. Rosenkrantz das Theaterkollektiv
bright future, das die Idee zu Dämonen und Monster hatte.
“Jugendliche und Menschen mit Behinderung machen jeweils auf ihre Art
Erfahrungen damit, ausgeschlossen zu werden”, sagt Pretzsch. “Das wollten wir
thematisieren.”
In dem Stück geht es darum, wie Menschen, deren
Aussehen, Alter oder Verhalten von dem der Mehrheit abweicht, zu Monstern
gemacht werden. Es geht also nicht um Ungeheuer im Weißen Haus (à la
Staatsoper) oder im ewigen Eis (Ernst-Deutsch-Theater), sondern darum, dass wir
uns selbst manchmal ziemlich monströs benehmen mit unseren Urteilen und
Vorurteilen.
Wenn das jetzt sehr moralisch oder didaktisch
klingt, keine Sorge. Dämonen und Monster ist ein großes, buntes Durcheinander
mit Nebel, Glitzer und Gesang. Die Premiere ist heute um 11 Uhr, bis Ende des
Monats gibt es noch weitere Vorstellungen, alle
Infos dazu finden Sie hier.
Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Oskar Piegsa
PS: Gestern haben wir in diesem Newsletter gefragt, wovon Sie in unserer
Stadt gerade genervt sind. Heute würden wir gern wissen, was Sie in Hamburg glücklich
macht. Vielleicht ist es ein besonderer Ort in Ihrer Nachbarschaft, der
freundliche Gruß des Briefträgers am Morgen – oder etwas völlig anderes? Verraten Sie es uns! Wir freuen uns über zwei oder drei Sätze (bitte nicht
mehr) an hamburg@zeit.de, Betreff: “Ach, Hamburg!”
WAS HEUTE WICHTIG IST
Der
wiederholte Wechsel zwischen Frost und Tauwetter in den vergangenen Wochen
führte zu einer deutlich erhöhten Zahl von Schlaglöchern auf Hamburgs
Straßen. Das teilte der Senat
mit, der das Ausmaß der Schäden noch nicht beziffern konnte. Bezirksämter und
die Hafenbehörde HPA sollen Firmen damit beauftragen, Straßen abzufahren und
Schlaglöcher mit Heißasphalt zu verfüllen. Erste Priorität haben demnach die
Hauptverkehrsstraßen und besonders gefährliche Schäden auch auf kleineren Straßen.
Der Onlinehändler Otto plant knapp 460 Vollzeitstellen abzubauen,
vor allem am Standort Hamburg. Größere Veränderungen seien im Marketing, im
Controlling sowie in den Tech-Bereichen vorgesehen, teilte das Unternehmen mit.
Wörtlich hieß es: “Diese schwierige Entscheidung wurde nicht leichtfertig
getroffen und ist das Ergebnis mehrmonatiger, konstruktiver Verhandlungen mit
dem Otto-Betriebsrat.”
Hamburg und vier weitere Bundesländer haben sich bei der Chefin der
Deutschen Bahn, Evelyn Palla, über ihr Vorgehen bei der Streckensanierung
Berlin–Hamburg beschwert. Die Bahn hatte am Montag mitgeteilt, dass sich
die für Ende April geplante Fertigstellung der Streckensanierung um unbestimmte
Zeit verzögere. Später war von “wenigen Wochen, nicht Monaten” die Rede. Die
Länder kritisierten, sie seien nicht informiert worden, und forderten einen
Zeitplan bis zum 2. März.
Rheinmetall darf die Militärsparte NVL der
Bremer Werftengruppe Lürssen kaufen, zu der auch die Blohm+Voss-Werft im
Hamburger Hafen gehört. Deutschlands größter Rüstungskonzern hatte sich bereits
im September mit Lürssen auf den Kauf geeinigt. Doch es musste noch die
EU-Kommission zustimmen. Das ist nun geschehen.
Die Polizei sucht nach einem Unfall in
Wilhelmsburg nach Zeugen. Am Dienstagabend war beobachtet worden, wie zwei Pkw
durch ein Gewerbegebiet rasten, mutmaßlich handelte es sich um ein illegales
Autorennen. Einer der Fahrer verlor die Kontrolle, durchbrach die Glasfront
eines Firmengebäudes und kam erst im Innenraum zum Stehen. Der Mann sei dann in
das zweite beteiligte Fahrzeug gestiegen und davongefahren.
AUS HAMBURG
“Es darf doch nicht erst ein Kind zu Schaden kommen!”
Was braucht es für einen
sicheren Schulweg? In Hamburg demonstrieren Eltern mit einem roten Teppich für
einen Zebrastreifen – und stoßen auf Widerstand. ZEIT-Autorin Helene Altgelt
war vor Ort; lesen Sie hier einen Auszug aus ihrem Artikel.
Zwei Hexen stolzieren über einen roten Teppich,
flankiert von einem Löwen. Diese Szene könnte sich bei der Premiere von Wicked:
Teil 2 abspielen, tatsächlich ist es ein verschneiter Februarmorgen vor der
Stadtteilschule Winterhude in Hamburg. Die Kinder sind für eine Karnevalsfeier
verkleidet, der Teppich ist an manchen Stellen grau – dort, wo sich die Spuren
von Autoreifen abzeichnen. Eltern haben ihn mitten über eine Straße gelegt, den
Wiesendamm, um für die Einrichtung eines Zebrastreifens zu protestieren.
Der Sohn von Peter Grauvogel ist neun, besucht
die dritte Klasse. Meist fährt er mit dem Fahrrad zur Schule – und muss genau
hier die Straße überqueren. Rund 800 Autos passieren morgens diese Stelle, sagt
Grauvogel, mehr als 13 pro Minute. Vor Unterrichtsbeginn queren dort etwa 300
Schülerinnen und Schüler die Fahrbahn. Grauvogel und seine Mitstreiter haben
nachgezählt. Bezirksamt und Polizei sehen dennoch keinen Handlungsbedarf. In
einer Stellungnahme bezeichnen sie den Übergang als “sicher und gut nutzbar”.
Der Konflikt am Wiesendamm ist kein Einzelfall.
In ganz Hamburg wird immer wieder über sichere Schulwege gestritten: besorgte
Eltern auf der einen, abwägende Behörden auf der anderen Seite. Längst hat das
Thema auch die Politik erreicht. Vor einem Jahr veröffentlichte die
Metropolregion Hamburg gar einen Leitfaden mit dem Titel “Bussi vor dem Bus”.
Darin finden sich konkrete Vorschläge für mehr Sicherheit vor Schulen:
Tempo-30-Zonen etwa, klar markierte Hol-und-bring-Bereiche für sogenannte
Elterntaxis – und Zebrastreifen.
Warum sich trotz vieler
Diskussionen nichts verändert, lesen Sie
weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum
Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
“Die
verrücktesten Sachen kommen aus Asien”
Glitzernde
Limonade, höllenscharfe Chips und das sauerste Fruchtgummi – Talha Ergün bringt
Süßigkeiten aus aller Welt in die Hamburger Supermärkte. Wie entdeckt er all
die Sachen? ZEIT-Autorin Miriam Amor hat ihn das gefragt. → Zum Artikel (Z+)
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Das Benefiz-Orchester Nova Consonanza gastiert
im Johanneum mit einem Konzert zugunsten des Freundeskreises UKE für Kinder
Demenz e.V. Auf dem Programm stehen Werke von Mozart und Strawinsky. Der
Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Sie fließen vollständig in die
Unterstützung demenzkranker Kinder sowie in die Behandlung und Erforschung
ihrer seltenen neurodegenerativen Erkrankungen am Kinder-UKE.
Benefizkonzert Nova
Consonanza, 22.2., 18 Uhr; Aula des Johanneums, Maria-Louisen-Str. 114
MEINE STADT
HAMBURGER SCHNACK
In einer Bäckerei
am Hauptbahnhof. Der Verkäufer fragt den Kunden: “Darf ich die zwei Teile in
eine Tüte packen?” Der Kunde: “Klar, die werden sich schon vertragen.”
Gehört von Ute Zeißler
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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